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Nachhaltig investieren Darauf sollten Anleger bei grünen Fonds achten

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Ökologisch investieren hat ökonomische Vorteile

Sauerstoff fehlte, als Nina Lagron, Nachhaltigkeitsexpertin des französischen Anbieters La Francaise, auf einem Branchentreffen der Fondsindustrie ihren Vortrag zum Thema Nachhaltigkeit hielt. Der Raum war überfüllt, die Luft dünn. Die Fondsgesellschaft hatte unterschätzt, wie attraktiv ihr Thema Nachhaltigkeit plötzlich für alle Branchenvertreter wurde. Lagron hielt sich nicht lange mit ökologischen Auswirkungen aus, sondern nannte knallharte ökonomische Vorteile: „CO2-ärmere Anlagestrategien haben geringere regulatorische Risiken, sie sind aber vor allem interessant, weil Unternehmen, die auf den Ausstoß achten, damit auch Kostenvorteile realisieren“, sagt Lagron. Der US-Paketdienst UPS habe durch optimierte Fahrwege und verkürzte Lieferwege nicht nur CO2-gespart, sondern auch noch 400 Millionen Dollar. So verbesserte UPS gegenüber dem Konkurrenten Fedex die Marge.

US-Supermarktriese Walmart will bis 2030 eine Milliarde Tonnen CO2 einsparen. Dass entspräche dem Ausstoß von Brasilien. Das Projekt binde auch Zulieferer aus Asien ein und ermögliche Wal Mart künftig nicht nur mit niedrigem Preis, sondern mit grüneren Produkten zu werben. Deshalb investiert der von Lagron gemangte Fonds La Francaise Inflection Point Carbon Impact Global (LU1744646933) nicht nur in Unternehmen, die Lösungen anbieten, um etwa fossile Brennstoffe zu ersetzen wie Nextera Energy, Vestas Wind, Gamesa oder First Solar, sondern auch in herkömmliche Unternehmen, wenn die beim Klimaschutz nach Ansicht von Lagron einen Beitrag leisten. „Die Bemühungen der Großunternehmen sind wirkungsvoller, als manche Aktivität von kleinen Unternehmen“, sagt die Fondsmanagerin.

Ihr Fonds, der vor gut einem Jahr an den Markt kam, hat ein leichtes Plus erzielt, die größten Positionen im Fonds sind amerikanisch: Microsoft, Amazon, Salesforce, Apple, Wal Mart, CME Group (US Terminbörse), aus Europa kommt nur der irische Mischkonzern Ingersoll Rand (Thermo King) in die Top Ten. Die CO2-Belastung je investierter Million („Carbon Footprint“) soll in diesem Portfolio weniger als ein Drittel dessen ausmachen, mit dem ein traditionelles weltweites Aktienportfolio das Klima belastet.

Risikoballung vermeiden

In Deutschland fußt das Thema Nachhaltigkeit vor allem auf ESG, also Umwelt, Soziales und verantwortungsvolle Unternehmensführung. Je nachdem, welche Position ein Geldverwalter einnimmt, hat er mal einen breiteren oder engen Blick darauf. „Es kann nicht nur zwei Töpfe – grün und braun – geben, denn Unternehmen, die in ihrem Bereich grüner und nachhaltiger werden wollen, sollte man dafür nicht bestrafen, indem man ihnen Kapital verweigert“, sagt Thomas Richter, Geschäftsführer des deutschen Fondsverbandes BVI, dessen 100 Mitglieder rund 3000 Milliarden Euro managen. Das Risiko, dass sich Kapital künftig zu stark in Aktien ballen werde, die in die ökologische Ecke gehören und sich durch einen niedrigen CO2-Ausstoß auszeichnen („Low Carbon“), sei groß. „Dadurch wird die Streuung von Anlagegeldern verringert und das Anlagerisiko erhöht“, sagt Richter.

Auch Michael Schmidt warnt vor zu viel Zwang: Der heutige Vorstand bei Lloyd Fonds war der einzige Vertreter aus Deutschland in der Expertengruppe, die den Brüsseler-Aktionsplan „Sustainable Finance“ ausgearbeitet hat. „Die Regulierung nachhaltiger Geldanlage sollte nicht zu politisch getrieben sein und die Entscheidungsfreiheit der Anleger nicht einengen, sondern durch Anforderungen an Transparenz und Aufklärung unterstützen“, sagt Schmidt.

Wer eine allzu ökoorientierte Anlage vermeiden möchte, kann klassische Fonds wählen, die ebenfalls auf ESG-Kriterien achten, auch wenn bei denen dies nicht direkt im Namen auftaucht und sie nicht gleich ganze Branchen ausschließen. Umfangreiche Analyse betreibt das französische Fondshaus Comgest seit langem, dazu nutzt es auch Daten von gleich mehreren ESG-Datenanbietern. Die Fonds der Franzosen sind exzellent und vielfach prämiert. Das Team bei Europa-Aktienfonds um Franz Weis arbeitet seit Jahren erfolgreich zusammen. Comgest würde aber mitunter auch Aktien von Unternehmen in einen Fonds aufnehmen, die ein schwächeres ESG-Rating haben, wenn sich bei dem Unternehmen ihrer Meinung nach trotzdem ökonomische Chancen bieten. Dieses Unternehmen würden die Fondsmanager besonders intensiv beobachten. Wie bei französischen Fondshäusern üblich, ermittelt auch Comgest schon für das Europa Portfolio einen CO2-Footprint. Der Fonds soll 82 Prozent weniger kohlenstoffintensiv als der MSCI Europe zusammengestellt sein.

Das hauseigene System S-Ray prüft weltweit anhand von 50.000 Quellen in 15 Sprachen Unternehmen auf Nachhaltigkeit. Das Spektrum reicht von Bilanzierungsmängeln und Vergütungspolitik über Zufriedenheit von Mitarbeitern und Zulieferern bis hin zu Müllvermeidung und Produktqualität – mehr als 500 Parameter. Die Kosten können langfristig sinken, der Computer arbeitet billiger als Analysten. 

Arabesque-Researchchef Andreas Feiner will nicht ganze Industrien als Investments ausschließen. Mehr werde erreicht, wenn alle Investoren Nachhaltigkeitsdaten bei der Aktienauswahl einsetzen. Am besten genauso selbstverständlich wie schon lange die Zahlen zu Umsatz, Gewinn oder Verschuldung.

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