WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Polizist Rainer Wendt Deutschlands schillerndster Gewerkschaftschef

Seite 3/3

Steiler Aufstieg

Wendt ist ein Kind des Ruhrgebiets. Er wächst mit sieben Geschwistern unter schwierigen Verhältnissen in Duisburg auf. Der Vater verlässt die Familie und nimmt sich später das Leben, die Mutter bringt die Familie irgendwie durch. Nach Haupt- und Handelsschule bewirbt sich Wendt erfolgreich bei der Polizei, muss die schulterlangen Haare abschneiden und ist mit 19 Jahren Hauptwachtmeister. Er macht das Abitur nach, will plötzlich Lehrer werden, studiert Deutsch, Geschichte und Erziehungswissenschaft, bricht wieder ab und lässt sich an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung zum Diplom-Verwaltungswirt ausbilden. Bei der Duisburger Polizei wird er Dienstgruppenleiter von rund 20 Leuten. Dann beginnt seine Gewerkschaftskarriere. 1997: Landesvorsitzender in NRW, 2007: Bundesvorsitzender.

Kleine Gewerkschaften mit großer Macht

Seinen Kampf gegen die GdP um Macht und Mitglieder führt er beinhart. Der Organisationsgrad bei der Polizei liegt traditionell bei über 70 Prozent. Hier gibt es für Gewerkschaften also einiges zu holen – zumal viele Bundesländer geplante Stellenstreichungen auf Eis gelegt haben oder wie NRW sogar zusätzliche Polizisten einstellen. Wendt gibt zu, dass seine Truppe gezielt Mitglieder von der GdP abwirbt. Die DPolG hat derzeit das Sagen in den Personalräten in Bayern, Baden-Württemberg und Hamburg.

Wettkampf auch im "Tatort"

Mit GdP-Chef Oliver Malchow, einem bedächtigen Norddeutschen, versteht sich Wendt gut. Doch auf den unteren Ebenen gibt es „unglaublich viel böses Blut“, berichtet ein hoher GdP-Funktionär, der die Wendt-Truppe für eine „Billigheimer-Gewerkschaft“ hält, die mit Dumpingbeiträgen arbeite. Die DPolG kontert mit dem Vorwurf, in vielen Dienststellen verhinderten der GdP nahestehende Vorgesetzte die Karriere von Polizisten aus der DPolG.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Den gewerkschaftlichen Bruderkampf führt Wendt bis in den ARD-Tatort hinein. Wenn er den TV-Kollegen beim Ermitteln zuschaut, ärgert er sich „über jede Tasse mit GdP-Logo, die ins Bild kommt“. Ehefrau Anita, stellvertretende DPolG-Geschäftsführerin in Bayern, hat daher den Auftrag bekommen, TV-Produktionsfirmen mit Devotionalien der Wendt-Gewerkschaft auszustatten.

Wendts Ziel für die nächste Amtsperiode ist es, „in drei weiteren Bundesländern stärkste Polizeigewerkschaft zu werden“. Und wenn es mit der Wiederwahl wider Erwarten nicht klappt? Dann könnte er wieder auf Streife gehen. Seine Dienstwaffe lagert noch in der Duisburger Polizeiwache – und auch als Gewerkschaftsboss ist er regelmäßig zur Schießübung erschienen.

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%