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Nachhaltigkeitsberichte Bald müssen Konzerne beweisen, wie grün sie wirklich sind

Die großen Konzerne veröffentlichen Berichte darüber, wie nachhaltig sie arbeiten. Nur geschieht das nicht einheitlich, da es keine Regeln gibt. Das soll sich bald ändern.

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Geht es nach dem Justizministerium, müssen Konzerne bald neben Umweltbelangen auch über Arbeitnehmerfragen und soziale Themen informieren. Quelle: dpa/dpaweb

Treibhausgase, Wasserschutz, Luftreinhaltung oder ethische Verantwortung - die Nachhaltigkeitsberichte mancher Konzerne lesen sich teilweise wie Dokumente von Umweltorganisationen. Doch feste Vorgaben fehlen: Bislang sind die Firmen völlig frei, wenn sie über die Folgen ihres wirtschaftlichen Handelns Rechenschaft ablegen. Das sorgt für Kritik: „Die Aussagekraft lässt häufig zu wünschen übrig“, sagt Oliver Emons, Wirtschaftsreferent bei der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Die fehlenden Regeln machen es bislang vor allem schwer, die Berichte zu vergleichen. Im Gegensatz zu den Finanzberichten, die nach den Vorgaben des Handelsgesetzbuchs oder den internationalen Berichtspflichten verfasst werden, gibt es für Nachhaltigkeitsberichte unzählige Initiativen und Richtlinien, auf die sich Unternehmen stützen können. Die Vereinten Nationen geben mit ihrer Global-Compact-Plattform Rahmenbedingungen vor, genau wie die Global Reporting Initiative (GRI) oder das Carbon Disclosure Project. Doch die sind freiwillig.

Wer sich beispielsweise der Global Reporting Initiative anschließen will, muss für sein Unternehmen relevante soziale Auswirkungen und Folgen für die Umwelt berücksichtigen, erklärt GRI-Direktorin Ásthildur Hjaltadóttir. Die Initiative hat vor einigen Jahren ihre Kriterien vereinfacht. „Dadurch sehen wir Nachhaltigkeitsberichte, die fokussierter sind“, sagt Hjaltadóttir. Nun arbeitet die Initiative daran, mehr kleine und mittelgroße Firmen dazu zu bringen, Nachhaltigkeitsberichte zu veröffentlichen.

Ein einheitliches Schema für alle deutschen Konzerne ergibt sich daraus nicht. BASF beispielsweise setzt die Prinzipien von Global Compact um. Der Chemiekonzern hat sich Umweltziele gesetzt, zu denen zum Beispiel nachhaltiges Wassermanagement oder Reduktion der Treibhausgase gehören. Die Darstellung verheimlicht keine Rückschläge. 2014 beispielsweise waren die Treibhausemissionen wieder angestiegen.

Daimler legt Global Compact und die Richtlinien der Global Reporting Initiative (GRI) an. Welche Punkte tatsächlich „wesentlich“ sind, ermittelt der Autokonzern über eine weltweite offene Befragung. Darüber hinaus berät ein unabhängiges Gremium den Autokonzern unter anderem in Fragen der Nachhaltigkeit, in dem unter anderem der Klimaexperte Ernst Ulrich von Weizsäcker sitzt.

Der Softwarekonzern SAP hält sich wiederum einzig an die Vorgaben der Global Reporting Initiative. SAP veröffentlicht einen sogenannten „Integrierten Bericht“, der die Finanzkennzahlen in Beziehung zu den Nachhaltigkeitskriterien setzen soll. So sollen aus den oft belächelten „Soft Facts“ harte Fakten werden.

Einheitlicheres Bild dürfte es erst 2017 geben

SAP bildet unter anderem die Mitarbeiterzufriedenheit in Indizes ab und zieht entsprechende Schlüsse, denn die Belegschaft - bestehend aus Softwareentwicklern und Beratern - ist das wichtigste Kapital der Walldorfer.

Der Index für betriebliche Gesundheitskultur zum Beispiel - in etwa ein Wohlfühl-Index für die Förderung der Gesundheit und die Balance zwischen Arbeit und Freizeit - stieg 2015 um 3 Prozentpunkte auf 75 Prozent. Jeder zusätzliche Prozentpunkt trage 75 bis 85 Millionen Euro zum Betriebsergebnis bei, rechnet SAP vor.

