Raubkunst aus jüdischem Besitz Gurlitt kündigt Rückgabe einiger Bilder an

Vor mehr als zwei Jahren wurde in der Wohnung von Cornelius Gurlitt ein riesiger Kunstschatz entdeckt. Viele Werke sollen NS-Raubkunst sein. Nun will er die Werke aus jüdischem Besitz zurückzugeben.

Als erstes Werk soll nach Angaben der Medien das Porträt „Sitzende Frau“ von Henri Matisse übergeben werden. Quelle: dpa

Nach langem Zögern will der Kunsthändlersohn Cornelius Gurlitt Raubkunstwerke aus jüdischem Besitz zurückgeben. Gurlitt wolle alle Exponate, die aus „jüdischem Besitz gestohlen oder geraubt wurden, an die jeweiligen Besitzer oder deren Nachfahren herausgeben“, kündigte Rechtsanwalt Christoph Edel in der „Süddeutschen Zeitung“ (Donnerstag), dem Norddeutschen Rundfunk und dem Westdeutschen Rundfunk an.

„Sollten Werke unter begründetem Raubkunstverdacht stehen, dann gebt diese bitte an die jüdischen Eigentümer zurück“, laute Gurlitts Auftrag an Edel, berichtete sein Sprecher Stephan Holzinger am Abend in einer Pressemitteilung. Edel betonte jedoch, dass „nur wenige Prozent der Sammlung Cornelius Gurlitt unserer Rechtsauffassung nach unter Raubkunstverdacht stehen“.

Als erstes Werk soll nach Angaben der Medien das Porträt „Sitzende Frau“ von Henri Matisse übergeben werden. Die Herausgabe solle in Kürze mit den Nachfahren des Pariser Kunstsammlers Paul Rosenberg vereinbart werden. Das von den Nazis geraubte Werk gehörte zeitweise zur Kunstsammlung Hermann Görings und war auf Umwegen in den Besitz der Familie Gurlitt gelangt. Nach Angaben Edels ist in den nächsten Wochen mit der Herausgabe weiterer Exponate zu rechnen.

