WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Politiker im Aufsichtsrat Blackrock braucht Friedrich Merz nicht mehr

Seite 2/2

Blackrock hat in der Lobbyarbeit effektivere Mittel als Merz

Die eigentlichen Pläne von Blackrock, seine Münchner Dependance weiter zu verkleinern, und 54 deutsche Indexfonds nach Irland zu verlagern, hat aber auch Merz nicht verhindert und damit nicht unbedingt im Sinne der Anleger gehandelt. Denn erst der Druck von erbosten Kunden brachte die Amerikaner in diesem Jahr davon ab.

Irland bietet manchen Vorteil, Blackrock hat dort schon die meisten Fonds gelistet. Und die dortige Aufsicht ist kooperativ: So müssen die großen ETFs etwa in ihren von Wirtschaftsprüfern unterschriebenen Jahresberichten nicht mehr sämtliche Transaktionen in einem Fonds ausweisen. Sie können sich auf die zehn größten Käufe und Verkäufe innerhalb eines Jahres beschränken. Das ist ungewöhnlich zuvorkommend von der Aufsicht und manche Kunden empfinden das als zu intransparent gegenüber den in Luxemburg oder Deutschland üblichen Regeln.

Die fachlich anspruchsvolle Lobbyarbeit in Brüssel oder bei der der deutschen Aufsicht Bafin, wird von der Blackrock Inc übernommen. Um Schwarzbrot-Themen wie die „Stellungnahmen im Rahmen der Konsultation 12/2017“ zur „Ausgestaltung von Stresstests im Rahmen des Liquiditätsrisikomanagements“ kümmert sich federführend die „Global Public Policy Group“ von Blackrock aus London, auch wenn der deutsche Vorstand mit unterschreibt.

Blackrock hat in der Lobbyarbeit auch effektivere Mittel, um Ziele durchzusetzen, als die Arbeit von Merz. 2015 wurde von der EU ein Fünfjahresplan zur stärkeren Umsetzung der Kapitalmarktunion veröffentlicht. Auch BlackRock schaltete sich in die Diskussionen ein, vor allem die Aussicht, einen europaweiten Pensionsfonds zu schaffen, der bis zu 2,1 Billionen Euro verwalten könnte, elektrisierte den Vermögensverwaltungs-Riesen, der sich gleich für eine stärkere grenzüberschreitende Altersvorsorge stark machte.

Gute Kontakte in die Politik dürften allerdings eine Rolle gespielt haben, als Blackrock im September überraschend in die „Climate Finance Partnership“ eingebunden wurde. Auf der Climate Week in New York wurde bekannt, das in einen Klimafonds Regierungen und Stiftungen einzahlen sollen, der von Blackrock gemanagt werden soll. „Die Partnerschaft mit Blackrock als einem der führenden Vermögensverwalter weltweit sendet ein starkes Signal an institutionelle Investoren und die mittelbar dahinterstehenden privaten Kleininvestoren“, teilte das Bundesumweltministerium der WirtschaftsWoche mit. Für Deutschland bearbeitet das Thema Umweltstaatssekretär Jochen Falsbarth eingespannt. Das wird ihm nicht geschadet haben – wenn Merz den CDU-Parteivorsitz übernimmt, wird bei Blackrock eine Stelle frei.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen
    Die vielen Jobs des Friedrich Merz
    Flughafen Köln/BonnAls Aufsichtsratsvorsitzender verzichtete Merz beim Abgang des alten Chefs auf Schadensersatzforderungen – und machte sie später doch geltend. Zum Nachfolger bestellte er einen Manager mit politischer Kontaktarmut und wenig Erfahrung im deutschen Arbeits- und Baurecht. Note 4- Quelle: imago images
    BlackrockDer New Yorker Fondsriese ist Treuhänder, alles muss präzise gerechnet und untadelig ausgeführt sein. Durchsuchungen zu alten Cum-Ex-Fällen werfen Schatten auf das Unternehmen. Den Wegzug deutscher Fonds nach Irlandverhinderten erboste Kunden, nicht Merz. Note: 4 Quelle: dpa
    WestLBMitte 2010 übernimmt Anwalt Merz sein größtes, lukratives Mandat: Er soll einen Käufer für die ramponierte WestLB finden. Das Vorhaben scheitert, und Merz macht dabei keine gute Figur. Er sei „kein richtiger Anwalt, sondern Politiker“, sagt ein damals Beteiligter. Note: 5 Quelle: dapd
    Deutsche BörseAls Merz 2005 in den Aufsichtsrat einzieht, geht es dort hoch her. Investor TCI hat gerade den Vorsitzenden Rolf Breuer gestürzt. Merz’ politische Kontakte sind fortan hilfreich – und bleiben in den folgenden zehn Jahren sein wichtigster Beitrag. Note: 3 Quelle: obs
    Wepa2009 wird Merz Aufsichtsratschef der Westfälischen Papierfabrik, die damals stürmische Zeiten erlebt. Merz öffnete die Türen zu Banken und machte gute Figur im Abwehrkampfgegen einen russischen Investor. Die Gunst der Banken war aber bald dahin. Note: 2 Quelle: imago images

    Inhalt
    Artikel auf einer Seite lesen
    Zur Startseite
    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%