Netzallianz Dobrindt in der Zwickmühle

Der Bundesinternetminister und die Telekommunikationsbranche sind sich einig: Der Ausbau des schnellen Internets bis 2018 wird gelingen. Bis dahin muss Dobrindt aber noch eine heikle Frage beantworten.

Minister Dobrindt steht im kommenden Jahr vor einer wichtigen Entscheidung: Wird die Versteigerung von Frequenzen mit Auflagen unterlegt? Quelle: dpa

Zum zweiten Mal in diesem Jahr trafen sich Vertreter von Mobilfunkkonzernen und Netzbetreibern mit Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) zur Netzallianz. Und man wurde das Gefühl nicht los, als wären die Teilnehmer noch ein Stück euphorischer gewesen als beim Startschuss der Initiative im März dieses Jahres.

Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom, lobte die Netzallianz als „einzigartig“ in Europa. Ein derartiger Schulterschluss für den gemeinsamen Flächenausbau des schnellen Internets gebe es sonst nirgends.

Und so standen auch bei der heutigen Konferenz im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) die Signale auf Harmonie. Das Ziel von Politik und Industrie, jeden Winkel in Deutschland bis 2018 mit 50 Megabit pro Sekunde anzubinden, sei erreichbar.

Technologiemix für schnelles Internet

Allein im kommenden Jahr werde die Branche acht Milliarden Euro investieren, um Haushalte mit schnellem Internet zu verbinden. Dazu greifen die Unternehmen auf einen Technologiemix aus Glasfaserkabel (FTTH), Mobilfunktechnik (LTE9 und Kupferleitungen (VDSL) zu. 80 Prozent der Fläche Deutschlands könne die Industrie aus eigener Kraft anschließen, hieß es bei der anschließenden Pressekonferenz. Für die restlichen weißen Flecken brauche man die Politik.

Wo das Internet am schnellsten ist
Platz 10: FinnlandInternetnutzer in Finnland surfen mit durchschnittlich 7,1 Megabits pro Sekunde. Damit landet Finnland auf Platz 10 der Rangliste des IT-Unternehmens Akamai, das sich darauf spezialisiert hat, Web-Inhalte zu beschleunigen. Zum Vergleich in Deutschland sind Surfer im Schnitt mit sechs Megabits pro Sekunde unterwegs. Quelle: dapd
Platz 9: SchwedenIm Nachbarland Schweden surfen die Internetnutzer laut Akamai ein wenig schneller als ihre finnischen Nachbarn. Mit 7,3 Megabits in der Sekunde belegt Schweden den neunten Platz. Quelle: dpa
Platz 8: USADie Heimat von Microsoft, Apple und Google ist zwar in den Top 10 der Länder mit der schnellsten Internetverbindung vertreten – allerdings mit dem achten Platz relativ weit hinten. 7,4 Megabits pro Sekunde beträgt hier die Durchschnittsgeschwindigkeit im Internet. Quelle: dpa
Platz 7: TschechienTschechien ist auf dem siebten Platz vertreten. Mit  0,7 Megabits in der Sekunde hat unser Nachbarland die Internet-Macht USA deutlich überholt – und bietet seinen Nutzern damit eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 8,1 Megabits pro Sekunde. Quelle: dpa
Platz 6: NiederlandeUnsere niederländischen Nachbarn haben es beim Internetsurfen noch etwas komfortabler: 8,6 Megabits pro Sekunde beträgt die durchschnittliche Internetgeschwindigkeit. Quelle: dpa
Platz 5: SchweizDen Schweizern wird ja gerne unterstellt, dass sie es eher gemütlich angehen lassen. Doch im Internet sind unsere Nachbarn schnell unterwegs. Mit durchschnittlich 8,7 Megabits pro Sekunde landet das Alpenland auf Platz 5 der Akamai-Rangliste. Quelle: dpa
Platz 4: LettlandEine Durchschnittsgeschwindigkeit von 8,9 Megabits in der Sekunde bietet Lettland seinen Internetsurfern. Damit belegt das baltische Land den vierten Platz. Quelle: dpa
Platz 3: HongkongChina selbst ist zwar nicht unter den Top 10 der Länder mit dem schnellsten Web-Zugang vertreten – aber seine Sonderverwaltungszone Hongkong. Diese ist sogar mit ihren durchschnittlich 9,3 Megabits in der Sekunde ganz vorne dabei auf dem dritten Platz. Quelle: AP
Platz 2: JapanWährend sich die Unterschiede zwischen den Plätzen 10 bis 3 eher klein sind, heben sich die beiden vorne platzierten Länder jeweils deutlich von den hinteren Rängen ab. 1,5 Megabits pro Sekunde schneller als in Hongkong surfen User in Japan: Im Mutterland von Sony und Toshiba beträgt die durchschnittliche Internetgeschwindigkeit 10,8 Megabits in der Sekunde. Quelle: dpa
Platz 1: SüdkoreaDie Top 3 zeigen, dass Asien die USA und Europa deutlich auf der Datenautobahn abhängt. Mit satten 14 Megabits in der Sekunde sind User nirgends auf der Welt so schnell im Internet unterwegs wie in Südkorea. Damit liegt die Samsung-Heimat im Akamai-Ranking mit größtem Abstand vorne. Ganze 3,2 Megabits pro Sekunde sind Surfer in Südkorea schneller als in Japan, 4,7 Megabits schneller als in Hongkong – und ganze acht Megabits schneller als in Deutschland. Quelle: dpa

Und hier muss Minister Dobrindt im kommenden Jahr eine folgenschwere Entscheidung treffen. Der Bund will den Breitbandausbau in der Fläche finanziell fördern. Dazu sollen ihm die Einnahmen aus der Frequenzversteigerung des 700-Megaherz-Bandes dienen, das derzeit von Fernsehanstalten genutzt wird. Die Frequenz soll dann für den Mobilfunk zum Einsatz werden.

