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Neue Fregatte F-125 Elbphilharmonie für die Marine

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Für den Nahkampf mit Piraten aufgerüstet

Irgendwie haben es die Konstrukteure dennoch geschafft, dass dies kaum zulasten des Platzes ging: Die F-125 fährt mit einer Stammbesatzung von 120 Personen, hinzu kommen bis zu 80 Spezialkräfte, etwa Ärzte bei Einsätzen zur Flüchtlingsrettung. Auf der etwas kleineren Fregattenklasse F-124 fahren 240 Soldatinnen und Soldaten – und sie kämpfen um jeden Zentimeter Platz, wie Marine-Projektleiter Mecke sagt.

Für Einsätze zur Piratenbekämpfung oder Flüchtlingsrettung ist das neue Super-Schiff der Marine besonders geeignet. Die „Baden-Württemberg“ gilt als „Stabilisierungsschiff“, das lange fernab der Heimat operieren kann. Sie verfügt über vier Beiboote, die bis zu 70 km/h schnell sind und weitab des Mutterschiffs mit Zwölf-Mann-Besatzungen operieren können. Andere Fregatten müssen mit einem auskommen.

Für den Nahkampf mit Piraten hat die Marine aufgerüstet: Drehbare Schnellfeuer-Maschinengewehre dienen der Abwehr von Booten, die sich seitlich auf die Fregatte zubewegen; ältere Schiffe können oft nur in die Ferne ballern. Die 12,7-Millimeter-Kanone indes lässt sich auch mit Lenkmunition bestücken, die in bis zu 100 Kilometern ihr Ziel findet.

So marode ist die Bundeswehr
Aufklärungsjets am BodenImmer neue Einsätze stellen Deutschlands Armee vor Herausforderungen. Immer wieder kommt es dabei auch zu Problemen mit dem Material. So waren die deutschen "Tornados", die für Aufklärungsflüge gegen die Terrormiliz IS in Syrien und im Irak eingesetzt werden, zunächst nachts nicht einsetzbar. Die Cockpit-Beleuchtung war zu hell. Zwar hat die Bundeswehr die Flieger nachgerüstet, doch nicht alle Jets sind tatsächlich einsetzbar. Von den 93 deutschen Tornados waren laut Berichten aus dem November nur 66 in Betrieb - und nur 29 einsatzbereit. Das macht eine Quote von 44 Prozent, vor einem Jahr waren immerhin noch 58 Prozent der Flugzeuge einsatzbereit. Die teilweise über 30 Jahre alten Flugzeuge gelten als Auslaufmodelle. Quelle: dpa
Kampfjets ohne RaketenBeim Nachfolgemodell Eurofighter sind immerhin schon 55 Prozent der 109 Kampfjets einsatzbereit. Dieser Wert lag im vergangenen Jahr aber noch bei 57 Prozent. Wie im November bekannt wurde, fehlt es der Bundeswehr allerdings an Raketen für ihre Flugzeuge: Insgesamt 82 radargelenkte Amraam-Raketen besitzt die Bundeswehr, berichtet die "Bild am Sonntag". Im Ernstfall aber sollte jeder Jet mit zwei Raketen bestückt werden - die Bundeswehr bräuchte also 218 Amraam-Raketen. Quelle: dpa
Hubschrauber mit TriebwerksschädenNoch schlechter steht es um die Hubschrauber-Flotte: Nur 22 Prozent der Transporthubschrauber des Typs NH90 der Bundeswehr sind einsatzbereit. Der Hubschrauber hat vor allem Probleme mit seinen Triebwerken: 2014 musste ein Pilot auf dem Stützpunkt in Termes in Usbekistan notlanden, weil ein Triebwerk explodiert war. Eigentlich hat sich die Bundeswehr das Ziel gesetzt, dass 70 Prozent der zur Verfügung stehenden Bestandes für den täglichen Dienst nutzbar sein soll. Doch insbesondere bei ihren Fluggeräten verfehlt die Bundeswehr diesen Werte oft deutlich. Quelle: dpa
Flügellahmes FluggerätSo ist nur jeder vierte Schiffshubschrauber "Sea King" (siehe Foto) bereit für einen Einsatz. Beim Kampfhubschrauber Tiger liegt die Quote bei 26 Prozent, beim Transporthubschrauber CH53 immerhin schon bei 40 Prozent. „Die Lage der fliegenden Systeme bleibt unbefriedigend“, urteilt Generalinspekteur Volker Wieker in seinem aktuellen Bericht zum Zustand der Hauptwaffensysteme. 5,6 Milliarden Euro will die Bundeswehr in den nächsten zehn Jahren investieren, um den Zustand ihrer Ausrüstung zu verbessern. Quelle: dpa
Transportflugzeuge mit LieferschwierigkeitenUnd von den Transportflugzeugen "Transall" sind nur 57 Prozent bereit zum Abheben. Die teilweise über 40 Jahre alten Flugzeuge gelten als anfällig für technische Defekte. 2014 sorgte das für eine Blamage für die Bundeswehr im Irak, wo die Ausbilder der Bundeswehr kurdische Peschmerga-Kämpfer bei ihrem Kampf gegen den "Islamischen Staat" unterstützen sollten. Weil die Transall-Maschine streikte, konnten die Soldaten nicht zu ihrer Mission aufbrechen und mussten die Maschine wieder verlassen. Eigentlich sollen die Transall-Flugzeuge in den kommenden Jahren durch neue Airbus-Transportflugzeuge des Typs A400M ersetzt werden. 53 der Maschinen hat die Bundeswehr bestellt, doch die Auslieferung verzögert sich. Erst zwei Exemplare kann die Bundeswehr dieses Jahr im Empfang nehmen, die dazu nicht mal alle Funktionen haben: Fallschirmspringer zum Beispiel können die ausgelieferten Flugzeuge nicht absetzen. Airbus muss wegen der Probleme 13 Millionen Euro an den Bund zahlen. Quelle: dpa
Panzer mit BremsproblemenDie Bodenausrüstung findet sich zwar in besserem Zustand als die Flugsysteme der Bundeswehr. Aber auch hier gibt es Probleme, zum Beispiel beim Panzer "Puma". Aus Sicherheitsgründen musste die Höchstgeschwindigkeit für den Panzer von 70 km/h auf nur noch 50 km/h heruntergesetzt werden. Der Grund: Bei einer Geschwindigkeit von mehr als 50 km/h bremst der Panzer nicht mehr zuverlässig, der Bremsweg verdoppelt sich, wie das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBs) bei Tests herausfand. Die Probleme gab es wohl auch, weil die Bundeswehr erst spät in der Entwicklungsphase den Wunsch einbrachte, dass der Panzer bis zu 70 km/h schnell fahren sollte. Außerdem sollte der 1000 PS starke, bis zu 2000 Schuss pro Minute abfeuernde Panzer ohne Panzerung nur 31,5 Tonnen wiegen. Die Hersteller Krauss Maffei und Rheinmetall hatten Schwierigkeiten, die Auflagen zu erfüllen. Auch deshalb lieferten sie den Panzer erst in diesem Juni aus, ganze fünf Jahre später als geplant. Quelle: dpa
Das Skandal-GewehrDas Dauerthema bleibt jedoch das Pannengewehr G36: Das Sturmgewehr des Herstellers Heckler und Koch soll bei hohen Temperaturen nicht mehr präzise schießen, Verteidigungsministerin von der Leyen erklärte daraufhin, das Gewehr habe bei der Bundeswehr keine Zukunft. Rund 180 Euro hat die Bundeswehr für die insgesamt 178.000 Gewehre bezahlt. Die Aufklärung der Affäre bindet viele Kapazitäten im Ministerium: Insgesamt vier Kommissionen befassen sich mit dem Skandal. Ab 2019 soll ein neues Sturmgewehr das G36 ablösen. Quelle: dpa

