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Ökostrom-Umlage Verbraucher müssen höhere Strompreise zahlen

Die Umlage zur Förderung von Wind- und Solarstrom wird auf ein neues Rekordniveau steigen. Der genaue Wert soll am 15. Oktober bekanntgegeben werden. Sicher ist nur, wer diese Förderung letztlich bezahlt.

Was Verbraucher zahlen
Stromverbraucher finden bei der Zusammensetzung des Strompreises einen Posten namens EEG-Umlage. Sie ist seit dem Jahr 2000 im Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) verankert, um Ökoenergien zu fördern. Quelle: dpa
Derzeit sind 3,59 Cent je Kilowattstunde zu zahlen. Bei einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden pro Jahr sind das für eine Familie Ökoförderkosten von 125 Euro pro Jahr. Gezahlt wird die Differenz zwischen dem Marktpreis, etwa für eine Kilowattstunde Solarstrom, und dem festen Fördersatz. Ein Beispiel: Quelle: dpa
Derzeit bekommt ein Hausbesitzer mit einer Solaranlage auf dem Dach 19,5 Cent pro Kilowattstunde. Wird der Strom an der Strombörse für 7 Cent verkauft, müssen die Verbraucher 12,5 Cent über die EEG-Umlage bezahlen. Quelle: dpa
Die Verwalter des Umlage-Kontos, die Übertragungsnetzbetreiber, berechnen angesichts der Anlagenzahl und Erfahrungswerten beim Wetter die möglichen Förderzahlungen und geben immer zum 15. Oktober eine Umlage für das kommende Jahr an. Verrechnen sie sich, wird das mit der nächsten Umlage korrigiert. Für 2013 werden Steigerungen bei der Umlage vorausgesagt. Quelle: dpa
Diese wären aber nicht primär dem rasant steigenden Anteil erneuerbarer Energien am Strommix (derzeit 20 Prozent) anzulasten. Industrieunternehmen wurden teilweise von Ökoförderkosten befreit, um sie in Deutschland zu halten. Gleiches gilt für Netznutzungskosten. Lasten werden also auf weniger Schultern verteilt. Quelle: dpa
Hinzu kommt eine teure Marktprämie für Besitzer von Wind- und Solarparks, die Strom selbst vermarkten. Und die mögliche Steigerung liegt in der Umlageberechnung begründet. Da immer mehr Solarstrom mittags den Börsenstrompreis senkt, wächst die Differenz zum Fördersatz und damit die Kosten für die Bürger. Der Solarstrom wird so also Opfer des eigenen Erfolges. Quelle: dpa

Die Umlage zur Förderung von Wind- und Solarstrom wird auf ein neues Rekordniveau steigen. Da sich das Konto, über das die Förderung von Wind- und Solarstrom finanziert wird, bereits mit 2,68 Milliarden Euro im Minus befindet, droht den Bürgern im kommenden Jahr eine starke Erhöhung der Strompreise. Die Höhe der auf den Strompreis aufgeschlagenen Umlage für 2013 wird am kommenden Montag von den für die Verwaltung des Kontos zuständigen Übertragungsnetzbetreibern bekanntgegeben. Fehlende Gelder für die Vergütung von Ökostrom werden immer auf die Umlage des Folgejahres aufgeschlagen. Bis September wurden bereits 13,4 Milliarden Euro an Betreiber von Ökoenergie-Anlagen gezahlt.

Ein weiterer Grund für die steigenden Kosten ist aber auch die Ausweitung von Rabatten und Ausnahmen für energieintensive Betriebe. Die übrigen Stromverbraucher müssen dadurch mehrere Milliarden Euro zusätzlich mitschultern. Erwartet wird, dass die Umlage von 3,6 Cent je Kilowattstunde auf bis zu 5,3 Cent steigen könnte, berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung unter Berufung auf die Netzbetreiber. Ohne Mehrwertsteuer würde dies bei einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden Mehrkosten von bis zu 60 Euro bedeuten. Derzeit schlägt die Förderung mit 125 Euro für einen Durchschnittshaushalt zu Buche, diese könnte 2013 auf bis zu 185 Euro pro Jahr steigen. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) geht sogar davon aus, dass die EEG-Umlage auf bis zu neun Cent je Kilowattstunde steigen.

"Die Kosten der Energiewende zahlt der Verbraucher. Die EEG-Umlage wird in den nächsten Jahren um weitere drei bis vier Cent steigen", sagt der Energie-Experte des Bundesverbandes, Holger Krawinkel, im ZDF-Wirtschaftsmagazin WISO am Montag.

Krawinkel malt noch ein weiteres Horrorszenario: Nach dem Kostentreiber Solarenergie komme nun der Kostentreiber Offshore-Windenergie hinzu. Hier müsse die Regierung eingreifen. Holger Krawinkel: "Tut sie das nicht und wird der Ausbau der Offshore-Windenergie nicht verlangsamt, zahlt der Verbraucher die Zeche." Die konkrete Höhe der EEG-Umlage wird bis Mitte Oktober bekannt gegeben.

Strompreis treibt Lebensmittelpreise

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Verbraucher müssen sich allerdings nicht nur auf höhere Strompreise einstellen. Die steigende EEG-Umlage verteuert auch die Lebensmittelpreise. Besonders Handel und Betriebe im Bäcker- und Metzger-Handwerk, die nicht von der EEG-Umlage befreit sind, können die Kostensteigerungen infolge der Ökostrom-Umlage nicht mehr auffangen. "Wenn jetzt die EEG-Umlage auf über fünf Cent angehoben wird, muss ich meine Preise um rund acht Prozent erhöhen", erklärt Fleischer Christoph Ranft aus Schwelm in WISO. Er könne wegen der Förderung der Öko-Energie die Preise in seinem Familienbetrieb nicht mehr halten.

Auch der Präsident des Handelsverbands Deutschland (HDE) Josef Sanktjohanser kritisiert die immer höheren Belastungen aus der EEG-Umlage. Aktuell zahle der Handel jährlich zirka 1,7 Milliarden Euro für die EEG-Umlage, weitere Belastungen von mehr als 800 Millionen Euro jährlich werden nun durch die auf zirka fünf Cent/kWh steigende EEG-Umlage absehbar. Die Kosten seien für den Handel nicht mehr tragbar, ungerecht verteilt und gefährdeten mittlerweile die Existenz zahlreicher Händler.

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