WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Priorisierung adé? In diesen Bundesländern soll AstraZeneca breiter eingesetzt werden

Quelle: dpa

Mehrere Bundesländer wollen den Impfstoff von AstraZeneca wesentlich breiter einsetzen als bisher. Dabei wollen einige sogar von der Priorisierung abweichen. Ein Überblick, welche Landesregierungen Änderungen vornehmen.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Nachdem Berlin und Nordrhein-Westfalen bereits vor Wochen die Impfpriorisierung für Personen im Alter von 60 und älter aufgehoben hatten, folgten nun Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Es gebe auch keine Priorisierung mehr bei unter 60-Jährigen, teilten die Gesundheitsministerien beider Länder mit. Allerdings verwies das Bundesgesundheitsministerium auf Anfrage darauf, dass es natürlich bei der in der Impfverordnung vorgesehenen Sondererlaubnis des Arztes bleiben müsse. Die Empfehlung der Ständige Impfkommission (Stiko), dass es nur über 60 eine generelle Impfempfehlung gebe, gelte weiter. Hintergrund sind Einzelfällen von Thrombosen nach Impfungen vor allem bei jüngeren Frauen.

Mecklenburg-Vorpommern gebe den Impfstoff von AstraZeneca ab sofort „für alle Altersklassen unabhängig von der Priorität“ frei, teilte Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) mit. Die Freigabe sei „ein Angebot, dass diejenigen, die keine oder wenige Vorbehalte gegen den Impfstoff haben, die Möglichkeit nutzen können, sich gegen das Corona-Virus auch impfen zu lassen“. Ziel sei es, dass kein Impfstoff liegenbleibe.

Sachsen hatte einen ähnlichen Weg mit Vorbehalten gegen AstraZeneca begründet. Wegen der hohen Mengen an erwarteten Biontech-Impfstoff gebe es Impfberechtigte, die lieber auf das Präparat des Mainzer Unternehmens warten wollten, obwohl sie bereits Anrecht auf eine AstraZeneca-Impfung hätten. Aus dem bayerischen Gesundheitsministerium hieß es dagegen, man habe sehr gute Erfahrungen mit speziellen Aktionen von Impfzentren gemacht, in denen an bestimmten Tagen die Impfung mit AstraZeneca für alle über 60 oder für Einzelfälle unter 60 freigegeben worden sei.

Die Gesundheitsministerien von Niedersachsen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen teilten auf Reuters-Anfrage mit, dass sie keine Änderungen planten. „In Niedersachsen gibt es noch zu viele aus den ersten beiden Prioritätsgruppen sowie Ü60-Jährige, die zu impfen sind“, sagte einer Sprecherin des niedersächsischen Ministeriums. „AstraZeneca wird in Nordrhein-Westfalen derzeit nur an Personen über 60 Jahren verimpft“, sagte ein Sprecher des Ministeriums in Düsseldorf. Ab Mai werde Nordrhein-Westfalen nur noch die Menge an Impfdosen von AstraZeneca erhalten, die für Zweitimpfungen für über 60-jährige benötige. Allerdings hatte NRW bereits die Impfung für alle Ü60 freigegeben gehabt.

Auch Baden-Württemberg verweist darauf, dass die Impfpriorisierung erst dann fallen soll, wenn man sehr viel Impfstoff zur Verfügung habe. Das habe auch der erste Landes-Impfgipfel vergangenen Freitag noch einmal festgehalten. Zugleich wies ein Sprecher in Stuttgart Berichte über große Skepsis gegenüber dem Vakzin zurück. Viele Impfzentren böten in der nächsten Zeit Impfaktionstage mit AstraZeneca an, bei denen die aktuell Impfberechtigten über 60 Jahren geimpft werden. „Durch diese Maßnahmen hat sich die Nachfrage nach AstraZeneca-Terminen deutlich erhöht, die Termine sind nun wieder gut gebucht“, sagte er zu Reuters.

Das interessiert WiWo-Leser heute besonders


 Was heute wichtig ist, lesen Sie hier


Das Bundesgesundheitsministerium reagierte ohnehin zurückhaltend auf die Ankündigung der Länder einer völligen Freigabe. „Es gibt eine Empfehlung der Stiko, auf deren Grundlage wir eine Impf-Verordnung formuliert haben“, sagte ein Sprecher des Ministeriums. „Diese Verordnung lässt zwar Spielraum, ist aber bindend“, betonte er. Allerdings verwies er auch darauf, dass bereits in der Verordnung stehe, dass der Impfstoff bei unter 60-Jährigen „nach ärztlicher Aufklärung und bei individueller Risikoakzeptanz durch den Patienten“ einsetzbar sei.

In Länderkreisen sorgte die Ankündigung Sachsens vom Dienstag für Kopfschütteln, weil sich faktisch gar nichts ändere. „Auch Ärzte in Sachsen müssen sich natürlich weiter an die Impf-Verordnung halten“, hieß es in Kreisen der Gesundheitsminister.

Mehr zum Thema: Die Antwort scheint für viele klar. Den mRNA-Vakzinen steht eine große Zukunft bevor. Doch was unterscheidet eigentlich die beiden Arten von Impfstoffen? Und was passiert dabei im Körper? Wie sich die Impfstoffe unterscheiden

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%