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Rennen um Impfstoff Russland will Teil der Haftung für Corona-Impfstoff übernehmen

Der brasilianische Bundesstaates Bahia will 50 Millionen Dosen des russischen Impfstoffs Sputnik V kaufen. Zuvor müssen die Haftungsfragen geklärt werden.

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Impfstoff gegen Corona: Russland will Teil der Haftung übernehmen Quelle: AP

Russland will einen Teil der Haftung für den umstrittenen Corona-Impfstoff „Sputnik V“ übernehmen. „Russland ist von seinem Impfstoff so überzeugt, dass es keine vollständige Haftungsfreistellung beantragt hat, das ist ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal gegenüber jedem westlichen Impfstoff“, sagte Kirill Dmitriev, Leiter des russischen Staatsfonds, der die Forschung finanziert.

Dmitriev wollte im Gespräch mit Reuters nicht sagen, ob Käufer des russischen Impfstoffs aufgefordert würden, eine Teilhaftung zu übernehmen, und nannte auch keine Einzelheiten zu Entschädigungsklauseln.

Der Gesundheitsminister des brasilianischen Bundesstaates Bahia, der 50 Millionen Dosen des russischen Impfstoffs kaufen will, erklärte jedoch, dass die rechtlichen Risiken von den russischen Impfstoffherstellern übernommen würden.

Noch ist der Vertrag aber nicht abgeschlossen worden. Der russische Staatfonds hat bislang Lieferdeals über rund 200 Millionen Impfstoffdosen angekündigt, die Hälfte davon soll nach Lateinamerika gehen, die andere nach Indien.

Bei der Suche nach einem Corona-Impfstoff drücken die Hersteller in nie dagewesener Form aufs Tempo und verkürzen die sonst jahrelange Entwicklung auf Monate. Das hatte Sorgen vor Nebenwirkungen geschürt. Die Klärung möglicher Schadenersatzansprüche ist deshalb einer zentraler Punkt bei den Verhandlungen über Lieferabkommen.

Dem Pharmakonzern AstraZeneca, der zum Kreis der führenden Unternehmen im Rennen um einen Impfstoff zählt, wurde nach eigenen Angaben von vielen Ländern, mit denen er Lieferverträge abgeschlossen hat, Schutz vor möglichen künftigen Haftungsansprüchen gewährt.

Russisches Mittel ist eine Abwandlung eines Ebola-Impfstoffs

Es handele sich um einmalige Situation, „in der wir als Unternehmen einfach kein Risiko eingehen können, wenn der Impfstoff in vier Jahren Nebenwirkungen zeigt“, hatte Ruud Dobber, Senior Executive von AstraZeneca, zu Reuters gesagt.

Russland hatte die Kritik von Experten auf sich gezogen, nachdem es Mitte August als weltweit erstes Land einen Corona-Impfstoff zugelassen hatte, der erst weniger als zwei Monate an Menschen getestet wurde.

Der russische Staatsfonds will einige der rechtlichen Risiken zusammen mit den zu ihm gehörenden Pharmafirmen, die den Impfstoff herstellen, übernehmen.

Er sei aber nicht über mögliche Schadensersatzansprüche besorgt, sagte Dmitriev: „Wir wissen, dass es nicht passieren wird, weil der Impfstoff seit Jahrzehnten erforscht wird.“ Sputnik V basiert nach seinen Worten auf einer Abwandlung eines Ebola-Impfstoffs, der die drei Phasen klinischer Entwicklung bereits durchlief.

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