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Personalprobleme der Bundeswehr Lieber Spaziergänge statt Gewaltmärsche

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„Militärischen Anforderungen nicht gewachsen“

„Deutschland muss sich mehr engagieren“, verkündete die Bundesverteidigungsministerin kurz nach der Amtsübernahme. Doch das wichtigste Instrument, mit dem Deutschland, wie es im Politikersprech heißt, „international mehr Verantwortung“ übernimmt - die Bundeswehr - hat nicht nur ein riesiges Problem mit der Hardware, das in diesen Tagen für Aufregung sorgt, sondern auch mit den Soldaten: Sie wollen einfach nicht zur Bundeswehr - und wenn doch, dann können sie nicht, was sie eigentlich sollten.

Vor 2011 wurde alljährlich eine große Zahl junger Männer mehr oder weniger unfreiwillig eingezogen. Schon diese halbwegs dem Durchschnitt ihrer Altersklasse entsprechenden Rekruten zeigten einen bedenklichen Rückgang an körperlicher Leistungsfähigkeit.

Elementaren Anforderungen nicht gewachsen

In einer Studie mahnte Dieter Leyk vom Zentralen Institut des Sanitätsdienstes der Bundeswehr in Koblenz schon 2010, „dass auch die Bundeswehr von der weiten Verbreitung und frühzeitigen Etablierung bewegungsarmer und gesundheitlich ungünstiger Lebensstile vermehrt betroffen ist.“ Ein beträchtlicher Anteil der deutschen Rekruten sei „elementaren militärischen Anforderungen nicht gewachsen“, schreibt Leyk.

Einsatzbereitschaft der Waffensysteme der Bundeswehr

Der Bericht des Wehrbeauftragten des Bundestages, Hellmut Königshaus, aus dem 2013 beklagt ähnliches: „Nicht selten“ meldeten sich „schon unmittelbar nach Beginn der Allgemeinen Grundausbildung“ Rekruten, die „sich durch die neuen Umstände, die körperlichen und geistigen Anforderungen des Dienstes sowie das ungewohnte Zusammenleben in der Kaserne überfordert“ fühlen. „Sie bemängeln den strengen Befehlston von Vorgesetzten, die Umgangsformen und die hohen sportlichen Leistungsanforderungen.“

Die Bundeswehr stehe, so Leyk, vor einer „ungeheuren Präventionsaufgabe, will man weiterhin den internationalen Verpflichtungen als moderne und leistungsfähige Einsatzarmee nachkommen.“ Die Bundeswehr solle „angesichts der hohen Einsatzbelastungen künftig auf eine vorsorgende Strategie setzen und im Bereich Präventionsforschung und in der professionellen Umsetzung von Gesundheits- und Fitnessförderung viel mehr investieren“.

Doch die Bundeswehr ist nicht nur mit abnehmender Fitness, sondern auch mit abnehmenden Bewerberzahlen für den Dienst an der Waffe konfrontiert. 2013 bewarben sich nur noch 22.184 Männer und Frauen für die Laufbahn als Unteroffizier.

2011 waren es noch 23.666 Männer und Frauen. Bei den Mannschaftsdienstgraden und den freiwillig Wehrdienstleistenden ist die Tendenz dieselbe. Dazu kommt, dass rund ein Viertel der freiwillig Wehrdienstleistenden - 2012 waren es 24,7 Prozent - den Dienst auf eigenen Wunsch vorzeitig abbricht. Da muss man eben nehmen, wen man kriegen kann – und bei der Fitness auch mal beide Augen zudrücken.

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