Nürburgring-Verkauf Die große Koalition gegen die Regierung

Ende April soll der Nürburgring europaweit zum Verkauf ausgeschrieben werden. Doch jetzt formiert sich der große Widerstand – ganz vorne dabei der ADAC, der die rheinland-pfälzische Regierung scharf attackiert.

Die größten Investitionsruinen Deutschlands
Flughafen ZweibrückenNach dem insolventen Nürburgring steht ein weiteres Projekt mit Steuergeld in Rheinland-Pfalz vor dem finanziellen Crash: Der Flughafen Zweibrücken in der Pfalz wird nach Ansicht von Verkehrsminister Roger Lewentz (SPD) Insolvenz anmelden müssen. Er rechne damit, dass die EU-Kommission die Rückzahlung von bis zu 56 Millionen Euro staatlicher Beihilfen fordern werde, sagte Lewentz. Der Flughafen Zweibrücken - wie der verschuldete Airport Frankfurt-Hahn ein früheres Militärgelände - hatte 2012 ein Minus von 4,6 Millionen Euro eingefahren, das er im vergangenen Jahr nach Ministeriumsangaben auf knapp 3 Millionen Euro drückte. Der Flughafen befindet sich zur Hälfte in Hand des Landes und zur Hälfte in kommunaler Hand. Er liegt nur rund 30 Kilometer vom Flughafen Saarbrücken entfernt. Die neuen Flugleitlinien der EU-Kommission verbieten Subventionen für zwei Airports, die weniger als 100 Kilometer auseinanderliegen. Quelle: dpa/dpaweb
Eine Maschine der Lufthansa überquert die Landebahn des Flughafens Leipzig/Halle Quelle: Uwe Schoßig
Freizeitpark am Nürburgring Quelle: dpa
Ein Transrapid TR 09 steht auf der Teststrecke im Emsland Quelle: dpa
Menschen verspeisen Kaffee und Kuchen im Reaktorhauptgebaeude des Kernkraftwerkes Kalkar Quelle: AP
Aussenansicht der Halle des Tropical Islands Resorts Quelle: dpa/dpaweb
Passanten vor dem Dortmunder U-Turm Quelle: PR

Peter Meyer ist ein besonnener Mann. Seinen Unmut über die Entwicklungen am Nürburgring hält der Präsident des ADAC, Deutschlands mitgliedsstärkster Organisation, meist zurück, er meldet sich nur selten zu Wort. Doch wenn er es tut, dann pointiert.
Jetzt hat Meyer die Notwendigkeit gesehen, sich nach langer Zeit mal wieder zu Wort zu melden: Wegen des anstehenden Verkaufs der Rennstrecke attackiert der ADAC-Boss die rot-grüne rheinland-pfälzische Landesregierung um Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) – und droht mit dem Wegzug aller ADAC-Rennveranstaltungen aus der Eifel.
„Regierung will sich des Problems entledigen“
„Ich habe den Eindruck, dass sich die Regierung mit einem Verkauf einfach des Problems entledigen will. Zu Lasten der Automobilindustrie, die auf dem Nürburgring testet, zu Lasten des Motorsports und der Großregion Eifel“, sagt Meyer im Gespräch mit der WirtschaftsWoche.

Das Nürburgring-Desaster

Ab Ende April wollen die Insolvenzverwalter der weitgehend landeseigenen Nürburgring GmbH alle Liegenschaften europaweit zum Verkauf ausschreiben. Nach Informationen der WirtschaftsWoche haben sie bereits die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG mit der Ausschreibung betraut. Verkaufen wollen die Insolvenzverwalter ein für 330 Millionen Euro gebautes Freizeit- und Businesszentrum. Aber auch die beiden Rennstrecken, die legendäre Nordschleife von 1927, ehrfurchtsvoll „Grüne Hölle“ genannt, und die 1984 eröffnete Grand-Prix-Strecke, auf der zum Beispiel die Formel-1-Rennen stattfinden.
ADAC stemmt sich gegen Verkauf
Ein Verkauf der Strecken passt dem ADAC gar nicht. Zahlreiche Rennen auf dem „Ring“ richten der Automobilclub und seine Regionalverbände aus. Die Automobilindustrie nutzt insbesondere die Nordschleife als Teststrecke, sie gilt als besonderer Härtetest für neue Modelle. Zwischen Mai 2010 und 2012 wurde der Ring schon einmal privat betrieben, verpachtet an die Nürburgring Automotive GmbH, die je zur Hälfte der Lindner-Hotelkette und einer Firma des Düsseldorfer Projektentwicklers Kai Richter gehörte. Mehrfach stritten sich Veranstalter mit Jörg Lindner und Kai Richter, ebenso der Industriepool.

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