WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Präsidenten-Kür Raue Zeiten für die Koalition

Seite 2/2

Kein Interesse am Ende der Koalition

Angela Merkel musste sich der Mehrheit beugen und den DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck als Kandidaten für das Bundespräsidentenamt vorschlagen. Quelle: dpa

Die Union schlug etliche SPD-kompatible Kandidaten vor, nur um Gauck zu verhindern. So beispielsweise den Verfassungsgerichtspräsidenten Vosskuhle, den die Sozialdemokraten einst für das höchste Gericht vorgeschlagen hatten. Gauck hatte vorher Roten und Grünen gesagt, er kandidiere diesmal nur, wenn auch die Union ihn unterstütze. Als die FDP sich dann für Gauck aussprach, änderte dieser seine Meinung: Das Risiko würde er eingehen. Denn schon 2010 hatten etliche Liberale für ihn gestimmt, weshalb Wulff ja bis in den dritten Wahlgang musste. Als die Unionsspitzen dies erfuhren, wurden sie panisch. Denn damit war die Mehrheit für Gauck so gut wie sicher. Sie hatten jetzt nur noch die Wahl, auf den schon fahrenden Zug aufzuspringen.

Auch wenn sich Union und FDP am Sonntagabend mit dem Bruch ihres Bündnisses bedrohten: Dass es nicht dazu kam, zeichnet auch die Entwicklungen der nächsten Zeit vor. Denn beide Seiten können kein Interesse am Ende der Koalition haben. Die SPD würde nicht als Juniorpartner eine gescheiterte Kanzlerin Merkel retten, so dass nur Neuwahlen blieben. Und die müsste die dahinsiechende FDP noch mehr fürchten als die Schwarzen.

Das Belauern vor der Scheidung

Dennoch tritt das bürgerliche Bündnis nun in ein neues Zeitalter ein. Nach der angestrebten Liebesheirat und der Ernüchterung über den Beziehungsalltag folgt nun das Belauern vor der Scheidung. Die spannende Frage ist jetzt, ob sich die Partner noch einmal für die eine oder andere kleine Reform zusammenfinden, oder ob nun beide eher nebeneinander her leben. Schwieriger wird es jedenfalls. Zumal zumindest die FDP ja eigentlich den Plan hatte, sich selbst durch eine scharfe Konfrontation des bürgerlichen Lagers – also gemeinsam mit der Union – gegen Rot-Rot-Grün als unverzichtbar zu präsentieren. Wir gegen die! Oder etwas ausführlicher: Wie sähe das Land aus, wenn es nicht bürgerlich, sondern rot-grün regiert wird. Diese klare Frontstellung wird nun schwieriger. Denn zumindest in der Frage des Staatsoberhauptes war die Botschaft nun genau die gegenteilige: Nur mit der FDP gibt es Rot-Grün.

Eine Ampel freilich, das lehren die Experimente auf Landesebene in Bremen und Brandenburg, hat die dortige FDP jeweils mit dem Verlust aller Landtagsmandate bezahlt.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%