Ralph Brinkhaus (CDU) „Ein Industriemeister weiß oft mehr als ein Bachelor“

CDU-Politiker Ralph Brinkhaus Quelle: Tobias Koch

Was haben junge Wähler von einer Großen Koalition zu erwarten? Der Bundestagsabgeordnete Ralph Brinkhaus erzählt im Interview, was für sichere Renten nötig ist und warum die Berufsausbildung ein neues Image braucht.

Herr Brinkhaus, der Koalitionsvertrag verspricht ein stabiles Rentenniveau bis 2025. Was bedeutet das denn für jüngere Menschen? Bekommen die in den Jahren danach die Quittung?
Wir hätten schon vor zehn Jahren planen sollen, wie es danach weitergeht. Wir brauchen einen gerechten Ausgleich zwischen der jüngeren und der älteren Generation.

Was ist mit denen, die ihr Berufsleben noch vor sich haben? Ist ihre Rente sicher?
Das hängt davon ab, was die nächste Generation zahlen kann, also wie es ihr wirtschaftlich geht, und zweitens davon, was sie zahlen will. Wenn wir denen jetzt sagen, ihr müsst einen erheblichen Teil eures Geldes abgeben, um die Rente der Älteren zu finanzieren, sagen die “machen wir nicht”. Wir dürfen Generationen nicht gegeneinander ausspielen, aber auch die jüngere Generation nicht überfordern.

Wie soll das funktionieren, wenn es tendenziell viel mehr ältere als jüngere Menschen in Deutschland gibt?
Wir müssen über eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit nachdenken und darüber, wie wir eine höhere Erwerbsbeteiligung hinbekommen. Wir müssen aber vor allem dafür sorgen, dass in 20 Jahren die Wirtschaft noch brummt, damit genug Geld in die Rentenkassen strömt.

Junge Menschen wollen Planungssicherheit. Sie suchen einen sicheren Job, um Rücklagen zu bilden. Dennoch sollen Befristungen künftig nach wie vor zulässig sein.
Der Koalitionsvertrag sieht aus gutem Grund Regelungen vor, um die Anzahl befristeter Verträge zu minimieren. Doch ganz abschaffen wollen wir sie nicht. Arbeitnehmer haben hohe Schutzrechte. Deswegen können wir den Arbeitgebern nicht jede Flexibilität nehmen. Das wäre nicht ausgeglichen. Ich sehe das so: Die Möglichkeit, Personen befristet anzustellen, schafft auch Stellen. Schaffen wir diese Möglichkeit ab, werden einige Menschen vielleicht gar nicht eingestellt.

Was sollen junge Menschen also tun, um sich abzusichern?
Alles, außer abwarten! Je früher sie Eigentum bilden, desto besser. Dabei ist es erst einmal nicht entscheidend, ob es sich um eine Immobilie, um Aktien oder um Sparpläne handelt. Viele junge Leute sagen “ich kümmere mich später darum”. Aber dann fehlen schnell 15 bis 20 Jahre für die Vorsorge. Junge Menschen müssen jetzt anfangen, ganz egal wie hoch die Zinsen sind, einen Kapitalstock aufzubauen. Denn wer mit dem Sparen wartet, bis die Zinsen steigen, der hat dann keinen Kapitalstock, auf den er Zinsgewinne bekommen kann.

Nun will die Große Koalition aber die Abgeltungsteuer abschaffen. Bisher wurden Zinseinkünfte, die über 800 Euro hinausgingen, pauschal mit 25 Prozent besteuert. Künftig soll sich die Besteuerung nach dem Einkommen richten. Ist das nicht ein falsches Signal an Sparer?
Ja, das ist es. Ich bin nicht glücklich über die Abschaffung der Abgeltungsteuer. Rechnet man die Inflation zur Zinsentwicklung hinzu, kann es sogar sein, dass Sparer ein schlechtes Geschäft machen. Aber die Kritiker der Steuer waren leider in beiden Parteien in der Mehrheit. Das gehört auch zur Politik.

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