Doch es gibt auch vieles, was die neue Fregatte nicht kann. U-Boot-Abwehr zum Beispiel; dies müssten die beiden Bordhubschrauber übernehmen, die dazu erst einmal starten müssen. Und für Angriffe auf Ziele in der Luft und in weiter Ferne fehlen die Raketenwerfer – einzig mit Abfangmunition sind die Fregatten bestückt. Militärexperten kritisieren daher gern die Unterbewaffnung. Doch Hauptbootsmann Alexander Opitz sieht das anders: „Unser MG schießt 1700 Schuss pro Minute ab, da liegt dann ganz schön viel Blei in der Luft.“ Ein Haifisch ohne Zähne sei die F-125 jedenfalls nicht.
Trotzdem hat die Marine die Industrie beauftragt, schon wieder ein völlig neues Kriegsschiff zu konzipieren: die MKS-180. Es soll noch teurer, noch größer, noch automatisierter werden. Der Sinn und Zweck hierfür erschließt sich allerdings nicht. Mit der F-125 verfügt die Marine über eine Plattform, mit der die Soldaten zufrieden sind – vom Kapitän, der die Manövrier- und Fahreigenschaften lobt, über den Maschinisten, der sich über die Ruhe freut, bis hin zum einfachen Maat, der in der Kabine mehr Platz hat und nicht mehr zum Duschen in der Schlange stehen muss.
Also könnte es sich die Marine einfach machen und auf diese Plattform zusätzliche Waffen aufbauen, die die Fregatte im Luftkrieg schlagfertiger machen. Womöglich ließe sich solch ein Boot auch besser an Nato-Partner verkaufen als jenes, das Eins-zu-Eins für die defensiv denkende deutsche Marine konzipiert wurde. Stattdessen begibt sich das Verteidigungsministerin wieder in den alt bekannten Zyklus: auf eine tolle Idee von einem Kriegsschiff der Zukunft folgen große Versprechen der Industrie, bis sie die Realität einholt. Es gibt Streit, es kommen Nachbesserungen, Neukonstruktionen, Skandale – und am Ende wird auch das MKS-180 wieder teurer und später ausgeliefert geplant. Und so wird die „Baden-Württemberg“ wohl noch lange ihren Dienst für Deutschland tun.

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