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Parteiausrichtung AfD-Chef Lucke erwägt Rückzug aus Parteispitze

Führende Politiker der rechtskonservativen Alternative für Deutschland (AfD) wollen die Dominanz des heimlichen Parteichefs Bernd Lucke brechen. Doch der will im nächsten Jahr vielleicht gar nicht mehr kandidieren.

Der phänomenale Aufstieg der AfD
AfD Bundesparteitag in Erfurt Quelle: dpa
AfD im Europaparlament Quelle: dpa
AfD Zeiungsabonnements Quelle: dpa
Bernd Lucke Europaparlament Quelle: dpa
AfD Bernd Lucke Europaparlament Quelle: dpa
DMark
Frauke Petry Quelle: dpa

Der Chef der Alternative für Deutschland (AfD), Bernd Lucke, steht womöglich nächstes Jahr nicht mehr für das Amt zur Verfügung. "Ich habe noch nicht entschieden, ob ich noch einmal antreten werde", sagte der Politiker der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ, Montagausgabe). Er wolle ab und zu wieder mehr Zeit für die Familie haben.

Seinen möglichen Rückzug verband Lucke mit der Forderung, die Struktur der euro-kritischen Partei zu verändern, die zuletzt bei mehreren Landtagswahlen deutliche Zuwächse erzielt hat. Es müsse einen alleinigen Parteivorsitzenden geben. Bei den bisherigen drei Chefs sei der Koordinationsbedarf zu hoch.

Das sehen auch die Parteikollegen so: „Es ist wichtig, dass an der Spitze einer Partei unterschiedliche Führungsstile vertreten sind“, sagte Bundessprecherin Frauke Petry dem Magazin „Spiegel“. „Die AfD darf keine One-Man-Show sein.“ Geführt wird die AfD offiziell von drei „Bundessprechern“. Lucke wird aber oft als alleiniger Chef wahrgenommen. Zuvor hatte Bundesvorstand Alexander Gauland harsche Kritik an Luckes Führungsstil geübt. Der Hochschullehrer sei ein „Kontrollfreak“. „Es tut keiner Organisation auf die Dauer gut, wenn alles auf eine Person ausgerichtet ist“, sagt Petry, die den sächsischen AfD-Verband führt. Bisher habe sie sich im Bundesvorstand eher zurückgehalten. „Sollte die AfD künftig eine Doppelspitze haben, werde ich auf jeden Fall kandidieren und eine aktive Rolle spielen.“

Die AfD – neue Volkspartei oder kurze Protestepisode?

Die AfD hat sich zuletzt nicht nur über immer bessere Wahlergebnisse freuen können. Auch die Einnahmen aus dem Internet-Goldhandel der Partei entwickeln sich prächtig. Seit dem Start des Goldverkaufs im Oktober hat die Anti-Euro-Partei mit dem Verkauf von Goldmünzen und Barren mehr als 2,1 Millionen Euro umgesetzt. Die Gewinne aus dem Goldverkauf sind zwar marginal - nach Angaben der Partei liegt die Gewinnmarge bei durchschnittlich einem Prozent.

Die ersten zwei Millionen Umsatz haben jedoch dazu geführt, dass die Partei für 2014 den maximalen Zuschuss vom Staat kassieren kann, der ihr gemessen an der Zahl der Wählerstimmen und sonstigen Einnahmen zusteht. Doch mit ihrem Goldhandel hat die Newcomer-Partei nicht nur viel Geld eingesammelt und Aufmerksamkeit generiert. Sie hat auch eine Debatte darüber losgetreten, was in der Parteienfinanzierung erlaubt sein soll und was nicht.

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„Es ist doch ein Stück aus dem Tollhaus, dass die AfD ein lukratives Geschäft macht und obendrein mit Steuergeldern dafür belohnt wird“, erklärt die Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Britta Haßelmann. Bundestagspräsident Norbert Lammert empfiehlt eine Änderung des Parteiengesetzes, um den Goldgräbern von der AfD das Handwerk zu legen. Bei der AfD ist man darüber nicht wirklich überrascht. Gleichwohl gibt sie sich als verfolgte Unschuld. „Die etablierten deutschen Parteien unterhalten seit Jahrzehnten allesamt ein gewachsenes Netz von Beteiligungen und Firmen“, erklärt Frauke Petry, die dem Führungsgremium der Partei angehört.

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