Petersberger Klimadialog Weltklimavertrag muss bis 2015 stehen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Weltgemeinschaft aufgefordert, bis 2015 einen für alle Staaten verbindlichen Vertrag zur Treibhausgas-Minderung abzuschließen. Sogar in Deutschland steigen wieder die CO2-Emissionen - trotz Energiewende.

Diese Katastrophen bedrohen Millionen von Menschen
Sicherheitsleute räumen Strand von Hurricane Ernesto Quelle: rtr
Bei seinem Zug über die Halbinsel Yucatán werde er sich abschwächen, teilten die Meteorologen mit. Die Menschen dort wurden evakuiert, diese Männer bringen ein Fischerboot in Sicherheit. Die mexikanischen Behörden hatten für die Ferieninsel Cozumel und Gebiete südlich der Pyramidenstadt Tulum bis zur Grenze von Belize Hurrikanalarm ausgelöst. Auch in Belize galt Hurrikanalarm. Quelle: dpa
Schon vor dem Eintreffen des Sturms wurden viele Regionen von heftigen Regenfällen getroffen. Diese Einwohner der Stadt Zapopan in der Region Jalisco tragen ihr Eigentum aus einem überfluteten Haus. Quelle: dpa
Nach Berechnungen der Meteorologen wird „Ernesto“ noch am heutigen Mittwoch in den Golf von Mexiko weiterziehen und später im Bundesstaat Veracruz erneut auf mexikanisches Festland treffen. Quelle: Reuters
Dort, in Honduras und Guatemala hatte „Ernesto“ bereits heftigen Regen ausgelöst, auch in den mexikanischen Bundesstaaten Quintana Roo, Campeche und Tabasco kam es zu schweren Regenfällen. Nach Angaben des Nationalen Wetterdienstes von Mexiko traf das Zentrum des Wirbelsturms am Dienstagabend (Ortszeit) bei der Ortschaft Majahual (Foto) wenige Kilometer nördlich der Grenze zu Belize auf das Festland. Den Ort hatte vor vier Jahren ein Hurrikan zerstört. Quelle: dapd
Überschwemmtes Dorf nach Hurricane Hakui Quelle: dpa
In der Küstenstadt Ningbo stürzte der Sturm ein Riesenrad um, in Jiaxing deckten die Böen das Dach eines Stadiums ab. Auf der Spitze eines Berges im Bezirk Jiaxing saßen rund 1000 Touristen wegen des Unwetters fest. In Lin'an hätten Rettungskräfte 123 Menschen befreit, die von den Wassermassen in ihren Gästehäusern eingeschlossen worden seien, meldete die Nachrichtenagentur Xinhua. Quelle: rtr
Der wirtschaftliche Schaden allein in der Provinz Zhejiang wird auf fünf Milliarden Yuan (rund 635 Millionen Euro) geschätzt. Etwa die Hälfte davon entfalle auf Schäden in der Landwirtschaft, hieß es. Zhejiangs wichtigster Flughafen in der Provinzhauptstadt Hangzhou musste stundenlang seinen Betrieb einstellen, in der Region standen auch die Hochgeschwindigkeitszüge still. „Haikui" ist der dritte Taifun innerhalb weniger als einer Woche, der China trifft. Quelle: dapd
Überschwemmtes Haus in Manila Quelle: dpa
Unter den Toten waren neun Einwohner dreier Häuser in Manilas Stadtteil Quezon, die unter einem Erdrutsch begraben wurden. Es handelte sich um eine Mutter mit ihren fünf Kindern und drei weiteren Verwandten. Der Ehemann und der älteste Sohn überlebten. Der Junge wurde schwer verletzt. „Ich denke nur noch an meinen Sohn, er kann sich nicht bewegen, weil ihm alles wehtut. Ich sehe keine Verbesserung in seinem Zustand“, berichtete der Vater verzweifelt im Lokalradio. Die Behörden hätten schon öfter gesagt, dass sein Haus erdrutsch-gefährdet gewesen sei. Er habe aber nicht an den Stadtrand weit weg von Schulen und Arbeitsstätte umsiedeln wollen. In den meisten Ortsteilen Manilas floss das Wasser langsam ab, aber die nördlichen Provinzen standen teilweise noch unter Wasser. Erst vergangene Woche hatte Taifun „Saola“ die Philippinen teils unter Wasser gesetzt. Quelle: dpa
Waldbrand in den USA Quelle: rtr
Dürre nach Waldbrand in Italien Quelle: dpa
Feuerwehrmann löscht Brand Quelle: AP
Auch in der türkischen Provinz Hatay wütet seit Montag ein Waldbrand, berichtet die Internetseite deutsch-türkische-Nachrichten.de. Bisher habe das Feuer schon 300 Hektar Wald zerstört. Quelle: rtr
Auch in Portugal wüten die Flammen. Ein Feuermann versucht in der Nähe von Oliveira do Hospital den Waldbrand einzudämmen. Quelle: dpa
Großfeuer auf Auf La Gomera Quelle: dpa
Auf La Palma gelang es nach Angaben der Regionalregierung, ein Großfeuer unter Kontrolle zu bringen, das eine Fläche von 1700 Hektar vernichtet hatte. Spanien bereitet sich derweil bereits auf neue Brände vor, denn bis Donnerstag wird eine neue Hitzewelle erwartet. Schon jetzt hat das Land in diesem Jahr die meisten Brände seit zehn Jahren erlebt. In den ersten sieben Monaten 2012 wurden beinahe 131.000 Hektar Land von den Flammen zerstört. Nach dem trockensten Winter seit 70 Jahren hat das Feuer in Spaniens Wäldern leichtes Spiel. Im Juli fiel zudem gut die Hälfte des durchschnittlichen Regens aus. Quelle: dapd

