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Nordrhein-Westfalen Kreativwirtschaft soll Ruhrgebiet zu neuer Stärke verhelfen

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Ob daran das Kulturhauptstadtjahr etwas ändern kann? Der drittgrößte Ballungsraum Europas begreift sich nicht als Metropole, so energisch die Politik dies auch herbeireden will. Nicht einmal auf einheitliche Spurweiten für Straßenbahnen können sich die Städte einigen. Es gibt kein Zentrum, kein Wir-Gefühl, stattdessen einen kleinsten gemeinsamen Identitätsnenner irgendwo zwischen Fußball-Leidenschaft und trotziger Verherrlichung des Malocher-Images.

Einer, der hauptberuflich die kulturellen Besonderheiten des Reviers herausarbeitet, hat gerade 37 Kilo abgenommen und ist bester Dinge, weil sein VfL Bochum auch in der kommenden Saison in der ersten Liga kicken darf. Frank Goosen, Buchautor („Liegen lernen“), Heimat-Kabarettist („Wir sind Strukturwandel“), nach Bekunden seiner Eltern auf einer Bochumer Abraumhalde gezeugt, porträtiert das Seelenleben des Durchschnitts-Ruhrpöttlers so herrlich direkt, dass sich die Zuschauer biegen vor Lachen.

Selbstbewusstsein fehlt

An solchen Abenden beobachtet Goosen die quasi-therapeutische Verarbeitung eines tief sitzenden Minderwertigkeitskomplexes. Zugegeben – eine Gegend, „die ihren wichtigsten Literaturpreis an mich verleihen muss, hat ein Problem“, witzelt Goosen. Aber die Musikhäuser, Theater, Museen und Kleinkunstbühnen seien bundesligatauglich.

Dennoch machten sich die Menschen künstlich klein, es fehle an Selbstbewusstsein. Und dann immer diese Angst vor dem Klischee. Goosen schüttelt den Kopf. „Warum nicht dazu stehen? Warum nicht mal ,Glück auf!‘ sagen?“ Die Bayern tanzten schließlich auch wie selbstverständlich in Lederhosen rum.

Goosen hofft, dass es den Machern des Kulturhauptstadtjahres gelingt, dieses Selbstbewusstsein zu vermitteln, damit kreative Menschen angelockt und die Abwanderungswelle der Jugend gestoppt werden können. Wenn das alles nichts hilft, bleibt immer noch der Fatalismus à la Opa Goosen, der seinem Enkel einmal einflüsterte: „Woanders iss auch scheiße.“

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