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Mitgliederschwund Gewerkschaften kämpfen um die Wende

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Eine Stahlarbeiterin pustet am Quelle: dpa

Auch Berthold Huber muss sich keine Sorgen um seine Wiederwahl machen. Die IG Metall hat 2500 Mitarbeiter und damit (obgleich mitgliederstärker) weniger Personal als Verdi. Die Beitragseinnahmen lagen zuletzt bei 442 Millionen Eur; 36 Prozent davon kommen den 163 regionalen Dependancen zugute. Im Zuge einer Organisationsreform fallen in der Frankfurter Zentrale 125 von 550 Stellen weg; dafür werden jährlich weitere 20 Millionen Euro für Mitgliederwerbung und Basisarbeit vor Ort bereitgestellt.

20 Millionen für Mitgliederwerbung

Grafik2

Auch wenn die Aufwands- und Ertragsrechnungen in den vergangenen Jahren immer im Minus abschloss - erst 2011 erwartet die IG Metall wieder ein Plus -, ist die Gewerkschaft nicht arm. Allein den Streikfonds schätzen Insider auf mindestens zwei Milliarden Euro. die Gewerkschaft muss auch in schlechten Jahren laut Satzung rund 15 Prozent der Einnahmen dorthin abführen.

Größtes Problem der Gewerkschaften bleibt nach wie vor der Mitgliederschwund: 2010 haben die DGB-Gewerkschaften noch einmal knapp 72.000 Mitglieder verloren. 2011 aber bahnt sich ein Turn-Around an. Der Rückgang ist mittlerweile vor allem auf Sterbefälle zurückzuführen, bei den aktiven Arbeitnehmern stabilisieren sich bei vielen Gewerkschaften die Zahlen. Verdi musste in der ersten Jahreshälfte 2011 nur noch ein kleines Minus von 0,5 Prozent hinnehmen, die IG Metall meldet erstmals seit 22 Jahren wieder steigende Mitgliederzahlen. Auch die bislang niedrige Zahl junger Gewerkschafter wächst.

Strukturelle Probleme

Strukturelle Probleme bleiben dennoch: Einem hohen Organisationsgrad in industriellen Großkonzernen - bei VW etwa sind mehr als 90 Prozent der Mitarbeiter organisiert - stehen weiße Flecken in aufstrebenden neuen Branchen gegenüber, etwa in den Bereichen regenerative Energie, IT, Zeitarbeit oder bei Callcentern. Speziell Verdi, wo mehr als 1000 Berufe organisiert sind, muss sich zudem der wachsenden Konkurrenz druch Spartengewerkschaften erwehren, deren Klientel sich von der Massenorganisation nicht vertreten fühlt.

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