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Ohne Ausnahmen Ab 2016 soll die Frauenquote für Top-Positionen kommen

Die Zeit der Appelle und freiwilligen Selbstverpflichtungen soll endlich der Vergangenheit angehören. Per Gesetz will die Regierung die Top-Etagen der Wirtschaft weiblicher machen - und so die Gleichstellung von Frauen in Männerdomänen voranbringen.

Aus dem Professor wird "Professx"
Mit dem X gegen KlischeesLann Hornscheidt, Professorin an der Berliner Humboldt-Universität, möchte mit einer kleinen Wortänderung traditionelle Geschlechterrollen in der Sprache aufbrechen. Häufig fühlten sich Studierende diskriminiert, weil sie als „Herr“ oder „Frau“ angesprochen würden, sagte Hornscheidt. Die Wissenschaftlerin am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien schlägt vor, etwa von „Professx“ statt von „Professor“ oder „Professorin“ zu sprechen. Die neutralen Endungen entfernten den Zwang, sich einem Geschlecht zuordnen zu müssen. „Die x-Form soll deutlich machen: Es gibt auch noch mehr als Frauen und Männer.“ Quelle: Fotolia
Schön dem Herrn Professorin zuhörenGleichberechtigung schön und gut. Eine Radikalkur in Sachen Feminismus gibt es an der Uni Leipzig: Dort sind Männer jetzt auch Frauen - zumindest sprachlich. Denn die neue Verfassung der Universität sieht nur noch weibliche Bezeichnungen vor. Schrägstrichbezeichnungen wie "Professor/in" entfallen und werden durch die weibliche Form ersetzt. So ist mit "Professorin" künftig auch ein Mann gemeint, worauf dann eine Fußnote verweisen soll. Die neue Grundordnung ist zwar noch nicht in Kraft getreten - doch mit einem Widerspruch rechne man nicht. Quelle: dpa
Frauenquote für StraßennamenFür Schlagzeilen sorgt die Gender-Debatte immer wieder. Derzeit steht die Namensgebung für Straßenschilder in Berlin-Kreuzberg im Blickpunkt: Das Jüdische Museum (Foto) möchte seinen Vorplatz nach dem jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn benennen. Doch die Verwaltung sperrt sich dagegen, denn in dem Stadtteil gibt es seit 2005 eine Frauenquote für Straßennamen. Demnach muss die Hälfte  der Straßen und Plätze nach Frauen benannt werden. Bis die Quote erreicht ist, dürfen nur noch weibliche Namen vergeben werden. Quelle: REUTERS
Änderung der österreichischen NationalhymneNach langem Rechtsstreit hat Österreich seine Nationalhymne geändert, und ehrt nun nicht mehr nur die „Heimat großer Söhne“ sondern auch der „Töchter“. Aus "Heimat bist du großer Söhne, Volk, begnadet für das Schöne" wurde nach jahrzehntelangen Debatten ab Januar 2012 in der ersten Strophe: "Heimat großer Töchter und Söhne, Volk, begnadet für das Schöne". Geändert wurde auch die dritte Strophe der von Paula Preradovic gedichteten Bundeshymne: Statt „Einig lass in Bruderchören, Vaterland dir Treue schwören" werden nun „Jubelchöre" besungen. Das von manchen bevorzugte "Heimatland" statt "Vaterland" konnte sich hingegen nicht durchsetzen. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Mädchen mit Pistolen in SchwedenSchweden gilt nicht ohne Grund als Vorreiter in Sachen Gleichstellung. Weihnachten 2012 nahm das neue Ausmaße an: Nach massiven Beschwerden über Rollenklischees in einem Spielzeug-Katalog wurde ein geschlechtsneutraler Katalog herausgebracht. Darin posieren kleine Mädchen mit Spielzeugpistolen, Fußbällen und Autos. Kleine Jungs dürfen dafür mit dem rosa Friseur-Set spielen oder Hunde, die mit Schleifchen dekoriert wurden, Gassi laufen. Quelle: dpa
Geschlechtsneutrale Vorschule in SchwedenUnd noch einmal Schweden. Dort gibt es eine umstrittene geschlechtsneutrale Vorschule namens „Egalia“. In der Einrichtung sollen die Kinder sich so entwickeln, wie sie es möchten, ohne in stereotype Rollenbilder gedrängt zu werden. Die Worte „Junge“ und „Mädchen“ werden nicht in den Mund genommen, stattdessen sagen die Erzieher/innen „Freunde“. Auch bei der Auswahl der Spielsachen werden Klischees vermieden. So gibt es etwa kein einziges Märchenbuch, weil Märchen Klischees vermitteln; traditionelle Lieder wurden umgedichtet. Quelle: dpa
Unisex-Toiletten in BerlinDer Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg nimmt sich all jenen an, die sich beim Toilettengang nicht entscheiden können, welche Tür sie nehmen sollen. Wer sich weder als Mann, noch als Frau fühlt, soll zukünftig in öffentlichen Gebäuden Unisex-Toilette nutzen können. Quelle: dpa/dpaweb

