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Nordrhein-Westfalen Kreativwirtschaft soll Ruhrgebiet zu neuer Stärke verhelfen

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Kreative Kräfte (zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)

Deshalb wollen Gorny und seine Leute im Ruhrgebiet einer Branche auf die Beine helfen, die bisher nur wenige auf der strukturpolitischen Rechnung hatten: der Kreativwirtschaft. Musiker, Spiele-Entwickler, Designer, Werbeleute, Fotografen, Filmmenschen – sie alle sollen in den Pott kommen und die alten Zechen, Lagerhallen, Lokschuppen oder Stahlhütten mit neuem Leben füllen, Jobs schaffen, Unternehmen gründen, andere Kreative anlocken, die ihrerseits wieder etwas Eigenes auf die Beine stellen.

Das Prinzip der urbanen Eroberung durch Künstler und Kreative hat schon in vielen Städten Problemvierteln zur Blüte verholfen. Die kulturelle Avantgarde, traditionell voller Ideen, aber knietief im Dispo, besiedelt der niedrigen Mieten wegen bevorzugt heruntergekommene Arbeiterstadtteile. Eine urbane Benutzeroberfläche mit Galerien, Clubs, Boutiquen und Cafés schält sich heraus, was wiederum besser verdienende Kulturfolger anlockt. So dauert es kein Jahrzehnt, bis eine Gegend sozioökonomisch aufsteigt, manchmal gar wie im New Yorker Meatpacking oder am Prenzlauer Berg in Berlin internationale Strahlkraft entwickelt.

Absolventen zieht es in andere Städte

Doch noch nirgendwo auf der Welt ist es gelungen, eine Region von der Größe des Ruhrgebiets mit seinen 53 Städten und fünfeinhalb Millionen Einwohnern zu drehen. Zehn Minuten in der Straßenbahn in Essen, Duisburg oder Dortmund genügen, um zu begreifen, wie weit der Pott von diesem Ziel entfernt ist. Die Schulen sind heruntergekommen, die Straßen in schlechtem Zustand, Autobahnen zerpflügen die Innenstädte, die Architektur ist geduckt und zweckmäßig, es mangelt an Geld, Ideen, Arbeitsplätzen und damit an Zukunft.

Energisch subventioniert Politik seit Jahrzehnten gegen das tiefe Loch an, das der Niedergang der Kohle- und Stahlindustrie hinterlassen hat. Flüsse werden renaturiert, Theater und Museen von Weltrang gebaut, Industriedenkmäler restauriert, hochklassige Hochschulen gegründet. Doch zum Ärger der Strukturpolitiker hauen deren Absolventen dennoch ab, nach Düsseldorf, München, Hamburg oder Berlin. Zurück bleiben die weniger Qualifizierten, die Arbeitslosen, die Alten.

Geschenk des Himmels

Das Kulturhauptstadtjahr sei da ein „Geschenk des Himmels“, sagt NRW-Landeschef Rüttgers. Zwar wissen viele Bürger auch sechs Monate vor Beginn der Feierlichkeiten nicht so recht, was sie eigentlich mit diesem politisch hochgejazzten Hybrid aus Hochkultur und Massenparty anfangen sollen. Doch zumindest so viel ist sicher: Die Projekte werden der Region weltweit Aufmerksamkeit bescheren.

Schon jetzt lassen sich ersten Signale nicht mehr ignorieren. Der Pott macht sich fein. In Dortmund etwa wird das Gelände der Union-Brauerei, im Volksmund „Dortmunder U“ genannt, gerade mit 46 Millionen Euro aufwendig renoviert. Die Ruine soll zu einem Zentrum der Kreativwirtschaft und Avantgarde-Kunst von internationalem Rang aufsteigen. Das metergroße U auf dem Dach des Turms haben sie mit einer Blattgoldschicht überzogen, es leuchtet jetzt kilometerweit im Sonnenlicht, als wolle es sagen: Seht her, hier passiert was!

Nur wenige Kilometer weiter nördlich wird das leer stehende Aussiedler-Quartier in Unna-Massen bald kreativen Gründern ein Dach über dem Kopf bieten und mit aufwendiger Lasertechnik atmosphärisch veredelt werden. Ein großer Campus könnte entstehen, mit einer Summer-School für ein internationales Publikum.

Lesen Sie auf der dritten Seite, warum sich viele Kreative für das Ruhrgebiet als Standort entscheiden.

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