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Parteitag Die Grünen sehen schwarz

Auf ihrem Parteitag schließt die Ökopartei ein Bündnis mit der Union nach der Bundestagswahl aus. Dennoch bereiten sich Führungsleute der Grünen darauf vor, dass es vielleicht genau zu einer solchen „bürgerlichen“ Koalition kommt.

Die Bundesvorsitzende Claudia Roth auf der Bühne des 34. Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90/Die Grünen in der Eilenriedehalle in Hannover. Quelle: dpa

Claudia Roth trägt schwarz und hält sich zurück. Das mag an der „herben Klatsche“ liegen, die sie bei der Kür des grünen Spitzenduos für die Bundestagwahl voriges Wochenende erlitten hat. Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt bestimmte die Basis als Team per Urwahl, die eher grelle Parteichefin landete nur auf Platz vier. Roth ist auch diejenige, die sonst kategorisch wie kaum jemand bei den Grünen eine Koalition mit der Union ausschließt.

Mit den Schwarzen von Bundeskanzlerin Angela Merkel will bei diesem Parteitag in Hannover aber niemand offiziell etwas zu tun haben. Co-Parteichef Cem Özdemir haut vor dem Parteipublikum ordentlich drauf - rund zwei Monate vor der Niedersachsen-Wahl und zehn Monate vor der Bundeswahl.

Ziel sei eine rot-grüne Bundesregierung und sonst nix. Seinen Kindern verweigere er das Fernsehen, wenn Politiker von Schwarz-Gelb zu sehen seien. Sein Nachwuchs solle „schließlich gute Manieren lernen“. Nicht einmal die beherrsche diese Bundesregierung noch, die mal als bürgerliche angetreten sei. „Ich lasse mir nicht mehr sagen, was bürgerlich ist,“ ruft der anatolische Schwabe, wie er sich selbst nennt, ins begeisterte Publikum. „Auf eine Art und Weise sind wir natürlich auch konservativ“, legt er nach. Daraus folgt für ihn: „Wir wollen nicht die Union, sondern die Stimmen der Wählerinnen und Wähler der Union.“

Dieser Tonart folgen alle Obergrünen an diesem Wochenende in Hannover – auch die neue Hoffnungsträgerin Katrin Göring-Eckardt, Bundestagsvizepräsidentin und Kirchenfrau. Die Ostdeutsche, die mit einem Pfarrer verheiratet ist und den Grünen früher manchmal als etwas zu bürgerlich und gar konservativ galt, sammelt nun besonders eifrig Punkte, indem sie sich von der CDU abwendet. Dabei hat sie ihren Erfolg bei der Urwahl zu einem Gutteil ihrem Image und ihrer Vergangenheit zu verdanken. In der rot-grünen Bundesregierung prägte sie zudem die umstrittenen Sozialreformen samt Hartz IV mit. Immer wieder brachte sie mal die schwarz-grüne Option ins Spiel – etwa in ihrem Heimat-Bundesland Thüringen.

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