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Regulierung Sieben Dinge, die wir noch regeln müssen

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Einwandern in den Adelsstand

Stehen ums im nächsten Jahr auch Regelungen zur Lärmpegeln bevor? Quelle: Illustration: Thomas Fuchs

Akustische Erbse

Als Fortschrittsfreund steht der Liberale dem Lärm traditionell aufgeschlossen gegenüber, bedeutet Stille für ihn doch Stillstand, Lärm dagegen Lebendigkeit und Zukunftsoptimismus.

Was, bitte schön, wäre aus der Menschheit geworden ohne zischende Dampfmaschinen, röhrende Automotoren und dröhnende Düsentriebwerke? Allein, was für den Fortschrittsfreund wie Musik in den Ohren klingt, ist für den Lärmempfindlichen ein Missklang, vor dem er gern die Ohren verschließen würde.

Doch er kann nicht, weshalb er ständig auf der Flucht ist, gerade vor den Mikrogeräuschen der Technik: dem Brummen des Blackberrys, dem Klicken der Heizung, dem Klackern der Computertastatur. Der Schriftsteller Ulrich Holbein hat ihn trefflich als „Prinzen auf der akustischen Erbse“ bezeichnet. An Heiligabend, psssst, soll er endlich sein Recht auf „Stille Nacht“ haben. Als musikalische Untermalung empfehlen wir John Cages 4,33, ein Stück, das den Vorzug hat, dass während der Spieldauer kein einziger Ton erklingt – an Silvester schlagen wir dann wieder Radau.

Weniger ist mehr

129 Euro fürs Essen, 7 Euro für die Kneipe, 16 für die Gesundheit, 28 für Haushaltsgeräte: Die Berechnung des monatlichen Hartz-IV-Satzes zeigt, dass keiner besser weiß als Vater Staat, was wir zum Leben brauchen. Klar, wenn einer dann auch noch arbeitet, soll er ein bisschen mehr haben. Wie viel? Dafür gibt es den Mindestlohn.

Aber wer sich um die kümmert, die zu wenig haben, muss sich auch um die sorgen, die zu viel haben. Ampeln und Beipackzettel zeigen uns, welche Bratwurst zu viel Fett enthält, ob der attraktive Sambia-Fonds vielleicht doch zu riskant ist und in welchem Restaurant Meister Proper Hausverbot hat.

Auch vor zu viel Geld wird uns der Staat in Zukunft schützen, sind doch die Nebenwirkungen bekannt und immer wieder erschreckend. Die versehentlich mit Zement verfüllte Oberweite ist da noch das geringste Übel. Auch für Besserverdienende weiß der Staat, wie viel gut ist. R10, Bundesrichter, oder 11 587,75 Euro im Monat, mehr ist laut Bundesbesoldungsordnung nicht zu empfehlen. Daran sollten wir uns in Zukunft alle halten.

Adel verpflichtet (endlich)!

Sie tragen außer Uniform bevorzugt Cordhosen, selbstverständlich in Rot, und können die Linie der Träger bis auf Ihren Ur-Großvater zurückführen? Sie überkommt an türkischen Expo-Pavillons ein des Nachgebens würdiger Harndrang? „Der Gotha“ ist für Sie nicht einfach ein Bekannter mit komischem Vornamen? Für den Fall, dass Ihre Tischdame moralischer Erfrischung und sublimer Komplimente bedarf, extemporieren Sie sofort ein Minnelied des Walther von der Vogelweide? „Hoflieferant“ ist in Ihren Augen DAS Qualitätssiegel? Sie parlieren von„part-ey“ und waren „wasted“, wenn Sie sich mit ihren ehemaligen Mitschülern aus Eton alter Ausschweifungen erinnern?

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