Noch ist aber nicht klar, ob Dobrindt die Versteigerung mit Auflagen unterlegt. Die Höchstbietenden könnten etwa verpflichtet werden, die Frequenzen zunächst dafür zu nutzen, um Dörfer, Bauernhöfe und Alpenregionen an das schnelle Internet anzuschließen.

Dobrindts Dilemma

Das Dilemma: Je mehr Auflagen Dobrindt in die Versteigerungsunterlagen schreibt, desto zurückhaltender dürften die Mobilfunkkonzerne wie Deutsche Telekom, Vodafone und Telefonica reagieren. „Bei einer Ausbauverpflichtung werden die Einnahmen für den Bund geringer ausfallen“, sagte Vodafone-Chef Jens Schulte-Bockum auf der Pressekonferenz.

Im Umkehrschluss bedeutet das: Dobrindt könnte die Versteigerungserlöse ohne Ausbauverpflichtung maximieren, müsste aber möglicherweise das politische Ziel opfern, auch jeden letzten Winkel in Deutschland per Breitband anzuschließen.

So schön sieht WLAN aus
Zu Hause, im Büro und an öffentlichen Plätzen: WLAN ist überall. Aber wie sehen die Wifi-Strahlen eigentlich aus, haben sich der Tech-Blogger Nickolay Lamm und die Astrobiologin M. Browning Vogel Ph.D von der Nasa gefragt. Also griffen sie sich Bilder der Gegend um die Washingtoner National Mall und legten darüber Muster, wie das drahtlose Internet aussehen könnte. Wifi-Wellen haben eine gewisse Höhe und einen bestimmten Abstand zueinander. Er ist kürzer als bei Radiowellen und länger als bei Mikrowellen, sodass eine einzigartige Übertragung entsteht, die nicht durch andere Signale unterbrochen werden kann. Verschiedene Sub-Kanäle werden hier in verschiedenen Farben dargestellt. Quelle: gigaom.com
Die entstandenen Bilder zeigen eindrucksvoll, wie sich die unterschiedlichen Frequenzen der WLAN-Strahlen in der Öffentlichkeit verhalten. Hier werden die Impulse als bunte Kugeln visualisiert. Die Quelle ist rechts im Bild zu sehen. Jede Farbe steht für einen eigenen Ausschnitt aus dem elektromagnetischen Feld. Wifi-Felder sind meist sphärisch (wie hier) oder ellipsenförmig und erstrecken sich an öffentlichen Orten bis zu 300 Meter. Quelle: gigaom.com
Dieses Bild soll zeigen, dass die Impulse etwa sechs Zoll voneinander entfernt sind. Es wird auch deutlich, warum ein öffentlicher Platz nicht immer gleich gut mit Netz abgedeckt ist. Quelle: gigaom.com
Wifi-Antennen können an Bäumen, Laternenmasten oder auf Gebäuden befestigt werden. Mehrere Antennen können das komplette Gebiet um die National Mall abdecken. Das Internet legt sich hier wie eine Decke auf den Platz. Quelle: gigaom.com
Internetwellen sind überall - das machen uns die Bilder eindrucksvoll klar. Aber allen Berichten über schädliche Wirkungen zum Trotz: Sie sind einfach wunderschön. Quelle: gigaom.com

Ohnehin ist unklar, wie teuer der Breitbandausbau der letzten 20 Prozent der Fläche in Deutschland sein wird. Aus Teilnehmerkreisen der Netzallianz hieß es, dass sich vor allem die letzten zehn Prozent als problematisch gestalten könnten. Zudem ist noch unklar, wie viel der Bund überhaupt aus den Erlösen der Frequenzversteigerung in den Breitbandausbau stecken will.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble habe zugestimmt, „einen Großteil der Erlöse“ zu reinvestieren, sagte Dobrindt. Experten gehen davon aus, dass sich daraus eine Summe von knapp eine Milliarde Euro ergeben könnte. Viel ist das nicht. 

Die Zeit jedenfalls drängt. Denn die Internetnutzung fordert deutlich höhere Bandbreiten als derzeit üblich. Die wachsenden Downloadaktivitäten der Nutzer etwa von Hollywood-Filmen könnte die Leitungen schon bald verstopfen.

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Deswegen war man sich in der Netzallianz auch einig, dass der Bund die Voraussetzung dafür schaffen müsse, „Qualitätsklassen“ einzuführen, die bestimmten Anwendungen wie Videoübertragungen und der Datenübertragung beim autonomen Fahren Priorität einräume. „Wir lehnen die Aufgabe der Netzneutralität beim Zugang von Inhalten ab“, sagte Vodafone-Chef Schulte-Bockum. Aber „neue Dienste erfordern neue Qualitätsklassen.“ Das müsse dann auch monetär vergütet werden können.

Heißt konkret: Das wird auch die Verbraucher treffen. Wer in Zukunft schneller surfen will, muss dafür bezahlen.

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