Proteste gegen G7-Gipfel Erst Karneval, dann doch Randale

Tausende demonstrieren in Garmisch-Partenkirchen gegen den G7-Gipfel in Elmau. Zunächst blieb es bei den Protestzügen friedlich – dann kam es doch zu Auseinandersetzungen.

Demonstranten in Garmisch-Partenkirchen. Quelle: dpa

Stundenlang stehen die G7-Gegner in brütender Mittagshitze. Immer wieder verzögert sich der Start ihres Demonstrationszugs. Mal sind zu lange Transparente schuld, mal ein falsch stehender Demo-Wagen. Den Gipfel-Gegnern gegenüber stehen mehrere tausend Polizisten. Als es dann endlich los geht, ist die Stimmung angespannt. Schon Kleinigkeiten wie Wasser verteilende Helfer sorgen für Unruhe bei der Polizei.

Die Veranstalter vom Aktionsbündnis „Stop G7 Elmau“ ermahnen die Demonstranten in Garmisch-Partenkirchen jedoch immer wieder, dass von ihnen keine Eskalation ausgehen solle. Fast geht die Strategie auf.

Nachdem der Demo-Zug am Samstag bereits etwa die Hälfte seines Weges friedlich hinter sich gebracht hat, kippt die Stimmung am Anfang des Aufmarsches. Nach Polizeiangaben werden Beamte mit einer benzingefüllten Flasche, Feuerlöschern und einer Fahnenstange angegriffen. Die Beamten setzen Pfefferspray ein. Ein Polizist wird am Auge verletzt. Einzelne Demonstranten versuchen, eine Absperrung zu durchbrechen, werden von der Polizei jedoch daran gehindert.

Den nach Angaben der Behörden stehen den etwa 3600 Demonstranten einige tausend Polizisten gegenüber. „Es waren ja viel mehr Teilnehmer erwartet worden - bis zu 10 000“, erklärt Polizeisprecher Ulrich Pöpsel den Großeinsatz. „Man konnte es nicht einschätzen.“ Die Veranstalter sprechen von 4500 bis 5000 Demonstranten.

Die größten Baustellen der G7

Dabei war es lange friedlich geblieben. Schon zur Auftaktkundgebung am Bahnhof kommen etwa 2500 Menschen. Darunter Clowns mit roten und grünen Perücken und Faschingsschminke. Musik, Sonnencreme, Flipflops, Wasser und Eis prägen das Bild. Die Brasilianerin Elisa ist dabei, weil sie „zeigen will, dass wir da sind, dass wir nicht einverstanden sind“. Die 30-Jährige sagt: „Was die großen Länder entscheiden, betrifft uns alle, auch die armen Menschen.“ Elisa lebt seit fünf Jahren in München.
Die 30-jährige Vanessa hält nichts vom Treffen der großen Politik. „Was da beim Gipfel entschieden wird, entspricht nicht der Welt, die ich mir wünsche“, sagte die Demonstrantin. Ihre Freunde hätten ihr abgeraten, nach Garmisch zu fahren, weil so viel Polizisten hier seien und sie eine Eskalation fürchteten. „Doch Demonstrieren ist ein Menschenrecht und das lasse ich mir nicht entgehen.“

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