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Neue Fregatte F-125 Elbphilharmonie für die Marine

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In Sachen "Work-Life-Balance" innovativ

Und so wundert es nicht, dass schon die Begrüßung zur Rechtfertigung gerät: „Rüstung ist immer Hochtechnologie, da kann immer etwas schief gehen“, sagt Stefano Toneatto, der für die Öffentlichkeit beim arg gescholtenen Bundeswehr-Beschaffungsamt zuständig ist. Marc Steffens, der Projektleiter des Hauses, nennt die vertraglich vereinbarten Preisanpassungen etwa beim Stahleinkauf als Hauptgrund für die Mehrkosten – nachträgliche Anpassungen hätten die Kosten nur um 157 Millionen Euro erhöht. „Über einen Zeitraum von zehn Jahren sind sechs Prozent Mehrkosten nichts, was ungewöhnlich wäre“, sagt Steffens. Jörg Herwig von TKMS verweist zudem auf die Komplexität des Projekts: 28.000 elektronische Geräte habe man verbaut, 600 Kilometer Kabel verlegt, 120 Zulieferer integriert.

Peinlich sind manche Pannen dennoch. Ein Zulieferer verwendete den falschen Brandschutz-Lack, bis er abbröckelte; die Problembehebung kostete das Projekt acht Monate. In strikteren Verträgen will die Bundeswehr künftig die Industrie für solche Fehler haftbar machen. Doch mehr noch waren es nachträgliche Anforderungen des Auftraggebers, die die Ingenieure zu zeitraubenden Neukonstruktionen zwangen – etwa, als man vor ein paar Jahren einsah, dass ein Internetzugang in jede Kajüte gehört. Neue Kabel mussten eingezogen werden, doch ohne dies hätte es die Armee noch schwerer mit dem Anwerben von Soldaten für monatelange Einsatzfahrten fern der Heimat.

Dabei ist die F-125 in Sachen „Work-Life-Balance“ durchaus innovativ: Vier statt statt sechs Monate verbringt die Stammbesatzung auf dem Boot, das bis zu zwei Jahre im Einsatzgebiet bleibt. „Wir fliegen die Besatzung mit dem Airbus ins Einsatzgebiet hin und her“, erläutert Christoph Mecke, der beim Marinekommando für die neue Fregattenklasse zuständig ist. Das reduziere die Transitfahrten, die allein die Schiffe der Einsatzflottille II jedes Jahr für 18 Wochen binden.

Wer am meisten für Rüstung ausgibt
Soldaten Quelle: REUTERS
Südkoreanische Soldaten Quelle: AP
Ursula von der Leyen besucht Bundeswehr-Soldaten in Kiel Quelle: REUTERS
Japanische Flagge in Tokio Quelle: dpa
Tower Bridge in London Quelle: REUTERS
Ein französischer Soldat patrouilliert an Wahlplakaten in Paris vorbei Quelle: AP
Soldaten der indischen Armee Quelle: REUTERS

Damit das funktioniert, musste die Konstrukteure viel automatisieren: Den Maschinenraum mit vier Dieselmotoren und einer Gasturbine steuert Hauptbootsmann mit vier Unteroffizieren – statt zwölf wie auf der „Hessen“, wo der Maschinist zuvor gedient hatte. Auch Schiffsköche müssen mit weniger Personal auskommen, was sich nur über ein Mehr an Tiefkühlkost bewerkstelligen lässt. Verlässt die „Alpha-Crew“ nach vier Monaten das Schiff, übernimmt sie im Heimathafen Wilhelmshaven ein baugleiches Boot und findet sich sofort zurecht.

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    Inzwischen gewährt die Marine den Soldaten auch mehr Komfort. Die unteren Dienstgrade nächtigen in Kabinen mit vier bis sechs Personen, von denen jeweils die Hälfte Wache schiebt. Alle Unterkünfte verfügen über eigene Bäder mit Dusche und Toilette; auf älteren Kähnen sind noch Gemeinschaftsduschen für 30 Mann und mehr üblich.

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