„Die reinen Geldbeträge pro Prozentpunkt in den Indizes aus unserer Mitarbeiterbefragung sind vor allem ein Indikator“, sagt Peter Rasper, als kaufmännischer Leiter verantwortlich für Nachhaltigkeit. „Wir wissen aber, dass ein signifikanter Zusammenhang mit den tatsächlichen Kosten besteht.“

Ein einheitlicheres Bild in den Berichten dürfte es erst 2017 geben. Die EU hatte 2014 eine Richtlinie erlassen, nach der nicht-finanzielle Informationen von großen Unternehmen und Organisationen veröffentlicht werden müssen. Bis Ende des Jahres müssen die Mitgliedstaaten die Vorschriften umsetzen.

Das Bundesjustizministerium hat im März einen ersten Gesetzentwurf veröffentlicht. Darin ist vorgesehen, dass neben Umweltbelangen auch über Arbeitnehmerfragen, soziale Themen, die Achtung der Menschenrechte oder die Bekämpfung von Korruption Rechenschaft abgelegt wird.

Wenn das Gewissen über die Geldanlage entscheidet
Euromünzen Quelle: Fotolia
Platz 17: Bergbau (6 Prozent)Die großen Bergbaukonzerne der Welt stehen häufig am Pranger – nicht nur wenn es um Nachhaltigkeit geht. Anleger mit Nachhaltigkeitsfokus haben trotzdem eher wenige Bedenken bei der Branche: Nur Sechs Prozent würden hier kein Geld investieren. Quelle: dpa
Platz 16: Hersteller von Verhütungsmitteln/Betreiber von Abtreibungseinrichtungen (6 Prozent)Ebenfalls 6 Prozent finden Verhütungen und Abtreibungen ethisch bedenklich und würden hier kein Geld investieren. Erfahrungen mit ethisch-ökologischen Geldanlagen hatte übrigens nur jeder zwanzigste der Befragten. Quelle: AP
Platz 15: Autobranche (7 Prozent)Knapp ein Drittel der übrigen Befragten hat aber generell Interesse. Diejenigen, die aus dem Osten der Bundesrepublik stammen oder älter als 60 Jahre sind, sind seltener für ethisch-ökologische Geldanlagen zu begeistern. Sieben Prozent der Verbraucher haben ein grundsätzliches Problem damit, Geld in die Automobilbranche zu investieren. Quelle: dpa
Platz 14: Chemiebranche (9 Prozent)Vor die Wahl gestellt hielt fast die Hälfte der Teilnehmer ethische Aspekte für wichtiger als ökologische. Nur ein gutes Viertel gab der Umwelt den Vorzug, der Rest mochte sich nicht entscheiden. Fast zehn Prozent der Befragten können sich nicht vorstellen, ihr Geld in der Chemiebranche anzulegen. Quelle: dpa
Platz 13: Pharmabranche (12 Prozent)Trotz ihrem Beitrag zum medizinischen Fortschritt: In der Bevölkerung herrscht traditionell das Bild der bösen Pharmaindustrie vor. Das spiegelt sich auch in der Umfrage wieder: Für 12 Prozent der Befragten käme eine Investition in das Geschäft mit den Medikamenten nicht in Frage. Quelle: dpa
Platz 12: Biogas- und Biosprit-Herstellung (13 Prozent)Ein Großteil der landwirtschaftlich angebauten Lebensmittel wird mittlerweile für die Produktion von Biogas und Biosprit verwendet. Das ist in manchen Regionen der Welt problematischer als in anderen, denn die Verknappung der Lebensmittel kann die Konkurrenz zwischen Teller und Tank verschärfen. 13 Prozent der Befragten schließen die Branche bei ihren Geldanlagen deshalb kategorisch aus. Quelle: dpa

Die Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände stemmt sich bereits gegen zu enge Regeln. „Eine erleichternde Öffnungsklausel ist richtig, um Unternehmen die notwendige Flexibilität bei der Berichterstattung über soziale Verantwortung einzuräumen“, so ein Sprecher. Der Referentenentwurf gehe weit über die EU-Richtlinie hinaus, was zu erheblichen Zusatzbelastungen führen würde.

Das Problem, so Emons von der Böckler-Stiftung: „Viele Unternehmen fallen aus der Richtlinie heraus.“ Nur Firmen mit einer gewissen Größe und Bedeutung für die Öffentlichkeit müssen sich daran halten. Ob die EU-Richtlinie also Wirkung zeigen wird, hänge deshalb extrem davon ab, wie das Gesetz umgesetzt werde.

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