Diese Bilder waren jahrelang verschollen
Diese Bilder waren Teil der Kunstsammlung (beginnend links oben): "Paar" von Hans Christoph, "Zwei Reiter am Strand" von Max Liebermann, "Mann und Frau am Fenster" von Wilhelm Lachnit und Antonio Canaletto: "Sa. Giustina in Prà della Vale" in Padua, eine Druckgrafik von 1751/1800. Quelle: dpa
Außerdem wurden die folgenden vier Bilder veröffentlicht: "Männliches Bildnis", eine undatierte Druckgrafik von Ludwig Godenschweg, das Aquarell "Mönch" von Christoph Voll sowie Paar in Landschaft von Conrad Felixmueller und Fritz Maskos "Sinnende Frau". Quelle: dpa
Nach dem spektakulären Fund in einer Münchner Wohnung hat die Staatsanwaltschaft Augsburg auf einer Pressekonferenz erste Bilder präsentiert. Bei einer Durchsuchung in der Münchner Wohnung von Cornelius Gurlitt waren 2012 rund 1500 Kunstwerke gefunden worden. Der Fall wurde erst jetzt publik. Quelle: dpa
In Gurlitts Wohnung wurde etwas dieses Kunstwerk des französischen Malers Marc Chagall gefunden. Das Bild mit dem Titel „Allegorische Szene“ war bisher unbekannt. Quelle: dpa
Ein weiteres Kunstwerk auf dem Speicher: das Bild „Musizierendes Paar“ des deutschen Malers Carl Spitzweg. Es ist eine Vorzeichnung zu einem späteren Bild. Quelle: dpa
Auch das Werk „Pferde in Landschaft“ des deutschen Künstlers Franz Marc war unter dem Kunstschatz. Einige Gemälde sollen von Familien stammen, die von den Nazis enteignet wurden. Genaue Angaben gibt es dazu aber noch nicht. Quelle: dpa
Unter den Werken findet sich auch ein Selbstporträt von Otto Dix. Die Kunst des deutschen Malers wurde von den Nationalsozialisten als „entartet“ gebrandmarkt. Quelle: dpa
Die Bilder wurden teils mit, teils ohne Rahmen in der Wohnung von Gurlitt gefunden. Die Werke sollen alle fachgerecht gelagert gewesen sein – auch das Gemälde „Zwei Reiter am Strande“ von Max Liebermann. Quelle: REUTERS
Das Gemälde „Sitzende Frau“ wurde vom französischen Künstler Henri Matisse gemalt. Das Bild wurde laut „Focus“ 1942 von den Nazis beschlagnahmt. Der Kunstfund in München stößt nicht nur in Deutschland auf Interesse, sondern auch im Ausland. So zeigt sich der Konservator am Stedelijk Museum für moderne Kunst in Amsterdam, Bart Rutten, von dem Matisse-Gemälde begeistert. „Das ist phänomenal, das Stedelijk würde das gerne haben.“ Quelle: dpa
Die Niederländer sind nicht die einzigen, bei denen die Bilder Begehrlichkeiten wecken. Die Stadt Mannheim etwa prüft nun, ob das „Melancholische Mädchen“, ein bisher unbekanntes Bild von Ernst Ludwig Kirchner, zurückgefordert werden kann. Das Bild wurde 1937 von den Nazis beschlagnahmt. Quelle: REUTERS
Auch ein Gemälde des italienischen Malers Antonio Canaletto gehört zu den Funden. Die Herkunft des Werks ist nicht geklärt. Insgesamt wurden rund 1500 Kunstwerke in Gurlitts Wohnung gefunden. Was mit ihnen geschieht, ist offen. Quelle: REUTERS

Bereits Ende Januar hatte Gurlitt eine solche Rückgabe in Erwägung gezogen. „Er ist gewillt, sich die Raubkunst-Klagen genau anzuschauen und faire und gerechte Lösungen auszuhandeln“, sagte sein bisheriger Anwalt Hannes Hartung damals der Nachrichtenagentur dpa. Hartung sei „mit sofortiger Wirkung“ von sämtlichen Aufgaben des Mandats entbunden worden, erklärte Holzinger am Abend ohne Angabe von Gründen.

Anfang 2012 hatten Steuerfahnder im Zuge von Ermittlungen in der Münchner Wohnung Gurlitts rund 1280 Kunstwerke entdeckt und beschlagnahmt. Rund 500 der zum Teil sehr wertvollen Objekte stehen im Verdacht, Nazi-Raubkunst zu sein. Der Schwabinger Kunstfund kam erst im November 2013 an die Öffentlichkeit und sorgte international für großes Aufsehen.

Auch in Salzburg hatte Gurlitt wertvolle Kunstwerke gelagert. Diese Sammlung sei mit 238 Kunstgegenständen weit größer als bisher angenommen, teilte Gurlitt-Sprecher Holzinger mit und bestätigte damit Angaben der drei Medien. Die bisher unbekannten Kunstwerke seien in einem „zuvor nicht zugänglichen Teil“ des alten Gurlitt-Hauses entdeckt worden. Unter ihnen sind Ölgemälde und Aquarelle etwa von Auguste Renoir, Max Liebermann und Claude Monet. Der mit Abstand größte Teil bestehe aus Zeichnungen etwa von Pablo Picasso.

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Vor drei Wochen hatte das Amtsgericht München die Betreuung Gurlitts angeordnet. Sie umfasst im wesentlichen die Vertretung gegenüber Behörden und in Strafsachen sowie die Vermögenssorge. Die Betreuung gilt zunächst bis Ende des Jahres und erfolgt mit Einverständnis des 81-Jährigen.

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