„Warten ist keine Option“, sagte Merkel am Montag beim Petersberger Klimadialog in Berlin, einer Konferenz an der rund 35 Staaten teilnehmen. Selbst wenn alle Industrieländer ab morgen kein Kohlendioxid (CO2) mehr ausstoßen würden, sei eine Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad nicht mehr zu erreichen. Daher müsse bis 2015 ein Abkommen zustande kommen, das für über 190 Staaten ein verbindliches Minderungsziel festlegt. Geplant ist, dass ein solcher Klimavertrag bis 2020 in Kraft treten soll.
„Nichtstun bedeutet, dass es uns insgesamt viel, viel teurer kommt“, sagte Merkel, die vor der Finanz- und Eurokrise den Klimaschutz zu einer ihrer Hauptprioritäten erklärt hatte. Die Kanzlerin betonte, es gebe viele Einzelinitiativen, etwa die Einführung eines Handels mit Verschmutzungsrechten in Kalifornien oder eine Eindämmung der Abholzung in Brasilien. Notwendig sei, dass daraus ein starker Strom werde, der den Druck auf alle Staaten erhöhe, um bis 2015 bei der UN-Klimakonferenz in Paris zum Abschluss zu kommen.

Der Klimawandel in Zahlen

Aber selbst in Europa gab es zuletzt mehr Rückschläge statt Fortschritte. So führt der derzeitige Preisverfall im Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten dazu, dass Kohlestrom lukrativ bleibt - selbst in Deutschland stiegen 2012 trotz mehr Wind- und Solarstroms die CO2-Emissionen erstmals seit langem wieder um zwei Prozent. Unternehmen müssen dabei für jede Tonne CO2 Ausstoßrechte kaufen. Das Europaparlament hatte jüngst eine Verknappung der Zertifikate abgelehnt, um den CO2-Ausstoß wieder zu verteuern. Merkel räumte ein, dass es schon in der Bundesregierung keine klare Haltung hierzu gebe. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) ist gegen einen Markteingriff, Umweltminister Peter Altmaier (CDU) dafür.

Merkel betonte, die Frage eines Eingriffs dürfe kein Tabu sein. Aber der Preisverfall hänge auch mit einem wirtschaftlichen Einbruch in der EU zusammen. Gegen die „geballte deutsche Wirtschaft“ sei solch ein Eingriff schwer durchzusetzen. Die Kanzlerin verwies auf die Belastungen durch die Energiewende. Komme man hier bei den Kosten zu einer Reform, sei auch eine Emissionshandels-Reform womöglich leichter zu verhandeln.

Zu behaupten, Europa sei kein Vorreiter mehr beim Klimaschutz, „finde ich völlig unangemessen“, betonte Merkel. Die EU-Staaten debattieren darüber, das Ziel von 20 Prozent weniger Emissionen auf 30 Prozent anzuheben - so könnte der Druck auf andere Staaten erhöht werden, auch mehr zu tun. Aber besonders Polen wehrt sich wegen seiner vielen Kohlekraftwerke. Umweltschützer kritisierten, Merkel beziehe keine klaren Positionen zu diesen beiden Themen. Greenpeace sprach ihr ab, noch eine „Klimakanzlerin“ zu sein.

Folgen des Klimawandels in Deutschland

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) sagte, die globalen Fortschritte seien nicht ausreichend. Der Klimadialog sei der Versuch, ein politisches Momentum für mehr Bewegung zu erzeugen.

Die Konferenz ist ein Vorbereitungstreffen auf den jährlichen UN-Klimagipfel. Die versammelten rund 35 Staaten stehen für etwa 80 Prozent der Treibhausgas-Produktion der Welt. Warschau ist Gastgeber der nächsten UN-Klimakonferenz Ende 2013, die mit dem Treffen vorbereitet werden soll. Die Welt-Klimagespräche stocken seit dem Scheitern der Konferenz von Kopenhagen im Jahr 2009. Ziel ist jetzt einen Weltklimavertrag bis 2015 zu erarbeiten, der dann 2020 in Kraft treten soll.

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