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Nahverkehr Schwarzfahrer lassen sich nicht abschrecken

Seit einem Jahr kostet es 60 statt 40 Euro, wenn ein Passagier ohne gültigen Fahrschein erwischt wird. Weniger Betrüger gibt es deshalb nicht.

So werden Schwarzfahrer auf der ganzen Welt bestraft
Schwarzfahren in Deutschland Quelle: dpa
Schwarzfahren in Griechenland Quelle: dpa
SpanienIn Madrid ist das Schwarzfahren für viele ein politisches Motiv. Aus Protest gegen die konservative Regierung rufen Fahrgäste dazu auf, nicht zu zahlen ("Yo no pago"). Dabei ist es gar nicht mal so einfach, ohne Fahrkarte in die U-Bahn einzusteigen. Die Drehkreuze, die von Sicherheitsleuten überwacht werden, lassen sich nur mit entwerteter Fahrkarte passieren. Zudem werden die Gänge kontrolliert. Wer ohne Fahrschein angetroffen wird, muss ein Bußgeld von 20 bis 30 Euro zahlen, das 20-fache des einfachen Tickets. Eine Smartphone-App dient spanischen Großstadt-Missetätern untereinander dazu, sich gegenseitig vor Kontrolleuren zu warnen. Quelle: Fotolia
Schwarzfahren in Japan Quelle: dpa
Schwarzfahren in den USA Quelle: fotolia
Schwarzfahren in London Quelle: REUTERS
Schwarzfahren in Schweden Quelle: dpa Picture-Alliance

Die deutschen Nahverkehrsunternehmen haben einen gemeinsamen Feind: das Internet. Steigen ihre Kontrolleure in Busse oder Bahnen, um die Gültigkeit der Fahrkarten zu prüfen, sind Schwarzfahrer häufig bereits ausgestiegen. Sie warnen sich per Facebook-Nachricht gegenseitig vor den Patrouillen der Ticketstreifen.

Der Onlinetrick ist das eine Ärgernis. Das andere: Auch von der vor einem Jahr beschlossenen Bußgelderhöhung von 40 auf 60 Euro lassen sich potenzielle Schwarzfahrer nicht beeindrucken, wie eine Umfrage der WirtschaftsWoche in den 20 größten Städten Deutschlands ergab. Im Schnitt verharrte die Schwarzfahrerquote bei rund 2,6 Prozent – ein gegenüber dem Vorjahr nahezu identischer Wert. Der geschätzte wirtschaftliche Schaden bundesweit: rund 250 Millionen Euro.

Nur 8 der 20 größten Städte in Deutschland melden sinkende Schwarzfahrerzahlen, aber jeweils in vernachlässigbarer Größenordnung. Sonst ist die Zahl der Sünder meist gleich geblieben. In Dortmund, Hannover oder Nürnberg ist sie sogar gestiegen.

Mal Schnecke, mal Windhund
Die Tabellen zeigen die schnellsten Verbindungen im Stundentakt (auf einzelnen Strecken verkehren dazwischen noch andere Fernzüge, die aber in der Regel langsamer sind). Quelle: Deutsche Bahn; Stand: 9.10.2013 Quelle: obs
Entfernung bis 100 km.
Entfernung bis 200 km. * Durchschnittswert
Entfernung bis 300 km. ** wegen Hochwasserschäden bis 4. November 2:09 Std.
Mehr als 300 km.

Die erschlichene Leistung bleibt also ein Riesenproblem. Negativer Spitzenreiter ist weiterhin die Bundeshauptstadt. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) melden fast sechs Prozent nicht zahlende Kunden. Allein 2015 erwischten Kontrolleure in den Bussen und Bahnen der BVG rund 327 000 Schwarzfahrer.

Die Nahverkehrsunternehmen fordern daher noch schärfere Gesetze. „Eine Erhöhung des Bußgeldes war dringend erforderlich“, heißt es etwa bei den Stadtwerken Nürnberg, die für die örtlichen Busse und Bahnen zuständig sind. „Doch wir blicken neidisch auf andere Länder, wo das Schwarzfahren zu Recht erheblich teurer ist.“ Auch der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) fordert als Sprachrohr der Branche ein härteres Vorgehen zumindest gegen Wiederholungstäter. Für sie solle die Strafzahlung auf bis zu 120 Euro erhöht werden, so der Verband. „Vor allem unverbesserliche Schwarzfahrer würde so ein hoher Betrag stärker abschrecken“, meint VDV-Geschäftsführer Oliver Wolff.

Recht einfach: Schwarzfahrer

Das ist auch nötig, denn die steigende Anzahl der Serientäter wird zu einer echten Belastungsprobe für die Justiz. So stellten die Berliner Verkehrsbetriebe 2014 insgesamt 33 723 Strafanzeigen gegen renitente Schwarzfahrer – rund fünfmal mehr als vier Jahre zuvor.

Warum die Quote gerade in Berlin so hoch liegt? Die dortige BVG kontrolliert bevorzugt, wenn erfahrungsgemäß viele Schwarzfahrer unterwegs sind. Zudem hat sie sich einen neuen Dienstleister für die Kontrollen gesucht, deren Mitarbeiter ihren Job ernst nehmen.

Andere Verkehrsbetriebe nehmen hingegen in Kauf, weniger Schwarzfahrer zu ertappen. So haben sich die Stadtwerke in Münster davon verabschiedet, dass jeder Busfahrer die Fahrkarten beim Einstieg checkt. Die Fahrgäste können so schneller einsteigen und die Busse rascher abfahren. Ein zügiger Betrieb, heißt es in Westfalen, sei wirtschaftlich sinnvoller.

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