An der Spitze deutscher Unternehmen sollen Frauen künftig mehr zu sagen haben. Dazu will die Regierung von 2016 an für Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen eine Geschlechterquote von 30 Prozent vorschreiben. Dies sieht der Referentenentwurf der SPD-geführten Ressorts Justiz und Familie vor, der Ende vergangener Woche zur Abstimmung an die anderen Ministerien verschickt wurde. Justizminister Heiko Maas versicherte, es werde bei der Quote „keine Ausnahmen geben“. „Bloße Scheinargumente, es gäbe nicht genug qualifizierte Frauen, lassen wir nicht gelten“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Für Familienministerin Manuela Schwesig geht es dabei „um Macht, Einfluss und Geld für Frauen. Das gibt niemand freiwillig ab.“

Mit ihrem Entwurf wollen Schwesig und Maas das Thema Frauenquote nach langem Tauziehen endlich aus der Unverbindlichkeit holen: Durch verbindliche Ziele für eine Geschlechterquote in den Führungsetagen von Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung. Von 2016 soll die Quote bei dann anstehenden Gremien-Neuwahlen gelten, nicht aber für noch laufende Mandate. Wird die Quote nicht erfüllt, bleiben die Plätze laut Entwurf unbesetzt. Zudem ist eine Berichtspflicht der Unternehmen vorgesehen, ob sie die Quote erreichen konnten oder, falls nicht, welche Gründe das verhinderten.

Erreicht werden soll auch die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Bundesverwaltung, in Bundesunternehmen und Gerichten - durch ein in Anlehnung an die Privatwirtschaft „weitgehend synchrones Vorgehen bei der Erhöhung des Frauenanteils an Führungspositionen“. Neben den börsennotierten oder mitbestimmten Unternehmen wollen Schwesig und Maas auch Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) oder eingetragene Genossenschaften (eG) zur Frauenförderung verpflichten. Der Entwurf geht von insgesamt etwa 3500 betroffenen Unternehmen aus. Eine Mindestquote soll es für sie aber nicht geben.

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Die Wirtschaft sprach sich gegen die Vorgabe aus. „Gesetzliche Quoten beseitigen nicht die eigentlichen Ursachen für den unterschiedlichen Anteil von Frauen und Männern in Führungspositionen“, sagte ein Sprecher der Arbeitgebervereinigung BDA der „Passauer Neuen Presse“ (Samstag). „Die tatsächlichen Ursachen sind vor allem häufige Erwerbsunterbrechungen, ein geringeres Arbeitszeitvolumen sowie das unterschiedliche Berufswahlverhalten.“ Firmen müsse es weiter möglich sein, Aufsichtsräte nach Qualifikation und Erfahrung zu besetzen. Die Vize-Chefin der SPD-Bundestagsfraktion, Katja Dörner, nannte den Entwurf überfällig, aber unzureichend. „Der SPD fehlt der Mut für den großen Wurf. Eine 40-Prozent-Quote ist angesagt, um für echte Gleichstellung in den Unternehmen zu sorgen.“

Die Deutsche Bank kündigte an, den Frauenanteil im erweiterten Vorstand aufzustocken. Dazu werde mit der langjährigen Aufseherin der französischen Notenbank, Sylvie Matherat (52) am 1. August erstmals eine Frau in das 20-köpfige Führungsteam einziehen. Weitere Frauen würden folgen, sagte Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen der „Bild am Sonntag“.

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