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Myanmar Der hässliche Verbündete

Für Peking ist der Umgang mit der Krise in Myanmar (Burma) ein Drahtseilakt. Denn China verfolgt dort handfeste wirtschaftliche und strategische Interessen.

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Soldaten patroullieren in der Nähe der Sule Pagode in Yangon, dpa

Es ist die Stunde der Formulierungskünstler in Peking. „Wir hoffen, dass man ruhig bleibt und nichts unternimmt, was die Lage noch komplizieren könnte“, windet sich Jiang Yu, Sprecherin des Außenministeriums, auf die Frage, wie Peking zum brutalen Vorgehen der Militärjunta Myanmars gegen die Opposition stehe. Mit den gegenwärtigen Problemen müsse angemessen umgegangen werden, teilt die Diplomatin mit, damit die Stabilität in Myanmar und der Friede in der Region nicht gefährdet würden. Dann, Anfang vergangener Woche, verabschiedete sich Chinas politische Klasse erst einmal in die einwöchigen Ferien zum eigenen Nationalfeiertag. Die Krise im Nachbarland ist für die Chinesen ein Problem. Die Politiker in Peking sorgen sich um ihr Image im Westen. Zehn Monate vor den Olympischen Spielen können sie internationale Kritik und erneute Boykottaufrufe wie bislang schon wegen ihres Engagements im Sudan nicht brauchen. Darum wirken sie mäßigend auf die Machthaber in Myanmar ein. Doch als enger Verbündeter, Investor, Handelspartner und Waffenlieferant hat China kein Interesse an einem Zusammenbruch des Regimes. In der chinesischen Regierung geht derzeit die Furcht um, ein Umsturz in Myanmar könnte oppositionelle Gruppen im eigenen Land ermuntern. Vor allem aber fürchtet Peking um seine wirtschaftlichen und strategischen Interessen. „Der Zugang zu Rohstoffen, geopolitische Interessen und die Sorge um die politische Stabilität in der Heimat werden China letztlich davon abhalten, seine grundsätzliche Haltung zu ändern“, glauben die Analysten des privaten Thinktank Strategic Forecasting im amerikanischen Austin. Vor allem die großen Rohstoffvorkommen Myanmars haben Pekings Begehrlichkeiten geweckt. Allein die nachgewiesenen Gasvorkommen von 540 Milliarden Kubikmetern sind mit die größten in Asien. Dazu kommen Nickel, Kupfer, Erdöl und das so dringend für den chinesischen Bauboom benötigte Holz. Allein 17 Projekte zur Förderung von Öl und Gas haben chinesische Unternehmen in Myanmar in jüngster Zeit begonnen. Beteiligt sind alle großen chinesischen Rohstoffkonzerne von Sinopec über CNOOC bis zu PetroChina.

In diesem Sommer war bekannt geworden, dass die Militärjunta die gesamten Vorkommen im Shwee-Gasfeld vor der Küste Myanmars an China verkaufen will. „Der Verkauf des Shwee-Gases dürfte der Führung aus Myanmar über eine Milliarde Euro jährlich in die Taschen spülen. Und das für die nächsten 40 Jahre“, meint Sar Watana, Myanmar-Analystin bei einem internationalen Unternehmen in Bangkok. Und dazu kommt die mögliche Funktion Myanmars als Landbrücke Chinas zum Indischen Ozean. Noch in diesem Jahr wollen chinesische Unternehmen mit dem Bau zweier Pipelines von der Küste Myanmars nach Kunming im Süden Chinas beginnen. Kyauk Phyu, etwa 600 Kilometer westlich von Rangun, soll einen Tiefwasserhafen bekommen, über den Öl und Gas aus Afrika und dem Nahen Osten dann nach China fließen werden. Der teure und zeitaufwendige Seeweg über die Straße von Malakka wäre dann für Chinas Importe und Exporte überflüssig. Neben den neuen Pipelines bauen chinesische Unternehmen schon an einer Schnellstraße vom Norden Myanmars Richtung Meer. Wie die chinesischen Wirtschaftspolitiker sind auch die Militärstrategen in Peking an Myanmar interessiert: Für sie ist das Land ein Puffer gegen die konkurrierende Großmacht Indien. China unterstützt darum die Herrscher aus Myanmar bei der Modernisierung von Marinestützpunkten und beteiligt sich an der Fortbildung von Soldaten der Junta. Nach indischen Angaben unterhält Peking auf den Coco-Inseln (Myanmar) militärische Überwachungsstationen. Von dort aus beobachten die Chinesen angeblich die Bewegungen der indischen Marine im Golf von Bengalen und die Raketenteststationen im Osten Indiens. Allzu streng werden Pekings Politiker darum wohl kaum mit den Generälen aus Myanmar umgehen.

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