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Reaktionen auf Hanau Merkel zur Gewalttat: „Dieses Gift existiert in unserer Gesellschaft“

Kanzlerin Angela Merkel hat eine Erklärung „zu den Morden von Hanau“ abgegeben. Im In- und Ausland zeigen Politiker ihre Anteilnahme, darunter auch Frankreichs Präsident Macron.

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Bei den Anschlägen kamen elf Menschen ums Leben. Quelle: Reuters

Nach den Gewalttaten in Hanau, bei denen insgesamt elf Menschen ums Leben kamen, ist das Entsetzen groß. Die Bundesregierung reagierte bestürzt. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte ihre Reise zu einer Veranstaltung in Halle ab. „Die Gedanken sind heute Morgen bei den Menschen in #Hanau, in deren Mitte ein entsetzliches Verbrechen begangen wurde“, schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert am Donnerstagmorgen auf Twitter. „Tiefe Anteilnahme gilt den betroffenen Familien, die um ihre Toten trauern“, fügte er hinzu. Seibert äußerte die Hoffnung, dass die Verletzten bald wieder gesund werden.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier brachte sein Entsetzen über die „terroristische Gewalttat in Hanau“ zum Ausdruck. Der Bundespräsident erklärte am Donnerstag in Berlin: „Meine tiefe Trauer und Anteilnahme gelten den Opfern und ihren Angehörigen. Den Verletzten wünsche ich baldige Genesung. Ich stehe an der Seite aller Menschen, die durch rassistischen Hass bedroht werden. Sie sind nicht allein.“ Steinmeier zeigte sich aber „überzeugt: Die große Mehrheit der Menschen in Deutschland verurteilt diese Tat und jede Form von Rassismus, Hass und Gewalt. Wir werden nicht nachlassen, für das friedliche Miteinander in unserem Land einzustehen.“

Auch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte wegen des Gewaltverbrechens einen Termin ab. Ein Sprecher seines Ministeriums sagte, der Minister werde bei einem Treffen in Berlin, bei dem es um die Digitalisierung in der Verwaltung gehe, von einem Staatssekretär vertreten.

Außenminister Heiko Maas drückte den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus. „Die schrecklichen Ereignisse in #Hanau schmerzen uns alle“, twittert der SPD-Politiker. „Nach dieser grausamen Nacht sind unsere Gedanken bei den Toten, ihren Familien und Angehörigen. Wir hoffen mit den Verletzten, dass sie bald wieder gesund werden.“

Der SPD-Bundestagsabgeordnete und Staatsminister für Europa, Michael Roth, warf der AfD auf Twitter vor, „der politische Arm des Rechtsterrorismus“ zu sein. Dabei attackierte er den Landessprecher der AfD Thüringen, Björn Höcke: „Das Milieu von Taten wie in Hanau wird ideologisch genährt von Faschisten wie Höcke. Demokratieverachtung, Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus & Islamfeindlichkeit fallen auf fruchtbaren Boden.“

Linken-Chefin Katja Kipping sprach „von rassistischem Terror“. Dies führe erneut vor Augen, wie schnell aus Worten Taten werden könnten, sagt sie dem Nachrichtenportal t-online.de: „Solche Taten werden angefeuert von rechter Hetze, die von 'wohltemperierter Grausamkeit' (Höcke) und 'Remigration' redet und Menschen ihre Würde abspricht.“

Bundesfinanzminister Olaf Scholz drückte den Opfern und Angehörigen sein Mitgefühl aus und forderte ein konsequentes Vorgehen gegen rechten Terror. „Zum dritten Mal innerhalb kurzer Zeit sind nun Bürger von Rechtsterroristen ermordet worden“, twittert der SPD-Politiker. „Wir dürfen nicht zur Tagesordnung übergehen.“

Auch im Ausland reagieren Politiker betroffen auf die Gewalttat. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron äußerte „große Trauer“ über die Tat von Hanau. Er sei in Gedanken bei den Opfern und den trauernden Familien, twitterte der Präsident und ergänzte: „Ich stehe an der Seite von Kanzlerin Merkel in diesem Kampf für unsere Werte und den Schutz unserer Demokratien.“

EU-Parlamentspräsident David Sassoli äußerte sich ebenfalls bestürzt über die Gewalttat. Er sei schockiert und tieftraurig, erklärte Sassoli am Donnerstagmorgen auf Twitter. „Unsere Gedanken sind bei den Opfern, ihren Familien und Freunden. Wir stehen zusammen gegen jede Art von Hass und Gewalt.“

Landtag sagt Sitzung ab

Der hessische Landtag sagte wegen des Gewaltverbrechens seine Sitzung am Donnerstag ab. „Wir gedenken der Opfer der schrecklichen und unfassbaren Gewalttat in Hanau und sind tief betroffen“, sagte Landtagspräsident Boris Rhein (CDU). „Heute ist nicht der Tag für politische Debatten, deswegen setzen wir die Sitzung des hessischen Landtages nicht fort.“ Im Parlament gab es lediglich eine Gedenkminute für die Opfer und deren Angehörigen und eine kurze Erklärung von Innenminister Beuth. An den öffentlichen Gebäuden im Land wurde Trauerbeflaggung angeordnet.

Der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) zeigte sich in einer Sondersendung von „Bild live“ erschüttert über die Gewalttaten. „Das war ein furchtbarer Abend, der wird uns sicherlich noch lange, lange beschäftigen und in trauriger Erinnerung bleiben.“ Zudem teilte er mit, dass eine Schule sowie zwei Betreuungseinrichtungen für Kinder am Donnerstag nicht geöffnet seien. „Aufgrund der noch gesperrten Zufahrten und laufenden Ermittlungen bleiben die Heinrich-Heine-Schule und die Kinderburg und Kinderhaus West geschlossen“, schrieb Kaminsky.

Kaminsky habe auch zu einer Mahnwache für die Opfer am Donnerstagabend aufgerufen, sagte eine Sprecherin der Stadt Hanau. Die Gedenkveranstaltung soll am Abend um 18 Uhr auf dem Marktplatz beginnen. Gleichzeitig kündigte der Deutsche Gewerkschaftsbund anlässlich der mutmaßlich rassistisch motivierten Gewalttat eine Kundgebung zur gleichen Zeit an der Frankfurter Paulskirche an.

Die Hanauer Bundestagsabgeordnete Katja Leikert (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Ich bin erschüttert darüber, was passiert ist.“ Auf Twitter schrieb sie: „In dieser fürchterlichen Nacht in Hanau wünsche ich den Angehörigen der Getöteten viel Kraft und herzliches Beileid.“ Und: „Den Verletzten eine hoffentlich schnelle Genesung. Es ist ein echtes Horrorszenario für uns alle. Danke an alle Einsatzkräfte!!“

Zum Start des Karnevals in Köln wurde mit einer Gedenkminute der Opfer gedacht werden. Der Kölner Karnevalspräsident Christoph Kuckelkorn sagte: „Im Leben und vor allen Dingen im Karneval sind die Momente der überschäumenden Freude und des Feierns und die der Trauer und die stillen Momente immer nah beieinander. Heute, in den Stunden, überwiegt bei uns allen, glaube ich, die Fassungslosigkeit.“

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