Ökonomen RWI-Vizechef kritisiert Rankings

Exklusiv

Die Investitionen in Deutschland, die zuletzt von Ländern wie Frankreich und Italien als zu niedrig kritisiert wurden, sind laut Thomas Bauer, Vizepräsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung, keineswegs zu gering. Vielmehr zeichneten viele Rankings und Vergleiche ein verzerrtes Bild, schreibt der Ökonom in einem Gastbeitrag für die WirtschaftsWoche.

Arbeiter bei einer Baustelle auf einer Autobahn Quelle: dpa

"Die gigantische Investitionslücke, die manche Ökonomen sehen, ergibt sich für Deutschland nur, wenn man erstens das Aggregat aller Investitionen – öffentlich und privat, jeweils inklusive Bau – betrachtet und zweitens auch Länder wie Spanien und Irland zum Vergleich heranzieht, die vor der Krise einen exzessiven Bauboom erlebt haben", so Bauer. "Drittens ist beim Vergleich von öffentlichen Investitionen zu beachten, dass es in den Ländern unterschiedliche Abgrenzungen des staatlichen Aufgabengebietes gibt. Sonst vergleicht man Äpfel mit Birnen."

Eckdaten des Bundeshaushalts 2014 bis 2018

Würden diese drei Aspekte in Statistiken berücksichtigt, bleibe für Deutschland "zwar ein gewisser Nachholbedarf in Bereichen wie der Verkehrsinfrastruktur übrig", schreibt Bauer. "Keinesfalls aber öffnet sich eine so gigantische Investitionslücke, dass jetzt massenhaft privates Kapital mit staatlichen Anreizen an der Schuldenbremse vorbeigeschleust werden sollte."

Bauer kritisiert, dass Ökonomen bei der Zusammenstellung von Rankings nicht immer sauber arbeiten. "Viele ökonomische Rankings leiden an einer falschen oder zumindest erläuterungsbedürftig gewählten Vergleichsgruppe", schreibt Bauer in der WirtschaftsWoche.

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