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Porträt Peer Steinbrück Ein Sprachvirtuose: mal oben, mal unten

Peer Steinbrück soll die SPD wieder in die Regierung zurückführen. Aber bislang prägten eher Rückschläge den politischen Weg des Ex-Finanzministers. Doch mit viel Zähigkeit kämpfte er sich immer wieder nach vorn.

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Wortgewaltig: Peer Steinbrück. Quelle: dapd

Er ist schlagfertig wie kaum jemand in der politischen Zunft. Scharfzüngige und witzige Formulierungen kommen Peer Steinbrück mühelos über die Lippen. Etwa, als der SPD-Mann über die „Heulsusen“ in der SPD herzog. Oder der Schweiz im Steuerstreit mit der siebten Kavallerie von Fort Yuma drohte. Damit macht er sich zwar nicht bei allen in der Politik beliebt, aber unverwechselbar.

Sprachforscher sprechen vom unverwechselbaren „Steinbrück-Sound“. Mit einer Rhetorik der „kalkulierten Ungehobeltheit“ verschaffe sich der Sozialdemokrat bei seinen Auftritten kalkulierte Freiräume. Typisch sind auch seine kurzen und prägnanten Sätze, oft angereichert mit provozierenden Thesen. Um komplexe Zusammenhänge etwa bei Finanzfragen verständlich zu machen, greift Steinbrück gern zu einfachen Vergleichen.

Die Sprachvirtuosität ist neben seiner anerkannten Kompetenz in Finanzfragen wohl das größtes Plus des Vaters von drei erwachsenen Kindern. Daraus resultierten seine hohen Beliebtheitswerte, als er sich in den letzten drei Jahren als Hinterbänkler im Bundestag schon langsam auf den Ausstieg aus der Politik vorbereitete.

Doch diese Talente wurde dem mit einer Studienrätin verheirateten Politiker nach seinem überraschenden Comeback fast zum Verhängnis. Auch einer breiten Öffentlichkeit wurde jetzt bekannt: Banken, Investmenthäuser und Sparkassen standen regelrecht Schlange, um den Ex-Finanzminister als Redner zu gewinnen. Wegen des hohen Unterhaltungswerts waren fünfstellige Honorare die Regel.

Nachdem er Anfang Oktober in einer Art Sturzgeburt zum designierten Kanzlerkandidaten ausgerufen worden war, fielen Steinbrück diese Aktivitäten schnell schmerzhaft auf die Füße. Wochenlang kam er kaum aus der Defensive heraus. Auch mit der Veröffentlichung der Beträge war die Sache nicht beendet.


Auch ein Sozi muss mal gut verdienen

Auch einem „Sozi“ müsse es erlaubt sein, Geld zu verdienen, so verteidigte sich Steinbrück. Eine recht selbstbewusste Einstellung dazu hat er schon früh entwickelt. Gern erzählt Steinbrück die Anekdote, wie er Anfang der 80er Jahre als junger Referent in Bonn eine Rede für den damaligen Forschungsminister Hans Matthöfer geschrieben habe.

Demnach schlug er seinem Parteifreund vor, „Halbe-Halbe“ beim Honorar zu machen. Der habe allerdings davon nichts abgeben wollen.

Einen anderen Teil seiner Popularität verdankt Steinbrück sicher auch der Schonungslosigkeit, mit der er sich im Stil von Helmut Schmidt die eigene Partei zeitweise immer wieder vorknöpfte. In seinem Buch „Unter dem Strich“ zog er über die „Jakobiner“ in SPD-Hinterzimmern her, die nichts anderes gelernt hätten als Politik. Geradezu verächtlich sprach er von „Wortführern“ in der SPD, deren Einfluss in umgekehrtem Verhältnis zu ihrem persönlichen Wahlerfolg stehe.

Doch Kritiker rieten ihm, mit solchen Anklagen vorsichtig zu sein. Sie könnten auf ihn zurückfallen. Schließlich habe Steinbrück selbst gleich zweimal in Spitzenämtern krachend verloren. Verwiesen wurde darauf, dass er als Ministerpräsident mit seiner Niederlage bei der NRW-Landtagswahl 2005 nicht nur die CDU in die Regierung gebracht habe.

Er habe damit letztlich auch das vorzeitige Ende von Rot-Grün im Bund eingeleitet. Und auch an der „historischen“ SPD-Schlappe von 2009 sei Steinbrück als Mitglied der Führung - die Gerhard Schröders Agenda-Politik stets mitgetragen habe - durchaus beteiligt gewesen.

Kein Grund, selbstherrlich mit den Fingern auf andere zu zeigen, sei auch Steinbrücks eigene Karriere vom politischen Laufbahnbeamten bis an die Spitze, hielten ihm Gegner weiter entgegen. Auch sein großbürgerlicher Hintergrund oder der Leitantrang in der Bundeswehr war vielen in der SPD lange suspekt.


Sieben Jahre warten auf den ersten Sieg - beim Schach

Die SPD-Spitzenkandidatur ist eigentlich der erste richtige Sieg in einem Wahlamt, den Steinbrück bislang vorweisen kann. Und dieser Erfolg fiel ihm praktisch in den Schoß, weil nur er unbedingt wollte und seine beiden Mitbewerber Frank-Walter Steinmeier und Sigmar Gabriel von sich aus verzichteten. Doch auch in der Vergangenheit hat der jetzt 65-Jährige gezeigt, dass er sich von Rückschlägen nicht entmutigen lässt.

Schon früh hat Steinbrück dies gelernt. Als Sechsjähriger ging der Architektensohn aus Hamburg durch eine harte Schule, als er seine Liebe zum Schachspiel entdeckte. Doch seine dänische Großmutter ließ ihn aus bloßer Gefälligkeit nie einfach gewinnen. Bis zum ersten Sieg musste der Enkel sieben Jahre warten.

Im nächsten Herbst wartet auf Steinbrück eine nicht weniger schwere Aufgabe gegen eine Frau, die wie er in Hamburg geboren wurde. In der großen Koalition präsentierten sich Angela Merkel und Steinbrück meist als harmonisches Gespann. Gemeinsam versicherten sie 2008 auf einem der vielen Höhepunkte der Finanzkrise den Bürgern, sie brauchten sich um ihre Sparguthaben nicht sorgen. Viele erinnern sich an die Bilder.

Eine von vielen Bürgern insgeheim erhoffte Neuauflage dieser Konstellation wird es 2013 aber keinesfalls geben, sollte es für Rot-Grün nicht reichen. Mit seiner Ankündigung, auf keinen Fall noch einmal in ein Kabinett Merkel zu gehen, steht Steinbrück fest im Wort.

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