Nachfolger für Klaus Wowereit Was muss ein Regierender Bürgermeister können?

Die wichtigste Frage bei der Suche nach einem Nachfolger für Klaus Wowereit in Berlin wird von den Konkurrenten ums Amt mit Bedacht nicht gestellt.

Klaus Wowereit: Was muss der Nachfolger können? Quelle: REUTERS

Die Sache mit dem Schuh hat Berlins noch-Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit sicher schon mal bereut. Die Entertainerin Maren Kroymann erinnerte sich nun, da der SPD-Regierungschef in der Bundeshauptstadt nach 13 Jahren seinen Abschied verkündete: Wowi galt mal als populärer Regierender Partymeister. Kroymann sagte: "Man sehnt sich ja geradezu nach den überschaubaren Zeiten zurück, wo der Champagner, den Wowereit aus dem Schuh von Sabine Christianen getrunken hat, das einzige Problem seiner Amtszeit war."

Dit is Berlin, dit war der Regierende. Fabelhaft war Wowereit jedenfalls, um Toleranz und Weltoffenheit als Botschaft dieser Stadt in die weite Welt hinauszutragen. Auch deshalb strömen Millionen Touristen, kaufen tausende Investoren Immobilien an der Spree.

Charme - Fehlanzeige

Neben dieser Eigenschaft bräuchte der Nachfolger oder die Nachfolgende aber dringend noch ein paar weitere, um die Stadt gut zu regieren und nicht nur zu repräsentieren. Die beiden schon bekannten Konkurrenten Jan Stöß, SPD-Parteichef Berlins, und Raed Saleh, der Fraktionschef der Sozialdemokraten im Abgeordnetenhaus, versprühen beide leider weder viel Charme noch Charisma. Sie bringen leider auch wenig andere Eigenschaften mit, die für den Rathauschef in Deutschlands größter Stadt Voraussetzung sein sollten.

Wowereit im Rückblick

Was muss also ein Regierender Bürgermeister können?
Er sollte wählbar sein und zwar nicht nur von Berlins SPD-Mitgliedern, sondern von den Bürgern der Stadt. So ein Kandidat sollte Wahlkampf können und unempfindlich sein gegen Angriffe - auch aus der so zerstrittenen Berliner Partei. Das würde für einen von außen sprechen wie Martin Schulz, den EU-Parlamentspräsidenten, der schon SPD-Spitzenkandidat für die EU war. Der wurde offenbar von SPD-Chef Sigmar Gabriel gefragt, winkte aber dankend ab.

Ein guter Bürgermeister sollte verbindlich sein und Bürgersinn wachrufen. Verbindlich sein heißt zu einem Gutteil auch immer, gut managen zu können, langen Atem zu haben und Interessen geschickt einzubinden. Auch könnte Berlin viel mehr Gemeinsinn gebrauchen, der noch wachgeküsst werden muss.

In Hamburg, München oder Esslingen bringen sich die Bürger erheblich mehr für ihre Stadt ein als in Berlin – mit Engagement und Geld. So etwas täte Berlin gut, das sich vor allem tolerant nennt. Viele verwechseln das aber mit Wurstigkeit gegenüber allem, was vor der eigenen Haustür oder jenseits des eigenen Kiezes abläuft. Da könnte ein Ulrich Nußbaum, bisher parteiloser Finanzsenator und früher Unternehmer, passen, der leidlich gespart hat und Unpopuläres durchbrachte. Nußbaum kommt bis in CDU-Wählerschichten gut an.

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Schließlich sollte ein Regierender Bürgermeister Aktenfresser, detailverliebt und konsequent sein. Das sind zwingende Voraussetzungen, damit diese Baustelle, die einmal der Flughafen von Berlin werden sollte, überhaupt noch zu Ende gebracht wird. Der Platz im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft ist dem Regierenden sicher. Er sollte die Zeit auf diesem Posten aber nicht nur absitzen, sondern positiv prägen.

Etwas mehr Olaf Scholz würde Berlin nicht schaden. Hamburgs Erster Bürgermeister ist zwar kein Partykracher, aber effektiv. Und im Vergleich zu früher schon deutlich lockerer geworden.

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