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Nationaler Wohlstandsindex für Deutschland Die Deutschen lechzen nach Sicherheit

Nicht unbedingt mehr wollen die Deutschen haben. Aber sie wollen, dass sie es sicher haben. Der "Nationale Wohlstandsindex" präsentiert uns eine Nation in Angst vor der Zukunft.

Zukunftsforscher Horst Opaschowski stellt gemeinsam mit dem Institut Ipsos den Nationalen Wohlstandsindex für Deutschland vor. Quelle: Jeske/Ipsos

Was ist nur los mit den Deutschen? Die Bundesregierung meldet ein sattes BIP-Wachstum von 0,8 Prozent im ersten Quartal und stellt in Aussicht, dass es so weitergeht. Kaum ein anderes Land ist so gut durch die Krise gekommen. Statt Massenarbeitslosigkeit wie in Südeuropa, melden die Statistiker einen anziehenden Arbeitsmarkt. Und die Deutschen?

Sie fürchten trotz aller Erfolgszahlen die Zukunft. Sie sorgen sich um den Erhalt des Erarbeiteten und sehnen sich nach mehr Sicherheit. Das zeigen die Antworten der 16000 Menschen, die der Zukunftswissenschaftler Horst W. Opaschowski und das Markt- und Sozialforschungsinstitut Ipsos von Juni 2012 bis März 2014 für ihren „Nationalen WohlstandsIndex für Deutschland“ (NAWI-D) befragten.

Die Deutschen vermitteln den Eindruck einer zutiefst ruhebedürftigen Nation. Aufbruchsstimmung oder unternehmerischer Tatendrang sind ihnen offenbar fremd geworden. Stattdessen prägt eine tiefe Sehnsucht nach Sicherheit ihren Begriff von Wohlstand und Lebensqualität. Ein Empfinden mache sich in Deutschland breit, glaubt Opaschowski, dass es für die nächste Generation in Zukunft viel schwieriger sein werde, „ebenso abgesichert und im Wohlstand zu leben wie die heutige Elterngeneration.“ Ein großer Teil der Deutschen befinde sich daher in einer Situation des „Unwohlstandes“.

Was den Deutschen Wohlstand bedeutet  

Drei Viertel der Deutschen (75 Prozent) antworten auf die Frage, was sie unter Wohlstand verstehen: „Keine finanziellen Sorgen haben“. Ganz obenan stehen weiterhin Wünsche nach einem sicheren Einkommen (68 Prozent) und einem sicheren Arbeitsplatz (62 Prozent). Aber auch Werte wie „sich eine gute medizinische Versorgung leisten können“ spielen für gut jeden zweiten Befragten (55 Prozent) eine Rolle. „Wohlstand fängt für die Bundesbürger mit dem persönlichen Wohlergehen an und hat mittlerweile mehr mit der Erhaltung der Lebensqualität als mit der Steigerung des Lebensstandards zu tun“, sagt Opaschowski. Volkswirtschaftliche Erfolgsmeldungen lassen sie dementsprechend ziemlich kalt.

Wohlstand – das zeigen diese und vergleichbare Befragungen – ist keine durch das Einkommen oder Vermögen der Menschen objektiv bestimmbare Größe. Manch einer, der weniger Geld hat als ein anderer, fühlt sich dennoch wohlhabender, weil er auf andere Ressourcen zurückgreifen kann. Wohlstand kann, diese Erkenntnis setzt sich auch unter Ökonomen allmählich durch, sinnvollerweise nur als das bestimmt werden, was die Menschen darunter verstehen. Wenn man sinnvoll von Wohlstand sprechen will, spricht man über Empfindungen von Menschen, nicht über Zahlenkolonnen des Statistischen Bundesamtes.

Für ihren Nationalen Wohlstandsindex haben Opaschowski und Ipsos die häufigsten Antworten auf die Frage – „im Wohlstand zu leben bedeutet für mich…“ – in vier Säulen zusammengefasst: Neben dem ökonomischen Wohlstand („keine finanziellen Sorgen“) steht der ökologische („Mit der Natur leben“), der gesellschaftliche (Frieden, Freiheit, Toleranz) und der individuelle (medizinische Versorgung, Keine Angst vor der Zukunft).

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