Prostitution „Dem Freier ist egal, ob die Frau 19 oder 21 ist“

Armin Lobscheid ist Geschäftsführer von Europas größtem Bordell, dem Pascha in Köln. Angst vor schärferen gesetzlichen Regeln bei der Prostitution hat er nicht. Doch er glaubt, dass die Politik die Falschen verurteilt.

Armin Lobscheid, 58, ist seit 2001 Geschäftsführer des Bordells „Pascha “ in Köln. Quelle: Privatfoto.

Die Politik will Flatrate-Sex und Gangbang-Partys in deutschen Bordellen verbieten: CDU und SPD haben sich geeinigt, das Prostitutionsgesetz grundlegend zu verändern. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) sagte am Donnerstag, dass Laufhäuser künftig eine Anmelde- und eine Erlaubnispflicht brauchen, außerdem würden "menschenunwürdige Geschäftsmodelle" verboten. Einzig bei der Frage, ob in Bordellen eine Altersgrenze von 21 Jahren eingeführt werden soll, sind sich die Parteien nicht einig. Armin Lobscheid ist Betreiber des „Pascha“ in Köln, dem größten Laufhaus Europas. Im Interview erklärt der 58-Jährige, warum sich das älteste Gewerbe lieber selbst organisiert und weshalb die Prostituierten in seinem Bordell immer jünger werden.

Herr Lobscheid, was ist eine Gangbang-Party?

Mehrere Männer zahlen dafür, gleichzeitig Sex mit einer Frau zu haben. Warum fragen Sie?

Einige Politiker wollen das jetzt verbieten. Machen Sie solche Partys in Ihrem Bordell?

Nein, das gibt es bei uns nicht. Wie denn auch? Wir können unseren Frauen nicht vorschreiben, wie sie arbeiten. Das entscheiden die freiwillig.

Eine selbsternannte „Adult-Entertainerin“ brüstet sich aber auf ihrer Internetseite damit, 2012 in Ihrem Club eine Gangbang-Party gefeiert zu haben. Außerdem hat sie bei Ihnen einen Wettbewerb ausgerichtet, bei dem eine Frau mehr als 200 Männer oral befriedigt. Und das soll freiwillig gewesen sein?

Diese Partys bieten wir nicht selbst an, wir stellen nur die Räumlichkeiten zur Verfügung. Da müssen Sie mit der Veranstalterin sprechen.

So einfach geben Sie die Verantwortung ab?

Fakt ist, dass der Zwang zu sexuellen Handlungen strafbar ist. Wenn das jemand macht, ist das ein Fall für den Staatsanwalt. Das betrifft mich als Betreiber eines seriösen Laufhauses aber gar nicht. Für uns sollte es andere Regeln geben, damit wir uns von schwarzen Schafen absetzen können.

Was schlagen Sie vor?

Wenn ich mir das Eckpunktepapier der Unionsfraktion zum Schutz vor Zwangsprostitution anschaue, stimme ich allen Forderungen uneingeschränkt zu. Viele der geforderten Maßnahmen setzen wir übrigens jetzt schon freiwillig um.

Welche denn zum Beispiel?

Bei uns haben die Behörden, also die Polizei, das Ausländeramt oder das Gesundheitsamt, jederzeit ungehinderten Zugang. Außerdem habe ich schon im Jahr 2001 eine Konzession für mein Bordell angemeldet, um ein Zeichen zu setzen. Doch dafür existiert bis heute keine Pflicht, die in ganz Deutschland gilt. Jedes Bundesland macht das anders, bei einigen reicht eine bloße Gewerbeanmeldung.

Aber in einem Punkt weichen Sie von den Vorschlägen der Politik ab: Jede fünfte Prostituierte im Pascha ist jünger als 21. Das könnte künftig verboten werden.

Das wäre mir recht.

Wirklich? Warum lassen Sie dann so viele junge Frauen bei sich arbeiten?

Weil ich auch so genügend Maßnahmen ergreife, die weit über die gesetzlichen Regeln hinausgehen. Damit Laufhäuser nur noch Frauen aufnehmen, die mindestens 21 sind, muss erst ein Gesetz her, das für jeden in Deutschland gilt. Erst dann mache auch ich mit.

Das fordert die Union

In den letzten Jahren wird der Altersdurchschnitt Ihrer Prostituierten immer jünger. Woran liegt das? Fordern die Freier immer jüngere Sexpartnerinnen?

Nein, das ist einem 50-Jährigen am Ende doch egal, ob die Frau 21 oder 19 ist. Der Grund ist ein politisches Problem: Aus EU-Ländern wie Rumänien oder Bulgarien kommen immer mehr Frauen nach Deutschland, um sich zu verkaufen. Die stammen teilweise aus Slums mit hoher Arbeitslosigkeit und ohne soziale Absicherung.

Und werden von einem Schlepper gelockt, der „Putzfrauen“ für Deutschland sucht.

Nein, das ist eine Lüge der Feministen-Lobby! Glauben Sie mir, die jungen Frauen braucht keiner anzulügen, die wissen sehr wohl, worauf sie sich in Deutschland einlassen. Aber wenn die einer damit lockt, dass sie endlich Arbeit bekommen und damit ihre Familie ernähren können – dann ist das Hemd näher als der Rock.

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