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Piratenpartei gegen PiratenparteiD "Ich will keinen Social-Media-Putsch"

Die Piratenpartei war Vorreiter bei Twitter & Co., nun sind einige Mitglieder mit den offiziellen Social-Media-Auftritten der Partei unzufrieden. Der Berliner Abgeordnete Martin Delius hat einen Alternativkanal gestartet.

Piraten-Abgeordneter Martin Delius: Ich beanspruche nicht die Deutungshoheit. Quelle: dapd


Ist es richtig, dass Sie hinter dem neuen Twitteraccount @piratenparteiD stecken?

Richtig, den habe ich gestern spontan angelegt.

Und was war der Grund?

Für alle, die sich über Ausfälle auf dem großen Account ärgern, machen wir einen der zeigt, wie es besser geht. Aber da stecken keine innerparteilichen Debatten dahinter, das ist eigentlich keine große Sache sondern nur ein weiterer Nachrichtenkanal.

Der sich aber „offizieller Alternativaccount zu @Piratenpartei“ nennt.

Man muss die Leute ja dafür interessieren. Aber ich beanspruche nicht die Deutungshoheit und will auch keinen Social-Media-Putsch machen. Ich will aber auch keinen ehrenamtlich arbeitenden Piraten vorschreiben, wie sie ihre Arbeit zu machen haben. Und statt nur zu meckern, zeige ich lieber, wie ich mir das vorstelle. Wenn sich die anderen davon etwas abgucken, freuen wir uns und wenn Leute zu uns wechseln natürlich auch.

Die Werkzeuge der Piraten
PiratenpadEs ist der kollektive Notizblock der Piratenpartei: Im Piratenpad können gemeinsam Protokolle geschrieben oder Pressemitteilungen entworfen werden. Der Vorteil: In Echtzeit können mehrere Personen ein Dokument online bearbeiten, es wird farblich hervorgehoben, wer was geändert hat – das lässt sich damit unterscheiden. Technische Grundlage ist die inzwischen zu Google gehörende Software EtherPad, die auch Unternehmen nutzen können.
MumbleEines der wichtigsten internen Kommunikationswerkzeuge ist Mumble – eine Mischung aus Chat und Telefonkonferenz. Sogar viele Vorstandssitzungen werden hier abgehalten. Gegenüber klassischen Telefonkonferenzen gibt es mehrere Vorteile: Das Programm lässt sich leicht auf dem Computer installieren und über den Chat kann parallel kommuniziert werden – so können beispielsweise Links verschickt werden. Wenn jemand spricht wird das Mundsymbol neben dem Nutzernamen rot, dadurch kann man die Stimmen besser auseinanderhalten, als bei normalen Telefonkonferenzen. Ähnliche Funktionen bieten auch Skype oder TeamSpeak, dass vor allem von Online-Computerspielern zur Verständigung genutzt wird. Eine Institution bei den Piraten ist vor allem der „Dicke Engel“ (inzwischen umbenannt in ErzEngel). Jeden zweiten Donnerstag um 19:30 Uhr versammeln sich zahlreiche Piraten in diesem Mumble-Raum und diskutieren teils mit Gästen aktuelle Themen.
Liquid FeedbackEin zentrales Element ist das Computerprogramm Liquid Feedback (LQFB), eine Art Abstimmungstool, mit dem ermittelt werden soll, wie die Mehrheit der Partei zu bestimmten Positionen steht. Die Besonderheit: Das Programm gibt den Parteimitgliedern die Möglichkeit, ihre Stimme an eine andere Person zu delegieren, der sie mehr Kompetenz in bestimmten Fragen zutrauen. Allerdings ist Liquid Feedback so revolutionär wie umstritten. Während vor allem der Berliner Landesverband LQFB intensiv nutzte, waren andere Teile der Partei und auch der Bundesvorsitzende Sebastian Nerz lange skeptisch. Wie intensiv das Programm genutzt wird und welche Bedeutung den Entscheidungen zukommt ist daher noch in der Diskussion.
Wikis  Wikis sind der Klassiker, die meisten Webseiten nutzen eine Wiki-Software. Sie lassen sich leicht erstellen, erweitern und vor allem auch von vielen Beteiligten bearbeiten. Das Piratenwiki ist damit die zentrale Informations- und Koordinationsplattform.     Auch manche Unternehmen setzen inzwischen Wikis ein – vor allem für die interne Kommunikation. Das bekannteste Projekt ist Wikipedia.
Blogs   Auch Weblogs werden intensiv genutzt. Viele Piraten betreiben eigene Blogs, auf denen sie Debatten anstoßen oder bestimmte Dinge kommentieren. Auch die Piratenfraktion Berlin hat nach dem ersten Einzug in ein Landesparlament ein Blog gestartet, um über ihre Arbeit zu informieren.
Twitter   Der Kurznachrichtendienst ist der vielleicht beliebteste Kanal der öffentlichen Auseinandersetzung, kaum ein Tag vergeht an dem nicht irgendeine Äußerung oder ein echter oder vermeintlicher Fehltritt zum #Irgendwasgate und #epicfail ausgerufen werden. 
Diaspora   Auch andere soziale Netzwerke werden natürlich intensiv genutzt. Jedoch ist Facebook beispielsweise bei manchem Piraten schon wieder out. Julia Schramm beispielsweise, Herausforderin von Sebastian Nerz um den Parteivorsitz, hat sich wieder abgemeldet: „Es ist wie ein widerlicher Kaugummi.“ Stattdessen nutzt sie das alternative Netzwerk Diaspora.

Was stört sie denn am offiziellen Twitterkanal der Partei?

Das sehen Sie doch, wenn Sie sich beide Kanäle ansehen. Ich werde die anderen Piraten jetzt nicht öffentlich kritisieren, aber die Unterschiede kann man klar sehen.

Sie sind Angeordneter in Berlin und leiten den Untersuchungsausschuss zum Flughafen-Desaster. Haben Sie nicht genug anderes zu tun, als noch einen Piratenkanal zu bespielen? Oder machen noch andere Parteimitglieder mit?

Da machen noch andere Piraten mit, aber die Namen werde ich Ihnen nicht sagen. Im Übrigen kann ich mir meinen Tag schon gut selbst einteilen.

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