Oben hilft unten Das Tor zur Bildung

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Mit diesem Versagen wollen sich immer mehr Privilegierte nicht länger abfinden. Die Akademiker da oben reichen denen da unten im System die Hand: Eine wachsende Zahl von studentischen Projekten hilft Jugendlichen aus bildungsfernen Elternhäusern. Initiativen, wie sie sich ein Staat nur wünschen kann, dessen Bildungssystem seine Schwächen über Jahrzehnte ungestört kultivieren konnte.

Zu den neuen Bildungshelfern gehört auch Christina Veldhoen. "Irgendwann", erzählt sie, "hat sich bei mir die Sinnfrage gestellt." Und die Antwort, die sie gemeinsam mit Kommilitonen an der Zeppelin University in Friedrichshafen entwickelte, heißt "Rock your life". Die Studenten bieten Hauptschülern ihre Hilfe als persönliche Coaches an. Zwei Jahre lang begleiten und betreuen die angehenden Akademiker die vermeintlichen Bildungsverlierer. Das Ziel: bessere Noten, ein besserer Abschluss, ein Ausbildungsplatz, vielleicht sogar ein Studium. "Wir müssen weg vom schädlichen Defizitgelaber", sagt Veldhoen. "Wir glauben nicht nur an das Potenzial von jedem, wir wollen helfen, es zu entfalten."

Coaching für Hauptschüler

Die Vodafone-Stiftung hat sie von ihrem Konzept des sozialen Franchise-Unternehmens schon überzeugt. Veldhoen ist von einer jungen Gründerin zur Geschäftsführerin einer gemeinnützigen GmbH aufgestiegen. Die koordiniert mittlerweile rund 400 studentische Coaches in elf Universitätsstädten, bis Ende des Jahres sollen es 20 Standorte sein. Momentan arbeitet sie an einem professionellen Weiterbildungskonzept für die eigenen Mitstreiter.

So weit ist Janna Hilger in Hamburg noch nicht. Doch als Veldhoen und Hilger sich jüngst zum Kaffee trafen, war ihnen schnell klar: Wir wollen das Gleiche. "Scheitern ist fast nie eine Frage des Intellekts", ist Hilger überzeugt. Ihr Verein "Schlaufox" bringt Pädagogikstudenten und Schulen zusammen, zum Gewinn für beide Seiten. Die Studenten übernehmen an sozialen Brennpunkten Nachhilfe und Ferienprogramme, leiten Kochkurse oder gehen als Unterstützung mit Fachlehrern in den Unterricht: Praxis, die im Lehramtsstudium häufig zu kurz kommt. Und für die Schulen eine so große Entlastung, dass sie bereit sind, dafür zu bezahlen.

"In Schlaufox fließt mein Herzblut", schwärmt Hilger. Hanseatische Institutionen wie Zeit- und Körber-Stiftung haben sich davon anstecken lassen. "Das Tor zur Welt" wirbt die Stadt Hamburg für sich. Für die Bildung gilt das erst recht.

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