WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Neue Heimat Wirtschaftsgeschichte mit 1 DM

Seite 4/5

Aber das Umfeld wird zunehmend nervös. In den Medien ist die Neue Heimat Dauerthema. Die Fronten verlaufen klar zwischen konservativ-liberalen Regierungsanhängern und sozialdemokratischen Gewerkschaftssympathisanten. Das Vertrauen der Kreditgeber ist endgültig darnieder. Es besteht akuter Entscheidungszwang. Und die einzige Option, kurzfristig den Totalzusammenbruch zu vermeiden, scheint im August 1986 aus Sicht der Gewerkschaften ein Unternehmer namens Schiesser zu sein. Vier weitere Verhandlungswochen vergehen bis zu jener Nacht im September, die mit der Vertragsunterschrift endet. Der Wohnungsbauminister reagiert prompt. „Mit dem Verkauf ist keines der Neue-Heimat-Probleme gelöst“, lässt er mitteilen. Die Medien fangen an zu spekulieren. Was will dieser Herr Schiesser? Ist er ein Strohmann? „Nein“, sagt der Betroffene immer und immer wieder. „Wir haben bisher keine Strohgeschäfte gemacht, und meine Mitarbeiter sind auch keine Strohköpfe.“ Die politische Lage beruhigt sich nicht. Am 19. Oktober kommt es zum Eklat. Auf dem Gewerkschaftstag der IG Metall in Hamburg wird Alfons Lappas festgenommen. Vor laufenden Fernsehkameras wird der BGAG-Chef abgeführt und in Beugehaft genommen. Lappas hatte zuvor die Aussage vor dem Untersuchungsausschuss verweigert. Ziel dieses Ausschusses sei vor allem die „Garantie des politischen Machterhalts der regierenden Parteien gewesen“, sagt der Historiker Andreas Kunz. Kunz hat die Vorgänge in der tausendseitigen Dokumentation „Die Akte Neue Heimat“ zusammengefasst. „Es ist nicht verwunderlich, dass die Banken in einem solchen Klima nervös wurden.“ Schiesser hat sich bei seinen Verhandlungen mit den Gewerkschaftern eine ordentliche Mitgift zusagen lassen. Mehr als eine Milliarde D-Mark wird ihm zugesichert, unter anderem, damit er die Verluste der vergangenen beiden Jahre ausgleichen kann. Die Kreditinstitute holen Erkundigungen über den Berliner Unternehmer ein. Sie trauen ihm nicht zu, dass er das marode Unternehmen sanieren kann. Am 10. November versammeln sich die Gläubigerbanken. Das Ergebnis ist niederschmetternd für Schiesser. Die Banken verweigern ihm notwendige Kreditlinien.

Lesen Sie weiter auf Seite 5: Die Themen der 38. Kalenderwoche 1986

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%