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Praxisgebühr Gebühr muss nicht weg, sondern rauf!

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Ingenieure hätten nicht so schnell aufgegeben

Streichpotenzial der Krankenkassen
Karten von Krankenversicherungen Quelle: AP
Ein Mund Quelle: Robert Kneschke - Fotolia.com
Bonusheft Quelle: dpa
Gymnastik Quelle: Robert Kneschke - Fotolia.com
Akupunktur Quelle: gms
Eine Impfdosis des Mittels Pandemrix gegen Schweinegrippe Quelle: dpa
Geschientes Bein Quelle: Peter Atkins - Fotolia.com

Es führt deshalb kein Weg daran vorbei, die Praxisgebühr für jeden einzelnen Arztbesuch neu zu erheben. Nur dann ist der Bürger in jedem Fall wieder vor die Entscheidung gestellt, ob er tatsächlich in ambulante Behandlung muss. Dann geht es nicht mehr nur auf Kosten der Gemeinschaft, sondern zumindest zu einem kleinen Teil auch auf eigene Rechnung. So könnte es gelingen, dass die notwendigen Arztbesuche bleiben, die Lappalien aber jeder allein auskuriert.

Wäre das unsozial? Wohl kaum, wie der Blick in andere Länder zeigt. In Frankreich ist schon seit 1945 der Besuch beim niedergelassenen Arzt gebührenpflichtig. 20 bis 30 Euro sind jeweils fällig, allerdings erstattet die staatliche Sozialversicherung später drei Viertel des Betrages. Schweden, bekannter Weise auch kein Hort des kalten Kapitalismus, verlangt für jeden Besuch in der Sprechstunde einen Betrag zwischen 15 und 25 Euro, je nach Region. Maximal kann die Belastung 100 Euro erreichen, danach gibt es eine Art Freikarte für weitere Behandlungen. Ein junger Schwede geht ganz selten zum Arzt, ein alter Schwede öfter, aber im Schnitt sind es nur 2,8 Besuche pro Jahr. Das Mittel der OECD-Länder liegt, ebenso wie Frankreich, zwischen sechs und sieben; die Deutschen dagegen sehen die Helfer in Weiß durchschnittlich 17 Mal im Jahr.

Angst vor dem Wähler

Diese enorme Differenz sollte doch eigentlich ausreichen, nach weiteren Wegen zu suchen, um den Drang in die Praxis einzudämmen. Selbstverständlich müsste es Härtefallregeln für Menschen mit chronischen Erkrankungen geben oder für Unfallopfer, die immer wieder zum Verbandswechsel antreten müssen. Aber so weit denkt die schwarz-gelbe Koalition gar nicht erst. Sie will an kräftigere  Anreize partout nicht ran – aus Angst vor dem Wähler. Schließlich hatte es auch rund um die Einführung der Praxisgebühr im Jahr 2004 heftige Proteste gegeben, damals gegen Ulla Schmidt (SPD) und das rot-grüne Bündnis.

In Arbeit
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Die erfinderischen deutschen Ingenieure hätten nicht so schnell aufgegeben wie die schwarz-gelbe Bundesregierung, die von angeblich marktwirtschaftlichen Parteien getragen wird. Ein schwäbischer Tüftler, der sich an einem selbstfahrenden Motorvehikel versucht, hätte nicht nach dem ersten Fehlschlag ambitionslos aufgegeben und wäre wieder aufs alte Fahrrad gestiegen. Er hätte seine Pläne verfeinert, die Mängel beseitigt und den innovativen Weg fortgesetzt. 

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