WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Peter Altmaier "Die Probleme sind älter als unsere Kürzungspläne"

Seite 2/3

"Wir haben viel erreicht"

Welche Baustellen Peter Altmaier als Umweltminister erwarten
Angespannte Stromversorgung Quelle: dpa
Unkontrollierter Windstrom Quelle: dpa
Stress im Netz Quelle: dapd
Vorrang für Gaskraftwerke Quelle: dpa
Lücken bei Gas-Pipelines Quelle: dpa
Neue Kraftwerke Quelle: dpa
Abstriche am Klimaschutz Quelle: REUTERS

Wenn derart mit Ellenbogen gekämpft wird – kommt Ihnen Ihre Statur zupass im Vergleich zum vorigen Umweltminister?

Als Saarländer bin ich ja eigentlich eher ein friedliebender Typus Mensch. Ich bin aber verschiedentlich als durchsetzungsfähig beschrieben worden. Neben der Staatsschuldenkrise ist die Energiewende das wichtigste innenpolitische Problem. Vom Gelingen hängt ab, welche Chancen die deutsche Volkswirtschaft in den nächsten Jahren hat.

Soll die Wende keine Last sein, müssten Sie die Solarförderung kippen, weil Solar teurer ist als andere Erneuerbare.

Wir haben uns bei den Erneuerbaren darauf geeinigt, vorrangig auf Windkraft zu setzen, mit Windparks in Nord- und Ostsee und enormem Zubau im Binnenland. Die Fotovoltaik spielt eine wichtige Rolle, weil sie ein enormes Zukunftspotenzial hat. Jede neue Gewichtung zwischen beiden braucht eine politische Mehrheit. Im Norden setzt man mehr auf Wind, im Süden auf Sonne. Am Ende werden Gesetze nicht vom Umweltminister gemacht, sondern von Bundestag und Bundesrat. Also muss ein Konzept mehrheitsfähig sein.

Vor allem müssten sich die Länder beim Netzausbau bewegen, oder?

Die Energiewende ist gerade ein Jahr alt. Bei den rechtlichen Voraussetzungen haben wir in dieser Zeit viel erreicht: Planungsverfahren beschleunigt, wichtige Gerichtsverfahren gewonnen. Trotzdem sind wir mit dem Netzausbau nicht so weit, wie wir gern wären. Die Energiewende kann nur gelingen, wenn die Bundesländer erkennen, dass die Wende nicht aus 16 Länderkonzepten besteht, sondern nur als gemeinsames Ganzes gelingt.

Trotzdem: Netzausbau und Kraftwerksbau kommen nicht recht voran. Fühlen Sie sich als Geisel der Energieversorger und der Netzbetreiber, die mehr Staatshilfe verlangen?

Alle Seiten sollten fair miteinander umgehen, ohne Drohungen. Dass die Kraftwerksbetreiber gutes Geld verdienen wollen, ist ihr gutes Recht. Aber wir müssen vorsichtig sein mit immer neuen Subventionen. Deshalb müssen wir diese Herausforderung vorrangig mit marktwirtschaftlichen Regeln meistern. Es muss gelingen, dass auch bei einem wachsenden Anteil der Erneuerbaren mit konventionellen Kraftwerken Geld verdient werden kann. Dazu muss es aber keine überbordenden Subventionen geben. Die sind auf Dauer immer die schlechtere Lösung.

Die Industrie beklagte, dass Ihr Vorgänger lieber mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz als mit den Energieversorgern über die Energiewende sprach. Wie wollen Sie das Verhältnis reparieren?

Ich will ein ehrlicher Makler zwischen den verschiedenen Interessen sein und mich mit beiden Seiten treffen. Wir müssen die Blockade, die es hier und da gegeben hat, in den nächsten Wochen durchbrechen. Die Energieunternehmen sind zusammen mit den Netzbetreibern verantwortlich für eine sichere Stromversorgung. Wir müssen mit allen Beteiligten einen Dialog führen: Umweltverbände, Wirtschaftsverbände, Energieversorger, Netzbetreiber und die Bundesländer. Das sind fünf Akteure, die sich auf ein gemeinsames Konzept einigen müssen. Bis zum Ende des Jahres sollten wir die Elemente eines nationalen Konsenses vorlegen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%