Ortstermin Bernd Lucke macht Politik im Hörsaal

Nach dem verpassten Parlamentseinzug mit der AfD ist Professor Bernd Lucke zurück als Dozent in der Universität. Dauerhaft bleiben will er da nicht.

Bernd Lucke im Uni-Hörsaal Quelle: Arne Weychardt für WirtschaftsWoche

Irgendetwas hakt. Vielleicht ist es der Beamer, der nicht anspringt, vielleicht liegt es am Übertragungskabel. Bernd Lucke zumindest kniet unter dem Rednerpult und fummelt herum. Der Raum im historischen Hauptgebäude der Universität Hamburg ist halb voll, die gut 100 Studenten schauen ihm zumeist ausdruckslos entgegen, hier und da schmunzelt einer. Manche nutzen die entstehende Unruhe für einen kleinen Plausch. Hilfesuchend lächelt Lucke in den Raum, keiner reagiert. So wenig Aufmerksamkeit hat Lucke wohl selten erlebt in den vergangenen Monaten. Wortlos verlässt er den Saal.

Bernd Lucke, Ökonomieprofessor aus Hamburg, ist in den vergangenen Monaten bundesweit bekannt geworden als Anführer der Protestpartei Alternative für Deutschland (AfD), die sich mit beißender Kritik an der Euro-Rettungspolitik der Bundesregierung profilierte. Durch Lucke ist die Partei zum Hoffnungsträger derer geworden, die sich so etwas wie eine deutsche Tea Party wünschen.

Für den Einzug in den Bundestag reichte es nicht, 4,7 Prozent der Stimmen genügten für einen Achtungserfolg, von dem man sich aber erst mal nichts Beachtenswertes kaufen kann. Jetzt sind die Semesterferien vorbei, und so muss Lucke wieder das tun, wofür ihn das Land Hamburg bezahlt: Bachelor-Studenten die Grundlagen der Volkswirtschaftslehre erläutern.

Als Lucke in den Raum zurückkommt, hat er einen Hausmeister aufgetrieben, zumindest die Technik funktioniert jetzt. Der Professor beginnt die Vorlesung „Makroökonomik II“ mit einem Verlaufsplan. Der aber klingt reichlich politisch: Bereits in der zweiten Unterrichtseinheit steht „Target II“ auf dem Programm. Die Salden in der Bundesbankbilanz sind für die einen bilanzieller Ausdruck intensiver Handelsbeziehungen im Euro-Raum, für die anderen der Knebel, mit dem die hoch verschuldeten Euro-Länder Deutschland zu immer neuen Hilfsgeldern nötigen. Unpolitisch oder gar Teil des ökonomischen Grundwissens sind sie nicht.

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