WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Private Verschuldung In Deutschland kein Massenphänomen

Trotz der hohen Zahl der Privatinsolvenzen ist die Verschuldung der Bundesbürger im internationalen Vergleich eher gering.

In diesem Jahr werden in Deutschland etwa 140.000 Privathaushalte Insolvenz anmelden, rund 10.000 mehr als 2009. Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern landet Deutschland damit auf Platz zwei. Nur in Großbritannien noch mehr Haushalte (157.000) Konkurs angemeldet. Bis 2007 war Deutschland sogar die Nummer eins in  Europa. Dass die Briten seither an den Deutschen vorbei gezogen sind, ist in erster Linie auf die schwere Wirtschaftskrise auf der Insel zurück zu führen, die durch ihre Abhängigkeit vom Finanzsektor und das Platzen der Immobilienblase hart getroffen wurde.

Eng begrenzter Personenkreis

In Frankreich meldeten im vergangenen Jahr rund 42.600 Bürger Privatinsolvenz an, europaweit die Franzosen damit auf Platz drei. Nachdem die Regierung in Paris 2004 Privatschuldnern die Möglichkeit eröffnete, sich im Rahmen eines Schuldenbereinigungsplans zu entschulden,  sind die Privatinsolvenzen kräftig in die Höhe geschossen. Vergleichsweise wenig Privatinsolvenzen gab es in Finnland (2800) und der Schweiz (5700).

Trotz der vergleichsweise hohen Zahl privater Insolvenzen ist die Verschuldung in Deutschland kein Massenphänomen, das die wirtschaftliche Entwicklung behindert. Vielmehr konzentrieren sich die Probleme mit Überschuldung auf einen eng begrenzten Personenkreis, für den das Rechtsinstitut der Privatinsolvenz eine attraktive Möglichkeit der Entschuldung darstellt.

Solide Deutsche

Gesamtwirtschaftlich dagegen beläuft sich die Verschuldung der privaten Haushalte zwischen Kiel und Konstanz auf lediglich rund 42 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Anders als in Großbritannien, den USA und Spanien hat sich die Verschuldungsquote der Deutschen in den vergangenen 10 Jahren zudem kaum verändert. Lediglich in den Boomjahren 2006 bis 2008 gab es leichte  Rückgänge.

In Spanien, Großbritannien, Frankreich und Italien sind die Verschuldungsquoten dagegen bis zuletzt im Trend gestiegen. Maßgeblich dafür war der Immobilienboom in diesen Ländern. Viele Bürger haben sich vor dem Hintergrund der historisch niedrigen Zinsen in den vergangenen Jahren für den Kauf von Häusern und Wohnungen verschuldet. Das hat die Immobilienpreise in die Höhe getrieben und weitere spekulative Käufe auf Kredit ausgelöst.

Amerikaner sparen

Ähnliches gilt für die USA. Allerdings hat dort nach dem Ausbruch der Finanzkrise 2007 eine Korrektur eingesetzt. Die Verschuldungsquote sank seither von 107 auf 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Offenbar haben die US-Bürger in den vergangenen drei Jahren einen zunehmenden Teil ihrer laufenden Einkommen gespart, um mit dem Geld ihre Kredite zu tilgen.

Darauf deuten auch die Revisionen der Sparquote der Amerikaner hin, die in der vergangenen Woche veröffentlicht wurden. Danach stieg die Sparquote von rund zwei Prozent im Jahr 2007 auf mehr als sieben Prozent der verfügbaren Einkommen im Frühjahr 2009. Im zweiten Quartal 2010 lag sie bei 6,2 Prozent – mehr als zwei Prozentpunkte höher als zuvor ausgewiesen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%