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Qualität-Standards für Kitas 500 Millionen Euro für Sprachförderung

Familienminister von Bund und Ländern wollen eine gemeinsame Arbeitsgruppe bilden, um bundesweit Qualität-Standards für Kitas zu etablieren. 500 Millionen Euro soll für die Sprachförderung eingeplant werden.

Warum Sprachen lernen so schwer ist
Sprache liegt in den menschlichen Genen. Als Baby lernt man seine Muttersprache im direkten Umfeld, vor allem durch die Eltern, deren Sprache instinktiv imitiert wird. Dass dies eine menschliche Spezialität ist, zeigt die Beobachtung: Während Babys die Sprache ihres Umfelds übernehmen, lernen Hunde oder Katzen diese nicht. Es bedarf also einer biologischen Grundlage. Die Sprache, die man als Kind zuerst lernt, hat einen Einfluss auf das Lernen weiterer Sprachen. Das Gehirn versucht bei jeder weiteren, bekannte Vokabeln und Grammatik anzuwenden. Aus diesem Grund ist es oft einfacher, eine Sprache der gleichen Sprachfamilie zu lernen. Quelle: dpa
Beim Lernen von Fremdsprachen sind Erwachsene Kindern gegenüber deutlich im Vorteil. Dies hat sowohl biologische als auch geistige Ursachen. Im Laufe des Alterungsprozesses nimmt die Formbarkeit des Gehirns nach, Nervenzellen und Synapsen werden langsamer produziert. Zudem unterscheidet sich der Prozess der Problemlösung bei Erwachsenen und Kindern: statt intuitiv an das Lernen heranzugehen, nutzen Erwachsene oft feste Strukturen. Quelle: dpa
Sprachforscher sind sich einig, dass Wiederholung ein Schlüssel zum Lernen von Fremdsprachen ist. Wörter und Phrasen sollten regelmäßig geübt werden, erst in kurzen, später in größeren Zeitabständen. Eine bewährte Methode ist die Nutzung von Vokabelkarten. Diese können sich in einzelne Zeitabstände eingeordnet werden. Hat man auch nach Wochen die Vokabel noch im Gedächtnis, kann die Karte ein Fach weiter eingeordnet werden. Quelle: dpa
Schlaf trägt dazu bei, die Erfahrungen des Tages in eine für das Gehirn brauchbare Struktur zu bringen, wie eine Studie der Universität Berkeley ergeben hat. Selbst Nickerchen unterstützen das Gehirn dabei, Gelerntes ins das Langzeitgedächtnis zu bringen. Ist es dort einmal angekommen, lässt sich die Erinnerung durch wiederholtes Lernen verstärken. Quelle: obs
In Sprachkursen orientiert sich der Lernplan üblicherweise an der Sprache selbst. Eine Studie der Universität Cambridge hat eine Gruppe von Schülern untersucht, die Französisch lernen. Das Ergebnis: Die Studenten waren deutlich motivierter, wenn sie statt der Sprache selbst ein beliebiges anderes Fachgebiet in Französisch behandelten. Wer die Grundlagen einmal verinnerlicht hat, kann sich mit Literatur aus dem eigenen Interessensgebiet beschäftigen oder Podcasts hören, um schneller zu lernen. Quelle: dpa
Um den gewünschten Lernerfolg zu erzielen ist es hilfreich, große Aufgaben in kleinere Etappen aufzuteilen. Das menschliche Gehirn hat eine begrenzte Aufnahmekapazität, in der Nacht wird Gelerntes verarbeitet. Mit täglichen kleinen Lerneinheiten erhöht sich die Erfolgsquote. Quelle: dpa
Das menschliche Gehirn lechzt förmlich nach neuen Informationen – zu viele neue Wörter und Phrasen können es aber überfordern. Laut dem University College London macht es die Mischung. Wer neue Vokabeln lernen möchte, sollte diese zusammen mit bereits bekannten Vokabeln mischen. Dies lässt sie herausstechen und hilft dem Gehirn dabei, die neuen Informationen zu speichern. Quelle: dpa

Die Familienminister von Bund und Ländern wollen erstmals bundesweite Qualitäts-Standards für Kitas etablieren. Das ist das Ergebnis einer Bund-Länder-Gesprächsrunde am Donnerstag in Berlin. Die Minister vereinbarten, eine gemeinsame Arbeitsgruppe zu bilden, die bis 2016 einen ersten Bericht vorlegen soll. „Das ist ein weiter Weg, das ist auch ein milliardenschweres Projekt“, betonte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD).
Die Unterschiede sind derzeit noch sehr groß. Beispielsweise kümmert sich eine Kita-Mitarbeiterin in den westdeutschen Bundesländern im Durchschnitt um 3,4 Kinder im Alter von unter drei Jahren. In den östlichen Ländern trägt dagegen eine Erzieherin statistisch die Verantwortung für 5,8 Kinder.


Einheitliche Standards seien aber die Voraussetzung dafür, dass der Bund mehr Geld für frühkindliche Bildung bereitstellt, sagte Schwesig. Auf die Frage, ob sie in Kauf nehmen würde, durch zusätzliche Ausgaben im Kita-Bereich das Ziel der Bundesregierung, neue Schulden zu vermeiden, in Frage zu stellen, wies die Ministerin auf die Folgekosten von Mängeln in der frühkindlichen Bildung hin. Schwesig sagte: „Wenn wir im Kita-Bereich investieren, dann können wir uns viele Kosten nach hintenheraus sparen“.
Laut Schwesig sollen die Länder für die Sprachförderung in den Kitas bis 2017 insgesamt 500 Millionen Euro erhalten. Sprachförderung sei nicht nur für Kinder aus Migrantenfamilien wichtig, sagte die rheinland-pfälzische Familienministerin Irene Alt (Grüne).

In Arbeit
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Seit August 2013 gibt es einen Rechtsanspruch für die Betreuung und Förderung von Kindern ab der Vollendung des ersten Lebensjahres. Die Zahl der Kinder unter drei Jahren, die außerhalb der Familie betreut werden, ist seit 2006 um 131 Prozent auf 660 750 Kinder gestiegen.
Zu den Bereichen, in denen die Familienminister langfristig gemeinsame Standards vereinbaren wollen, gehören unter anderem eine ausgewogene Ernährung, ein guter Fachkraft-Kind-Schlüssel sowie mehr Fortbildungsmöglichkeiten für Erzieherinnen. Die Teilnehmer des Treffens betonten, dass es nicht darum gehe, sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu einigen und alle über einen Kamm zu scheren. Beispielsweise müsse die Zahl der Erzieherinnen in Kindertagesstätten, die in sozialen Brennpunkten oder in Gebieten, wo mehr als die Hälfte der Kinder aus Migrantenfamilien stammen, höher sein, als in anderen Vierteln oder im ländlichen Raum. Das Gleiche gelte für Einrichtungen, in denen auch behinderte Kinder aufgenommen würden.

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