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Neue Ifo-Studie Ost vs. West: Wann die Deutschen in Rente gehen

Die Rente mit 63 wird in Ostdeutschlan deutlich häufiger in Anspruch genommen als im Westen Quelle: dpa

Das Münchner Ifo-Institut hat berechnet, wann die Deutschen in Rente gehen. Dabei offenbaren sich große Unterschiede zwischen Ost und West.

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Ostdeutsche gehen früher in Rente als Westdeutsche. Das zeigen neue Berechnungen des Münchner Ifo-Instituts, die auf Statistiken der Rentenversicherung beruhen. Demnach gingen im Jahr 2017 42 Prozent aller Neurentner im Osten frühzeitig über die abschlagsfreie Rente mit 63 in den Ruhestand. In den alten Bundesländern war es mit 30 Prozent knapp jeder Dritte.

Bis zur Regelaltersgrenze arbeiteten in Westdeutschland 45 Prozent der Neurentner. In Ostdeutschland waren es nur 24 Prozent. Die Altersgrenze für den regulären Renteneintritt liegt derzeit bei 65 Jahren und sieben Monaten.

„Die Erklärung für den höheren Anteil bei der Rente mit 63 sind die ostspezifischen Erwerbsbiographien“, erklärt ifo-Forscher Joachim Ragnitz. „In der DDR war es üblich, frühzeitig ins Erwerbsleben zu starten, so dass in Ostdeutschland ein höherer Anteil an Personen die Voraussetzungen hierfür aufweist.“

Ein weiterer Faktor sei, dass in den neuen Bundesländern Frauen im Schnitt über höhere Rentenansprüche verfügten. Grund sei, dass Frauen im Osten deutlich häufiger gearbeitet hätten als im Westen, sagt Ragnitz: „Eine Rente mit Abschlägen kann man sich eher leisten, wenn zwei Rentenbezieher mit hohen Bezügen in einem Haushalt leben.“
Das Ifo-Institut zieht aus den Daten auch politische Schlussfolgerungen. Die Rente mit 63 sei eine „Fehlentscheidung“, ein „Wahlgeschenk an die ältere Generation“, sagt Ragnitz und schließt: „Dies spricht dafür, bei den anstehenden Verhandlungen über die künftige Ausgestaltung des Alterssicherungssystems auch die Rente mit 63 kritisch zu überprüfen.“

Die abschlagsfreie Frührente für langjährig versicherte oder auch Rente mit 63 wurde im Jahr 2014 eingeführt. Sie ermöglicht es vor 1953 Geborenen, bereits mit 63 statt mit 65 Jahren in Rente zu gehen. Voraussetzung ist, dass sie zu diesem Zeitpunkt bereits 45 Jahre lang in die Rentenkasse eingezahlt haben. Ab dem Jahrgang 1953 steigt das Eintrittsalter der Frührente schrittweise an, bis es für ab 1964 und später Geborene bei 65 Jahren liegt.

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