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Piratenpartei-Chef Schlömer "Lasst uns aus dem Generationenvertrag aussteigen"

Exklusiv
Seite 4/4

Fortschritte in der Urheberrechtsdebatte

Piratenpartei NRW Quelle: dpa

Ein Thema, bei dem Sie Bescheid wissen, ist das Urheberrecht. Wer müsste ihre Position dazu eigentlich genauer nachlesen: panische Künstler oder ein paar Hardliner aus ihrer Partei?
Beide Seiten hätten früher miteinander reden sollen. Wir wollen ja nichts abschaffen, sondern das Urheberrecht reformieren. Die ganze Debatte ist stark von Partikularinteressen geprägt, aber das bessert sich. Wir treten aktuell in den konstruktiven Dialog ein.

Sie haben dazu in den letzten zwei Wochen Runde Tische mit Verbänden, der Industrie und Kreativen veranstaltet. Was haben die Piraten gelernt?

Der Dialog ist sicherlich vielschichtig, zum Teil auch konträr. Aber es gibt auch Gemeinsamkeiten beispielsweise mit Autoren, Journalisten und Verlegern Auch sie sehen eine große Notwendigkeit, neue Geschäftsmodelle zu etablieren. Weiter werden die langen Schutzfristen einvernehmlich kritisiert.

An einem Punkt schlägt Ihnen massiv Widerstand entgegen: Sie wollen das Recht auf Privatkopie, verbunden mit legalen Tauschbörsen. In der digitalen Welt ist doch damit der unendlichen Vervielfältigung Tür und Tor geöffnet.

Sofern der Tausch von Wissen und Informationen der nicht-kommerziellen Nutzung dient, tritt kein Schaden ein. Ich kann die Sorge nur bedingt nachempfinden. Es gibt keinen Hinweis auf geldwerte Verluste. Eine Privatkopie kann man auch als kostenlose Werbemaßnahme begreifen. Aus meiner Sicht führt die Kopierpraxis nicht zu massenhaften Verlusten.

Das mag für runtergeladene Musik und das Konzert gelten, dass ich später besuche. Aber einen kopierten Film sehe ich mir nicht noch einmal im Kino an.

Beim nicht-kommerziellen Tausch wird immer gleichzeitig ein illegitimes Geschäftsmodell unterstellt. Wissen sollte beispielsweise für nicht-kommerzielle Zwecke frei sein. Wir wollen zunächst mit Urhebern und Kreativen sprechen, wie die Bedingungen für ein neues Urheberrecht im Internetzeitalter aussehen können und welche Modelle es zukünftig geben kann, damit sie davon profitieren können. Diese Diskussion schlicht zu blockieren, ist nicht zielführend.

Aber sie haben bislang keine Antwort auf diesen Konflikt.

Wir haben eine Position. Wissen sollte nicht ausschließlich an monetäre Ziele gebunden werden. Ist Wikipedia etwa wertlos? In ihrer Sichtweise taucht sofort ein Vermarktungsinteresse auf.

Ja, weil Menschen von ihrer Kunst leben wollen.

Es gibt Modelle wie das Micro-Payment oder das Social-Payment, das sind positive Beispiele. Als Partei werden wir aber keine Geschäftsmodelle vorgeben. Der Urheber muss nur gestärkt werden. Das derzeitige Urheberrecht ist unserer Meinung nach derzeit zu stark Verwerterrecht.

Und deswegen plädieren Sie für das Prinzip Straßenmusiker im Netz: Jeder, der will, kann was zahlen.

Ich werde kein Modell besonders gutheißen, alle haben Vor-und Nachteile.

Haben Sie eigentlich Verbündete in anderen Parteien?

Alle Parteien bewegen sich: Mit den Ideen der Grünen gibt es Überschneidungen, das Positionspapier der Jungen Liberalen deckt sich in weiten Teilen mit unseren Vorstellungen, auch bei den Thesen der SPD gibt es Überschneidungen.

Was spricht gegen eine Kultur-Flatrate, die die Grünen wollen?

In Arbeit
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Der Allokationsalgorithmus ist schwierig. Übersetzt: Wer schneidet am Ende den Kuchen? Ich will die Flatrate nicht ausschließen, aber die Verteilung ist heikel. Für mich als liberal denkender Mensch ist nur wichtig: Wer wie viel bekommt, dürfte definitiv nicht von der Politik festgelegt werden.

Liberal – was heißt das für Sie genau?

Ich beschreibe mich selbst als Hanseaten: urban, tolerant, weltoffen, vernünftig, gelassen. So würde ich meine Vorstellungen definieren. Und die Piratenpartei ist für mich eine liberale Partei, mit sozialer und bürgerrechtlicher Ausprägung.

Die FDP nannte sie „Linkspartei mit Internetanschluss“.
Das weise ich von uns. Wir werden immer noch ganz falsch eingeschätzt.

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