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Onlinewahlkampf Weit weg vom Wähler

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Taktische Ahnungslosigkeit bei der CDU

Die einflussreichsten Politiker im Internet
Platz 10Der Dienstleister Klout misst den Einfluss von Personen in sozialen Netzwerken auf einer Skala von 1 bis 100. Fabio Reinhardt (Piraten) landet bei Position 69. Quelle: Trockennasenaffe
Platz 9Auch der Bundesumweltminister Peter Altmeier (CDU) liegt auf der Skala bei 69. Quelle: dpa
Platz 8Christopher Lauer (Piraten) hier mit Andreas Baum erhält 70 Punkte auf der Skala. Quelle: dpa
Platz 7Ebenfalls bei den Piraten ist der Musiker und Politiker Bruno Kramm. Auf der Klout-Skala landet er bei 71 Punkten. Quelle: Lilly_M
Platz 6Hubertus Heil, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, landet bei einem Wert von 73. Quelle: dpa
Platz 5Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, ist ebenfalls viel im Netz unterwegs. Er landet bei einem Wert von 74. Quelle: dapd
Platz 4In der SPD kräftig umstritten ist der Schleswig-Holsteiner Ralf Stegner. In den sozialen Netzwerken macht er seinen Einfluss auf jeden Fall geltend. Er liegt bei 76 Punkten. Quelle: AP

Entsprechend intensiv tummeln sich die Politiker inzwischen bei Facebook & Co. 556 Bundestagsabgeordnete haben mindestens ein Profil in einem sozialen Netzwerk. Allein 83 Prozent der 620 Volksvertreter sind bei Facebook, 57 Prozent nutzen den Kurznachrichtendienst Twitter. Vor allem die Facebook-Nutzung ist seit Januar sprunghaft gestiegen: Hatten bei der Unionsfraktion nur 34 Prozent eine Fanseite, sind es nun die Hälfte. Bei den SPD-Abgeordneten stieg der Anteil der Facebook-Nutzer von 34,6 auf 55,5 Prozent.

Wer profitiert also wirklich vom Online-Wahlkampf? Um die Stimmung auf den Social Media Plattformen zu analysieren, wertet die WirtschaftsWoche gemeinsam mit dem Datenspezialisten Attensity während des Bundestagswahlkampfs mit einer Sprachanalysesoftware aus, wie über die Spitzenkandidaten bei Twitter und Facebook gesprochen wird.

In der vergangenen Woche lag dabei Herausforderer Peer Steinbrück überraschend deutlich vorn. Der SPD-Kandidat kam auf Zustimmungswerte von 88 Prozent. Ein Grund ist vor allem der Spionageskandal, über den im Netz besonders intensiv diskutiert wurde. „Der Themenkomplex Überwachung hat deutlich dominiert“, sagt Attensity-Analyst Holger Rath. „Dabei gab es zu Frau Merkel kaum positive Äußerungen“.

Bei den Parteien profitieren vor allem die Piraten, sie waren die einzige Partei, zu der es mehr positive als negative Äußerungen gab. Allerdings bleibt die Frage, ob die Piraten davon auch bei der Wahl profitieren können. Bislang schlägt sich diese Stimmung in den Meinungsumfragen kaum wieder und obwohl die Piratenpartei ein Wählerpotenzial von 5,5 Prozent hat dürften die Einbrüche in der öffentlichen Wahrnehmung noch länger wirken.

Grundsätzlich ist weiterhin zu beobachten, dass die kleineren Parteien im Netz überproportional stark sind. So hat die Alternative für Deutschland inzwischen mit über 40.000 Facebook-Fans auf der Plattform sogar die SPD überholt.

Ist das Internet für die Volksparteien also wirklich „Neuland“, wie Merkel beim Obama-Besuch sagte? Nein, ihre Aussage ist wie die Schriftstellerin Juli Zeh richtig bemerkte ohnehin „keine digitale Naivität, sondern taktische Ahnungslosigkeit".

Denn die Kanzlerin gibt sich gern offen bei der Nutzung neuer Technologien, ob im wöchentlichen Videopodcast oder zuletzt mit Google-Hangouts. Doch dabei ist Merkel zwar gefühlt modern aber trotzdem kaum greifbar. Die eher Feedback-orientierten Plattformen wie Twitter oder Facebook meidet die „Meisterin des Nichts“ oder nutzt sie auch sehr einseitig. „Die Facebookseite von Merkel ist ja eher eine langweilige Pressemitteilungsverlautbarungstelle“, sagt Martin Fuchs, Mitbegründer der Plattform Pluragraph, die Social-Media-Aktivitäten analysiert.

Doch auch Steinbrück ist kein Vorzeigeonlinewahlkämpfer. Lange sträubte sich der SPD-Politiker gegen Facebook & Co., da er fand er würde dort nicht authentisch wirken. Auf Drängen seiner Berater ist Steinbrück seit Dezember doch bei Twitter aktiv und nachdem er anfangs recht offensichtlich fremdelte, nutzt er den Dienst inzwischen recht erfolgreich.

Er beantwortete unter dem Schlagwort #fragpeer Nutzerfragen und kokettiert geschickt mit seinen technischen Schwächen, indem er regelmäßig Fotos von handgeschriebenen Zettelchen postet.

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