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Quelle: dpa

Investieren, auch unter Unsicherheit

Hauke Reimer
Hauke Reimer Stellvertretender Chefredakteur WirtschaftsWoche

Anleger wie Politiker tun jetzt gut daran, zu handeln. Sie sollten sich aber Rückfalloptionen offenhalten. Das ist nicht hasenfüßig, sondern klug.

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Die Welt wird erschüttert von neuer Unübersichtlichkeit. Wie hart trifft der Lockdown die Wirtschaft, drohen nach der Öffnung die zweite Coronawelle und die zweite Welle des Crashs – oder waren Politik und Märkte nur panisch, getrieben von der Angst vor dem Unbekannten? Die Börsen zumindest spielen durch, dass die soziale Distanzierung geholfen hat, Fallzahlen zu senken, dass die Rettungsmaßnahmen der Staaten und Notenbanken wirken – wenn auch mit gravierenden Folgen für Haushalte und Geldmenge, die das Bundesverfassungsgericht gerade wieder auf die Agenda gebracht hat. Investoren wie Politiker tun in solchen Phasen gut daran, schrittweise vorzugehen und sich Rückfalloptionen offenzuhalten. Das ist nicht hasenfüßig, sondern klug.

„Grau is alle Theorie – entscheidend is auf’m Platz“, das hat Adi Preißler, Rekordtorschütze von Borussia Dortmund, in den Fünfzigerjahren gesagt: In der Verantwortung stehende Politiker wie auch Investoren müssen nicht nur reden, sondern handeln, und zwar mit realen Folgen. Einen Shitstorm loszutreten, eine Onlinedemo für Lockerungsmaßnahmen zu organisieren, eine Bewegung im Internet zu gründen ist leicht – einfacher, als etwa als Landeschef unter Unsicherheit eine Entscheidung zu treffen, die Leben gefährden oder Menschen ruinieren kann. Ähnliches gilt für den Investor: Börsenaufschwung oder Crash lassen sich tausendmal vorhersagen. Kostet nichts, irgendwann bekommt der Prophet recht. Wer aber handelt, riskiert sein Geld. Er kauft womöglich, bevor die Kurse fallen oder – mindestens genauso bitter – verkauft alles, woraufhin die Börse steigt und Mutigere ihr Vermögen vervielfachen. Wie also vorgehen?

Auf jeden Fall investieren. Es hilft, Aktien zu kaufen, die Stärke bewiesen haben und nicht nur gestiegen sind, weil Anleger sie mit Hoffnung überfrachteten. Nicht Gurus hinterherlaufen, aber von Investoren lernen, die in der Vergangenheit überzeugt haben. Seine Strategie durchhalten – wer Anfang März alles verkauft hat, hat auch die Erholung verpasst. Regelmäßig anlegen, und seien es kleine Summen. Breit streuen. Und sich auf neutrale Quellen verlassen: Es ist nicht nötig, sich bei jedem Investment durch Bilanzen zu fressen. Das können andere übernehmen. Anleger müssen aber wissen, wem sie vertrauen können – in der Politik und an der Börse.

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