Öffentlicher Haushalt Deutscher Schuldenberg wächst deutlich

Der Bund, Länder und Gemeinden haben im Jahr 2012 mehr Schulden gemacht als im Vorjahr. Am stärksten stiegen die Verbindlichkeiten der Bundesländer.

Wo die meisten Schuldner leben
10. LübeckDie Hansestadt mit ihren rund 210.000 Einwohnern lebte jahrzehntelang von der Schwerindustrie. Inzwischen sind Firmen wie das „Hochofenwerk Lübeck“ oder die „Flender-Werke“ längst Opfer des Strukturwandels geworden. Die Arbeitslosenquote betrug im September 2012 9,8 Prozent – und damit deutlich über dem Landesdurchschnitt Schleswig-Holsteins von 6,5 Prozent. Im Jahr 2011 betrug die Schuldnerquote in Lübeck laut Creditreform 15,19 Prozent, das heißt: Rund jeder siebte Bürger der Hansestadt kann seinen finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen. Quelle: AP
Wiesbaden, 9. Platz: Die Landeshauptstadt Hessens liegt in der Rangliste der Städte mit der höchsten Schuldnerquote überraschend auf Platz 9. In der zweitgrößten Stadt Hessens wohnen rund 280.000 Menschen, davon 17 Prozent Ausländer. Wiesbaden zählt zu Städten mit der höchsten Kaufkraft. Im Durchschnitt beträgt diese pro Bürger 22.400 Euro. Doch während die einen besonders viel Geld zum Ausgeben haben, haben die anderen besonders wenig. 15,22 Prozent der Wiesbadener über 18 Jahre überschuldet, das heißt mehr als jeder sechste, über 34.700 Wiesbadener, können in den nächsten Monaten und Jahren ihre Schulden nicht mehr begleichen. Quelle: dapd
8. GelsenkirchenDie Ruhrgebietsstadt – das Armenhaus des Ruhrgebiets – hat mit dem Strukturwandel zu kämpfen. Die Arbeitslosenquote liegt bei 14,6 Prozent. 30.070 Privatpersonen sind in Gelsenkirchen überschuldet. Das sind 15,4 Prozent der Einwohner. Quelle: AP
7. NeumünsterNeumünster hat knapp 77000 Einwohner, doch es könnten weniger werden. Nachdem die Bundeswehrkasernen geschlossen wurden, haben auch wichtige Unternehmen den Standort verlassen. Die jüngeren Leute ziehen nach der Schule weg. Die Arbeitslosenquote liegt bei 10,5 Prozent, weiter über die Quote des Bundeslandes Schleswig-Holsteins, von 6,5. Die Verschuldungsquote liegt laut Creditreform-Schuldneratlas 2011 bei 15,61 Prozent. Quelle: dpa
6. KasselDie wichtigsten Unternehmen kommen aus der Maschinen- und Fahrzeugbau. Der Panzerbauer Krauss-Maffei Wegmann produziert hier. Trotzdem schlägt die Documenta-Stadt mit 195 530 Einwohnern die landesweiten Arbeitslosenquote um Längen: 9,5 Prozent statt 5,5 Prozent. Die Verschuldung liegt laut Creditreform bei 15,84 Prozent. Quelle: dpa
5. Halle (Saale)Sachsen-Anhalt verfügt über eine hohe Arbeitslosenquote: 10,8 Prozent. Doch in Halle gibt es mehr Menschen ohne Arbeit - nämlich 12,3 Prozent. 232 693 Einwohner leben hier - 16,17 Prozent sind laut Creditreform verschuldet. Quelle: dpa
4. Offenbach am MainDie Nähe zur deutschen Finanzmetropole wirkt trügerisch. Offenbach (122 000 Einwohner) hat eine relative niedrige Arbeitslosenquote (5,3 Prozent sind arbeitlos, Hessenweit sind es 5,5), doch der Prozentteil der Schuldner ist hoch - 16,93 Prozent der Bevölkerung haben ihre Finanzen nicht im Griff. Quelle: dpa/dpaweb

Der deutsche Schuldenberg ist kräftig gewachsen. Bund, Länder und Kommunen einschließlich aller Extrahaushalte standen am 31. Dezember mit 2,0718 Billionen Euro in der Kreide. Damit erhöhte sich der Schuldenstand binnen eines Jahres um 2,1 Prozent oder 41,8 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Trotz des deutlichen Anstiegs ist das kein Rekord: Mitte des vergangenen Jahres lagen die Verbindlichkeiten sogar bei 2,082 Billionen Euro.

Ein Grund für diese Entwicklung sind die Bad Banks: Der Bund trägt als Eigentümer das Risiko für Verluste der verstaatlichten Immobilienbank HRE, deren toxische Wertpapiere und Kredite in die FMS Wertmanagement ausgelagert wurden. Für Verluste der WestLB steht Nordrhein-Westfalen gerade.

Kommunen schaffen Überschuss
Die Schulden des Bundes erhöhten sich um 0,5 Prozent auf 1,2893 Billionen Euro. Die Länder waren mit 649 Milliarden Euro verschuldet. Dies entsprach einem Zuwachs von 5,0 Prozent. Die Verbindlichkeiten der Gemeinden und Gemeindeverbände stiegen um 2,8 Prozent auf 133,6 Milliarden Euro. Die Schulden der kommunalen Zweckverbände sowie der Sozialversicherung sind in dieser vierteljährlichen Statistik nicht enthalten.

Die Kommunen schafften 2012 einen Überschuss von rund 900 Millionen Euro. 2011 hatte es noch ein Minus von 2,9 Milliarden Euro gegeben. Ein Grund für die positive Entwicklung sind steigende Steuereinnahmen durch die robuste Konjunktur. Die Einnahmen kletterten um 3,2 Prozent, während sich die Ausgaben nur leicht um 1,2 Prozent erhöhten.

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