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Präsidenten-Affäre Wulff reiste mit mehreren Freunden

Exklusiv
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Die Teilnahme ist nicht Pflicht - sondern Vorteil, Privileg

Wer im Flieger mit dabei ist, kann Kontakte knüpfen; ihm öffnen sich Türen, die ohne prominente Begleitung verschlossen bleiben. Quelle: dapd

Zum Indien/China-Trip mit Geerkens und Tiemann hatte Wulff auch den Braunschweiger Rechtsanwalt Bernd Huck gebeten. Der ist zwar Spezialist für Arbeitsrecht, aber es ging wohl mehr um alte Erinnerungen. Denn die beiden sind schon öfter miteinander verreist: Huck ist „El Secretario General“, der Generalsekretär des sogenannten Andenpaktes. Jener Männerbund, den zwölf Jungunionisten 1979 spontan auf einer Reise durch Südamerika im Scherz und Whiskeydunst gegründet hatten. Auch Wulff stieß später zu dem Bündnis.

Nach Litauen nahm Wulff 2009 Claus Niemann als einzigen eigenen Gast mit. Der hatte eine Einladung des Präsidenten der Deutsch-Baltischen Handelskammer, deren Wirtschaftsprüfer er ist. Niemann gehört aber auch zu jener Steuerberaterkanzlei, die den Privatmann Wulff berät. „Zwischen beiden Sachverhalten besteht kein Zusammenhang“, teilt Wulffs Anwalt mit.

Alle Begleiter haben ihre Mitreise ebenso wie alle Mitglieder der Wirtschaftsdelegation selbst bezahlt, betonen unisono Staatskanzlei, Passagiere und Wulffs Rechtsbeistand. Doch dieser zutreffende Hinweis vernebelt, dass die Teilnahme nicht lästige Pflicht ist, sondern Privileg und Vorteil. Wer dabei ist, kann Kontakte knüpfen (sofern er sie für sein Geschäftsleben noch braucht), aber zumindest öffnen sich ihm Türen, die ohne prominente Begleitung verschlossen bleiben. Die staatliche Logistik ist bestens organisiert: vom flotten Marsch durch Sicherheitskontrollen bis zum Transport im Gastland und zur Auswahl ordentlicher Lokale. Kostendeckend sind die öffentlichen Tarife nicht. Und wer „auf Einladung des Ministerpräsidenten“ dabei war, kann nicht zuletzt bei Kunden oder Konkurrenten angeben, seine Bedeutung mehren.

Zur Vollständigkeit gehört: Auch andere Regierende nahmen gern Vertraute mit auf Reisen. So musste sich Außenminister Guido Westerwelle anfangs ähnlicher Vorwürfe erwehren. Erholt hat er sich davon nicht.

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