NRW-Integrationsminister Laschet "Die Herkunft darf keinen Unterschied machen"

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Der Staat als Arbeitgeber hat das bereits erkannt. Sie sprechen Sie sich dafür aus, den Anteil von Migranten im öffentlichen Dienst zu erhöhen. Wie wollen Sie das umsetzen?

Das geht nur, wenn es berufsbezogen gemacht wird. Ich halte überhaupt nichts von einer allgemeinen Quote, denn sie hilft nicht. Wenn es nicht genug Lehrer mit Zuwanderungsgeschichte gibt, kann ich die auch nicht über eine Quote herbeizaubern. Also müssen wir zunächst dafür werben, dass sich mehr junge Menschen für ein Lehramtsstudium entscheiden. Auch im Polizeidienst brauchen wir mehr Polizisten, die beispielsweise deutsch und türkisch sprechen, ebenso in der öffentlichen Verwaltung. Aber das geht nicht von Heute auf Morgen. 

Sie machen sich auch für bundesweite Reformen stark. Ein ungelöstes Problem ist immer noch die Anerkennung ausländischer Qualifikationen. Wie geht es damit voran?

Das ist in der Tat ein Riesenproblem. Hier fahren Feststoffphysiker Taxi, weil wir ihre Qualifikationen nicht anerkennen. Gleiches gilt für Ingenieure und Ärzte. Überall da, wo wir einen Mangel haben, sind die Menschen da, wir lassen sie nur nicht. Das Bundeskabinett hat dazu ein Eckpunkte-Papier verabschiedet, im Bundesbildungsministerium wird jetzt der Gesetzesentwurf erarbeitet, der bis Ende des Jahres kommen soll.

Wie soll eine solche Überprüfung denn funktionieren?

Zunächst einmal erhält jeder einen Rechtsanspruch auf eine Überprüfung. Das gibt es bislang nicht. Ziel des Gesetzes wird sein, ein geregeltes Prüfverfahren zu haben. Prüfausschüsse sollen dann anhand von berufsbezogenen Kriterien die Abschlüsse vergleichen und eine Aussage treffen, welche Nachqualifizierung notwendig ist, um auch in Deutschland in einem bestimmten Beruf arbeiten zu können.

Kann die Politik die Versäumnisse in der Integrationspolitik der vergangenen Jahrzehnte überhaupt aufholen?

Es bleibt uns gar nichts anderes übrig. Natürlich wäre es besser gewesen, wenn wir zum Beispiel schon vor zehn Jahren mit der Sprachförderung angefangen hätten. Aber wir können ja die Zeit nicht zurückdrehen. Ich glaube nicht, dass es zu spät für Integration ist. Die Voraussetzungen sind gut, mittlerweile gibt es auch politisch kaum noch Streit um dieses Thema. Denn als älter werdende Gesellschaft liegt es in unserem Interesse, dass Integration gelingt. 

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