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Prostitution „Dem Freier ist egal, ob die Frau 19 oder 21 ist“

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"Das ist eine Lüge der Feministen-Lobby!"

Außerdem will die Politik gegen Flatrate-Partys vorgehen, bei denen die Freier einmal zahlen und dann mit beliebig vielen Frauen Sex haben dürfen. Gibt es das bei Ihnen?

Es ist grundsätzlich verboten, einer Frau die Preise vorzuschreiben, und das wollen wir auch gar nicht. Unsere Frauen arbeiten selbstständig. Sie mieten bei uns im Erotik-Hotel ein Zimmer, in dem sie theoretisch alles machen können: Häkeln, Stricken oder eben Besuch empfangen.

Mit „Erotik-Hotel“ meinen Sie das größte Laufhaus Europas. In Ihrem elfstöckigen Gebäude bieten sich im Schnitt um die 150 Frauen gleichzeitig an.

Ja, und als erstes müssen sie zu unserer Rezeption. Anmelden, Daten hinterlassen. Jede neue Frau melde ich bei der Behörde. Und wenn der Aufenthalt bei uns vorbei ist, rechnen wir ab. Jeder Tag kostet 160 Euro Miete.

Warum stellen Sie Ihre Frauen nicht ein und lassen sie sozialversichern, wie vom Prostitutionsgesetz vorgesehen?
Bei diesem Gesetz haben die Politiker vergessen, dass sich das älteste Gewerbe der Welt lieber selbst organisiert.

Mit dem Ergebnis, das von rund 400.000 Frauen und Männern, die sich in Deutschland prostituieren, nicht einmal 50 sozialversichert sind.

Es ist völlig unrealistisch, dass ich Arbeitgeber für meine Frauen sein soll und für sie das Geld abrechne, um sie zu versichern und ihnen am Ende des Monats einen Lohn zu zahlen.

Was verdienen die Frauen bei Ihnen?

Das ist sehr unterschiedlich, da kann ich keine genauen Zahlen nennen. Es kommt drauf an, wie gut sie verhandeln. Unser Modell funktioniert so: Viele Frauen sitzen auf einem Flur und die Männer laufen vorbei. Da haben die Prostituierten nur kurz Zeit, auf sich aufmerksam zu machen und ihre Dienstleistung anzubieten. Manche können sich gut verkaufen, andere leider nicht so.

Wie denn auch? Die Meisten sind doch zum ersten Mal in Deutschland und sprechen unsere Sprache nicht.

Genau deshalb bieten wir allen Frauen einen Deutsch-Intensivkurs an. Dreimal die Woche in kleinen Gruppen, den gibt es gratis. Außerdem bin ich selbst Vertriebler seitdem ich 15 bin, und kann den Damen einiges von meiner persönlichen Erfahrung mitgeben.

Einige Politiker fordern, staatliche Gütesiegel für Bordelle einzuführen. Was halten Sie davon?

Was soll ich damit? Ich bekomme hier ständig Anfragen von irgendwelchen externen Gutachtern, die mich prüfen wollen und dann Zehntausende Euros verlangen. Wozu? Es ist doch wie im Restaurant: Die Kunden sind zufrieden, wenn der Preis und die Leistung stimmen.

Herr Lobscheid, der Staat sorgt sich nicht um das Wohl der Freier, sondern der Frauen.

Das ist mal wieder typisch deutsch, die wollen eine Behörde schaffen. Und am Ende wird ewig über die Standards geredet. Wenn wir wirklich was verändern wollen, dann müssen wir einen Auflagenkatalog für Bordelle schaffen.

Sie meinen, dass Bordelle bestimmte Auflagen erfüllen sollten, um überhaupt eine Konzession zu erhalten?

Genau. Und dafür finde ich die Eckpunkte der Union sinnvoll. Entscheidend ist aber, dass alle mitmachen. Die Auflagen müssen im Gewerberecht stehen und für ganz Deutschland gelten. Doch wenn sich die Politik nur auf die Bordelle konzentriert, hackt sie auf den Falschen rum.

Wieso? Schließlich arbeiten bei Ihnen die meisten Frauen und es kommen die meisten Kunden.

Nein, der viel größere Bereich ist der Straßenstrich und die private Prostitution in Wohnungen. Darauf sollten sich die Behörden konzentrieren. Doch leider fehlt der Polizei einfach das Personal, um viele einzelne Wohnungen zu kontrollieren. Bei einem Bordell geht das bei einem Einsatz viel schneller  und die Zahl der überprüften Frauen ist die gleiche.

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