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Ministercheck Abrechnung mit der Merkel-Regierung

Seite 7/8

Friedrich & Schröder

Hans-Peter Friedrich (CSU), Innenminister Quelle: dpa

Hans-Peter Friedrich

(CSU), 56, Innenminister

Als Hans-Peter Friedrich am 16. März 2011 das Amt des Innenministers übernahm - sein Vorgänger Thomas de Maiziere (CDU) musste im Verteidigungsministerium das schwere Erbe des umfassend gescheiterten Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) antreten -, war es ihm ganz sicher keine Herzensangelegenheit.

Was Friedrich in der vergangenen Legislaturperiode verpasste

Gut zwei Jahre später muss man sagen: Man hätte sie ihm die ministerielle Würde weiß Gott ersparen sollen. Denn Hans-Peter Friedrich, der so  gerne Landesgruppenchef der CSU im Bundestag geblieben wäre, wird vor allem als Minister in Erinnerung bleiben, dessen Fähigkeiten irgendwo anderswo liegen als an der Spitze einer Bundesbehörde, die auch nach intellektueller Ausgestaltung, nach der Kraft des Wortes verlangt.

Was Friedrich in der vergangenen Legislaturperiode erreichte

Friedrich war kaum ein paar Tage im Amt, als er sich dazu berufen sah, das Vermächtnis von Ex-Bundespräsident Christian Wulff zu widerrufen: Der Islam gehört nicht zu Deutschland. Natürlich gehört er das nicht, im kulturgeschichtlichen Sinne, ganz im Gegenteil, man erinnere sich an die Kreuzzüge und an die Türken vor Wien... Aber im realgegenwärtigen Sinne, also so wie Wulff es wohl meinte, gehört der Islam natürlich doch zu Deutschland - und zu genau dieser Unterscheidung war Friedrich nicht fähig, so dass am Ende der blödsinnigen Debatte der ungute Eindruck haften blieb, ausgerechnet der Innenminister einer weltweit vernetzten Exportnation wolle leitkulturell-deutschtümelnde Ressentiments bedienen. Die noch von Vor-Vor-gänger Wolfgang Schäuble initiierte Islamkonferenz ist seither vor allem: zwecklos. Friedrich hat den guten Willen aller (vorerst) zerstört.

Kristina Schröder (CDU), Familienministerin Quelle: dapd

Kristina Schröder

(CDU), 36, Familienministerin

Ach Gott, Kristina Schröder. Sie fällt, gerade 36 geworden, unter das Kinderschutzgesetz, weshalb wir an dieser Stelle nur sagen wollen, dass ihre vier Jahre als Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vor allem zur Erhöhung ihre Vorgängerin Ursula von der Leyen (CDU) taugen. Kristina Schröder hat das Amt wieder dorthin gebracht, wo es nach Meinung von Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) hingehört: ins frauenpolitische Steinzeitalter des vorigen Jahrtausends - als Zuständige für ministeriell verwaltetes "Gedöns".

Was Schröder in der vergangenen Legislaturperiode erreichte

Wohlmeinende Historiker werden sich dereinst daran erinnern, das Kristina Schröder die jüngste Ministerin im zweiten Kabinett Merkel war und die erste Ministerin überhaupt, die während ihrer Arbeitszeit Mutter wurde. Nicht ganz so wohlmeinende Beobachter werden zu dem Schluss kommen, dass sie das schwächste Mitglied eines schwachen Kabinetts war.

Was Schröder in der vergangenen Legislaturperiode verpasste

Grenzenlos peinlich geriet Schröder vor allem ihre Frauenpolitik, deren Sinn sie rundheraus in Frage stellte. Seht her, sprach das Naivchen, schaut auf mich und mein Kostümchen: Ich bin emanzipiert und weiß, was ich will, ich kann mich durchsetzen, Mutter werden und Karriere machen - ganz ohne Alice Schwarzer und die Quote. Was soll man dazu sagen? Dass Kristina Schröder auch noch meinte, ihre kess geschminkte Unbedarftheit in Buchform unters Volk jubeln zu müssen (“Danke, emanzipiert sind wir selber!”), löste nur noch peinvolle Fremdschämerei aus. Wer führt Frau Schröder in ein paar Wochen, wenn sie - gute Reise! - endlich aus dem Amt scheidet, mal in ein Bordell, um ihr zu zeigen, dass Frauen noch immer nicht Frauen sein dürfen, sondern zu Frauen gemacht werden? Wer führt ihr mal einen durchschnittlichen Pornofilm vor? Wer nimmt sie mal mit in ein männderdominiertes Büro, in dem die Witze-Schwarte kracht? 

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