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Personalprobleme der Bundeswehr Lieber Spaziergänge statt Gewaltmärsche

Nicht nur die Ausrüstung der Bundeswehr hat gefährliche Defizite. Vielen Soldaten fehlen die körperlichen Fähigkeiten. Schuld ist der Mangel an Rekruten und eine kopflose Gleichstellungspolitik.

Quelle: dpa/Montage

Der Tod der Soldatin Sarah Seele, die am 8. November 2010 auf dem Segelschulschiff Gorch Fock verunglückte, hat die Nation bewegt. Bis heute sind die Umstände nicht eindeutig aufgeklärt. Ebenso wenig wie der Tod der Soldatin Jenny Böken, die auf demselben Schiff schon zwei Jahre zuvor unter mysteriösen Umständen über Bord gegangen war.

Die beiden jungen Offiziersanwärterinnen Seele und Böken hätten, dafür sprechen sehr viele Indizien, niemals den Ausbildungslehrgang auf dem Segelschulschiff antreten dürfen. Seele war zwar nicht übergewichtig, wie zunächst berichtet. Aber sie war mit 158 cm deutlich zu klein - und erhielt daher eine Sondergenehmigung. Wer schon mal auf einem Segelschiff war, der weiß, dass lange, starke Beine mehr als hilfreich sind beim so genannten Aufentern in die Takelage.

Prozess wird neu aufgerollt

Für Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen gehören beide Todesfälle zu den vielen unerfreulichen Dingen, die mit ihrem neuen Amt verbunden sind. Sie traf die Eltern von Böken im Juli zu einem Gespräch. Am 22. Oktober wird der Fall vor dem Aachener Verwaltungsgericht wieder aufgerollt – auf Wunsch der Eltern.

Dabei wird es unter anderem um mysteriöse verschwundene ärztliche Untersuchungsergebnisse gehen. Böken litt vermutlich unter Prädiabetes, weswegen sie während des Dienstes oft einschlief. In der Bundeswehr fürchtet man nicht ohne Grund, dass am Ende als Ergebnis feststehen wird, dass vorsätzlich eine ungeeignete Kadettin auf die Gorch Fock geschickt wurde.

Braucht die Bundeswehr mehr Geld?

Doch die beiden toten Soldatinnen sind nicht nur menschliche Tragödien, sie werfen auch eine grundsätzliche Frage auf, die Bundeswehrführung in zunehmendem Maße beschäftigen muss: Sind die Soldaten – und vor allem die Soldatinnen – der Bundeswehr den unter Umständen körperlich sehr anspruchsvollen Aufgaben ihres Dienstes überhaupt gewachsen? Oder drückt die Bundeswehrführung gerne auch mal beide Augen zu, weil sie sonst die Erfüllung von Personalplanzahlen und politisch gewollten Gleichstellungszielen nicht zuwege bringt?

Profi-Soldaten können das Soldatenhandwerk besser und sind fitter für Auslandseinsätze. Das war ein schlagendes Argument für die Aussetzung der Wehrpflicht seit dem 1. März 2011. Die real existierende Freiwilligenarmee gibt leider ein anderes Bild ab.  

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